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Weil die Chemie zwischen ihnen nicht stimmt, werfen drei von vier Vorstandsmitgliedern das Handtuch

Kreisfeuerwehrverband in der Krise

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Sabine Rakitin / 28.10.2015, 19:06 Uhr
Bernau/Eberswalde (MOZ) Der Kreisfeuerwehrverband Barnim ist führungslos. Vorsitzender Rainer Strempel, Stellvertreter Bernd Falkenthal und Schatzmeisterin Doreen Gärtner legten ihre Ämter nieder. So besteht der Vorstand nur noch aus einem Mitglied: Kreisjugendwart Michel Görke - und der ist suspendiert.

Kreisbrandmeister Silvio Salvat-Berg ist erbost. "Verbandsschädigendes Verhalten" wirft er dem zurückgetretenen Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV), Rainer Strempel, vor. Der hatte zum 6. Oktober sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt und einen Tag später auf der Internetseite des KFV unter anderem eine fehlende Unterstützung durch den Landkreis kritisiert. Was Salvat-Berg dem Biesenthaler aber besonders übel nimmt: Dieser hatte sich an die Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig (Linke) und Daniel Kurth (SPD) gewandt. "Was gehen die Landtagsabgeordneten interne Schwierigkeiten der Vorstandsarbeit an?", ist der Kreisbrandmeister sauer. "Anstatt mit den Mitgliedern des KFV zu reden und Lösungsmöglichkeiten zu suchen, ziehen Sie es vor, externe Personen und den politischen Raum mit internen Problemen des Kreisfeuerwehrverbandes zu belasten", wirft er Rainer Strempel vor. Der wiederum hatte zuvor noch eins drauf gesetzt: Weil das einzige im Vorstand verbliebene Mitglied, Michel Görke, den Verband nach außen vertrat und Strempels Internetzugänge sowie E-Mailadressen sperrte, suspendierte Strempel den Schwanebecker von seinem Amt als Kreisjugendwart - und das drei Tage nach dem eigenen Rücktritt.

Die Auseinandersetzungen, die jetzt nach außen dringen, sind nur die Spitze des Eisberges. In der Barnimer Verbandsführung tobte bereits seit Monaten ein erbitterter Streit. Auf der einen Seite standen Vorsitzender Strempel und sein erster Stellvertreter Bernd Falkenthal, auf der anderen Kreisjugendwart Görke und dessen Stellvertreterin Doreen Gärtner.

Der Biesenthaler Stadtwehrführer Strempel, im Berufsleben Unternehmer, gilt als "Macher". Er ist nicht gewohnt, lange zu zaudern. Hat er eine Idee, dann setzt er sie um. Und so war er auch bei der Vorstandswahl des Kreisfeuerwehrverbandes Ende März 2014 voller Enthusiasmus angetreten, um für die Barnimer Wehren so viel wie möglich zu erreichen.

Dass die Uhren in einer Verwaltung wie dem Landratsamt etwas anders ticken, begriff Strempel erst, nachdem er Abrechnungen aus Eberswalde mit entsprechenden Hinweisen versehen zurück bekam. Strempels Vorwurf, der Landkreis würde die Feuerwehren nicht genügend unterstützen, weist Kreissprecher Oliver Köhler entschieden zurück. "Wir unterstützen den Kreisfeuerwehrverband mehr als jeder andere Landkreis in Brandenburg", sagt er. 10000 Euro pro Jahr gibt es aus dem Kreishaushalt für den KFV. "Allerdings ist die Förderung projektbezogen", erläutert Köhler. Und es gebe klare Richtlinien, welche Projekte bezuschusst würden. Dazu gehörten beispielsweise Maßnahmen zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit, zur Würdigung ehrenamtlichen Engagements und zur Traditionspflege, zählt der Kreissprecher auf. "Herr Strempel hatte teilweise andere Ideen, wie das Geld verwendet werden soll. Dazu gab es mehrere Hinweisschreiben an ihn aus unserem Hause", sagt er.

Doreen Gärtner, die Schatzmeisterin a.D. des Verbandes, will ihren Rücktritt keineswegs als Reaktion auf diese Diskrepanzen verstanden wissen. "Inhaltlich hat er eine gute Arbeit gemacht", bescheinigt sie dem bisherigen Vorsitzenden. Ihr Rückzug habe "allein zwischenmenschliche Gründe", sagt sie. "Zwischen uns hat die Chemie einfach nicht gestimmt." Barnimer Feuerwehrleuten vermuten indes einen "Generationskonflikt". "Wir wollen junge Leute in der Wehr. Dann müssen wir sie auch in Entscheidungsprozesse einbeziehen und ihnen nicht nur Befehle erteilen", kommentiert ein Wehrführer die Vorgänge im KFV-Vorstand.

In den nächsten Tagen will Kreisbrandmeister Silvio Salvat-Berg alle Wehrführer zu einer Verbandsausschusssitzung zusammenrufen, um die Kuh vom Eis zu holen. Doch viele bezweifeln, dass sich noch einmal Kandidaten für einen neuen Vorstand finden. "Eigentlich brauchen wir den Verband gar nicht", sagt einer. "Die Kinder- und Jugendarbeit können wir auch so fördern."

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