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Border Collie rettet drei Vermisste

Ein vertrautes Team: Anja Rocksin und Border Collie Evan aus Hannover nehmen an der Rettungshunde-Prüfung der Johanniter-Unfall-Hilfe Nordbrandenburg teil.
Ein vertrautes Team: Anja Rocksin und Border Collie Evan aus Hannover nehmen an der Rettungshunde-Prüfung der Johanniter-Unfall-Hilfe Nordbrandenburg teil. © Foto: Sören Tetzlaff
Anna Fastabend / 26.10.2015, 06:58 Uhr
Eberswalde/Lichterfelde (MOZ) Mit feiner Nase und starken Nerven traten am Wochenende 42 Teams bei der bundesweiten Rettungshundeprüfung der Johanniter an. Der Regionalverband Nordbrandenburg hatte am Sonnabend zur Vermisstensuche in Barnimer Wäldern, am Sonntag zur Bergung auf einen Bauschutthof eingeladen.

Der vierjährige Border Collie Evan folgt seiner Chefin aufs Wort. Selbst die kleinste Handbewegung reicht aus, da liegt er schon auf den kalten Steinplatten der Bauschutthof-Zufahrt. Er spitzt die Ohren. Schließlich kann es jeden Moment losgehen: in die Trümmer, Vermisste suchen. Doch vorerst muss er sich noch gedulden. Seine Chefin Anja Rocksin von der Johanniter-Rettungshundestaffel Hannover muss sich erst einmal einen Überblick verschaffen.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe Nordbrandenburg hat das Betriebsgelände der Erd- und-Bauschuttrecycling-Firma Rouvel kurzerhand in ein Katastrophen-Szenario verwandelt. Die Bauschutthaufen stellen eingestürzte Hallen einer Schulranzen-Fabrik dar. "Es hat eine Gasexplosion gegeben", berichtet die Einsatzleiterin. Mehrere Mitarbeiter werden vermisst. Hundeführerin Rocksin erfragt die nötigen Fakten, studiert den Bauplan und verstreut Babypuder in der Luft, um die Windrichtung zu bestimmen. Dann gibt sie das Kommando "Such" und Evan erklimmt den ersten Schutthaufen.

Der Border Collie ist bereits geprüfter Trümmerhund. Nach anderthalb Jahren muss die Prüfung aber wieder aufgefrischt werden, berichtet Anika Walter, die als eine von drei Staffelleitern der Johanniter Nordbrandenburg die Prüfung mit ausgerichtet hat. Insgesamt nehmen an der Trümmerprüfung sieben Teams teil, die aus ganz Deutschland angereist sind. Neben Hannoveranern sind Stuttgarter und Leipziger dabei. "Fast jeder Hund eignet sich als Rettungshund", sagt Walter. Nur die ganz kleinen wie Chihuahuas oder so große wie Bernhardiner könnten nicht eingesetzt werden. Letztere seien einfach zu massig, um über die wackeligen Steinbrocken zu gehen.

Anika Walter selbst hat sich für einen Jack Russell Terrier als Rettungshund entschieden. Der achtjährige Jasko ist mittlerweile ein erfahrener Fährtensucher. In diesem Sommer erst hatte das eingespielte Team innerhalb seiner Staffel einen Großeinsatz in der Uckermark. Ein Seniorenheim hatte eine Person als vermisst gemeldet. "Wir haben sie in dem uns zugeteilten Gebiet zwar nicht gefunden. Aber dafür die Kollegen eines anderen Rettungsdienstes", erinnert sich die 32-Jährige. Doch auch Jack Russell Terrier Jasko hat klein angefangen. Bei seiner Ausbildung hatte er Glück. Denn Anika Walter ist nicht nur ehrenamtliche Hundeführerin bei den Johannitern, sondern auch Hundetrainerin. "Ich habe mein Hobby einfach zum Beruf gemacht", freut sie sich. Deshalb hat Jasko heimlich bestimmt ein bisschen mehr trainiert als so mancher seiner Hunde-Kollegen, die sich zweimal die Woche zum gemeinsamen Üben treffen.

Bald will Anika Walter mit Jasko auch an Auslandseinsätzen teilnehmen. So wie Alexandra Busemann (42) von der Johanniter-Rettungsstaffel Stralsund. "Wenn irgendwo ein Erdbeben passiert, dann kann sich das betroffene Land an die Vereinten Nationen wenden und um Hilfe bitten", erklärt sie. Gemeinsam mit der Euro-Atlantischen Koordinierungszentrale für Katastrophenhilfe EADRCC sei sie zuletzt bei einer Nato-Großübung in Armenien mit 500 Teilnehmern gewesen, so Busemann weiter.

Border Collie Evan hechtet den Geröllberg hinab. Stoppt. Bellt. Anja Rocksin ist sofort an seiner Seite. "Hallo, hören Sie mich?", spricht sie den Opfer-Darsteller hinter der Trümmerwand an. "Haben Sie keine Angst. Wir helfen Ihnen." Das Team spürt alle drei Vermissten auf und besteht.

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