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Bildung als Weltrettung

Soziales Engagement: Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist die erste Institution im Bundesland, die sich der Kiron University für Geflüchtete anschließt. Zu diesem Anlass lud sie am Dienstag Interessierte zu einer Informationsveranstaltung ein,
Soziales Engagement: Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist die erste Institution im Bundesland, die sich der Kiron University für Geflüchtete anschließt. Zu diesem Anlass lud sie am Dienstag Interessierte zu einer Informationsveranstaltung ein, © Foto: Sören Tetzlaff
Anna Fastabend / 28.10.2015, 06:59 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde beteiligt sich als erste Brandenburger Lehrstätte an der Kiron University. Die digitale Bildungsplattform will Geflüchteten ein Studium ermöglichen, das erstens kostenlos und zweitens unbürokratisch ist.

"Die Kiron University ist eine geniale Idee. Sie ist das Zwischenstück, auf das wir alle gewartet haben", erklärt Claudia Brözel. Die Dozentin für nachhaltiges Tourismusmanagement hat die Idee, sich an der Hochschule für Geflüchtete zu beteiligen, nach Eberswalde gebracht.

Die HNE stellt am Dienstag gemeinsam mit dem Kiron-Mitbegründer, Vincent Zimmer, das neue Projekt vor. "Wir wollen Verantwortung übernehmen", erklärt Hochschulpräsident Wilhelm-Günther Vahrson bei der Eröffnung. Und das in möglichst umfassender Art und Weise: Daher kommt für Geflüchtete die Möglichkeit hinzu, an der HNE einen akademischen Abschluss zu machen. Bisher gibt es bereits 30 Kurse, an denen sie als Gasthörer teilnehmen können, so der Präsident. Sowie das Projekt "SofA", das Konversationskurse anbietet. Die HNE startet erst einmal mit fünf Studenten. Perspektivisch sollen es aber mehr werden, die ihren Bachelor in den Studiengängen des Fachbereichs nachhaltige Wirtschaft absolvieren. Dieser wird für die Studenten der gemeinnützigen Organisation Kiron geöffnet.

Doch bis dahin dauert es noch etwas. Schreibt sich ein Geflüchteter an der Kiron University ein, studiert er zwei Jahre lang online. Das erste Jahr in Form eines Studium Generale, im zweiten spezialisiert er sich: Computerwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Architektur und Intercultural Studies. Zudem werden Deutschkurse angeboten. Zwischen erstem und zweitem Jahr und zum Abschluss gibt es Prüfungen. Das dritte Jahr verbringen die Studenten an einer Partneruniversität wie der HNE Eberswalde.

Das Besondere an der digitalen Studienplattform: Es gibt keine Voraussetzung für die Aufnahme - außer die, dass der Student ein Geflüchteter ist. An einer deutschen Universität angenommen zu werden, ist hingegen ungleich schwerer. Da muss ein gesicherter Aufenthaltsstatus, ein Pass, ausreichende Deutschkenntnisse sowie ein Schulabschluss aus dem Heimatland nachgewiesen werden.

Im Oktober startete das erste Kiron-Semester mit 1000 Studenten. 80 Prozent von ihnen kommen aus Syrien. Für die ersten beiden Jahre benötigen sie nicht mehr als einen PC und einen Internetzugang. Über diesen können sie auf eine Vielzahl von Web-Seminaren zugreifen, den sogenannten Massive Open Online Courses. Dazu kooperiert die Kiron University mit verschiedenen Lernplattformen, die wiederum weltweit mit Universitäten zusammenarbeiten. Die gefilmten Vorlesungen sowie das dazugehörige Material stehen für die Kiron-Studenten über das Internet zur Verfügung. In dazugehörigen Foren kann über den Lehrstoff diskutiert werden. Die Onlineseminare finden größtenteils auf Englisch statt.

Die Geflüchteten haben zwei Jahre Zeit, um alle nötigen Dokumente für die Einschreibung an einer deutschen Universität zusammenzubekommen. Die Kiron University hat Partneruniversitäten auf der ganzen Welt. Bisher sind es 15 Einrichtungen. Doch man sei mit 90 weiteren im Gespräch, so Vincent Zimmer, der die Bildungsplattform 2014 in Berlin mitgründete. Mittlerweile besteht das Team aus 260 Freiwilligen, zu denen auch 52 Professoren zählen. Zudem sei man ständig auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern. Einer von ihnen ist beispielsweise die Nichtregierungsorganisation KeePod. Sie stattet Studierende mit gebrauchten Laptops aus.

Das Angebot von Kiron ist kostenlos. Finanziert wird es unter anderem über eine Crowdfunding-Kampagne, also über Spenden, die Onlinenutzer zur Verfügung stellen. Bisher hat die Plattform 190 000 Euro eingenommen. 1,2 Millionen sollen es werden. Zudem hoffe man auf staatliche Fördermittel.

Mitbegründer Vincent Zimmer stellt klar: "Jeder Onlinestudent, der das zweite Jahr schafft, bekommt einen Studienplatz an einer Universität - und kann dort einen regulären Abschluss machen."

Der pakistanische Student Kashif Kazmi ist im ersten Jahrgang der Kiron University. Er sagt: "Mit Bildung kann man die Welt retten."

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