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Kommende Woche gehen "Abendspaziergänger" erneut auf Oberhaveler Straßen - ihre Gegner auch

Die Rituale wiederholen sich

Nach acht Monaten wieder Protest: Asylbefürworter wollen sich kommende Woche wieder den Zügen von Asylgegnern durch Oranienburg und Velten entgegenstellen.
Nach acht Monaten wieder Protest: Asylbefürworter wollen sich kommende Woche wieder den Zügen von Asylgegnern durch Oranienburg und Velten entgegenstellen. © Foto: MZV
Tilman Trebs / 29.10.2015, 08:52 Uhr
Oberhavel (MZV) Fast acht Monate lang war Ruhe. Ab der kommenden Woche wollen Asylgegner bei so genannten "Abendspaziergängen" auch im Südkreis wieder auf die Straße gehen. Demonstrationen sind für Mittwoch in Oranienburg und für Donnerstag in Velten angemeldet worden. In beiden Städten wurden inzwischen auch Gegenkundgebungen angekündigt.

In Oranienburg ruft das Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt zu zwei Kundgebungen unter dem Motto "Tolerantes Oranienburg - anders, weltoffen, bunt" auf. Die erste startet um 18 Uhr am Bahnhof, die zweite nach einem Umzug durch die Innenstadt auf der Kreuzung vor der Havelpassage. Der Abendspaziergang wird nach Informationen unserer Zeitung ebenfalls durch die Innenstadt und am Schloss vorbei führen. In Velten will sich ein Bündnis aus Parteien und Verbänden am Donnerstag, 5. November, um 17 Uhr vor der evangelischen Kirche treffen. Dort soll es eine Kundgebung und ein Friedensgebet geben.

Dass die Abendspaziergänger erstmals auch durch die Ofenstadt ziehen, überrascht. In Velten gibt es bislang keine Asylbewerberunterkunft. Nach Informationen dieser Zeitung ist es diesmal auch nicht der für fremdenfeindliche Demonstrationen hinlänglich bekannte NPD-Stadtverordnete Robert Wolinski, der die Veranstaltung angemeldet hat. Vielmehr handelt es sich um einen bislang öffentlich in rechtsextremen Kreisen nicht aufgetretenen Veltener - der Name ist der Redaktion bekannt -, der den "Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik" angemeldet hat. Was dieser Veltener unter "angemessener Asylpolitik" versteht, kann vermuten, wer seine Facebook-Seite aufruft. Mit "Gefällt mir" sind dort diverse NPD-Seiten ebenso vermerkt wie diverse "Nein zum Heim"-Gruppen in Oberhavel und Umgebung. Darüber hinaus posiert er dort auch mit einer Waffe, die er sich an den Kopf hält.

Dass es sich bei dem Veltener um einen sogenannten besorgten Bürger handelt, der von sich aus zum Spaziergang gegen die Asylpolitik aufruft, ist schon deshalb zu bezweifeln, weil die Aktion auf einem gemeinsamen Plakat mit der Oranienburger Aktion beworben wird. Die Aufrufe zu Abendspaziergängen in Zehdenick und Rheinsberg sind ebenfalls identisch gestaltet.

Die Abendspaziergänger hatten schon im vergangenen Winter versucht, eine Nähe zu rechtsextremen Organisationen abzustreiten. Bei den Kundgebungen sprachen dann aber unter anderem Funktionäre der Jungen Nationaldemokraten und der NPD. Die Partei war augenscheinlich auch bei der Organisation und Durchführung von Umzügen behilflich. "Die Ausrichtung der Abendspaziergänge ist keine, die allein rechtsextreme Reisekader anzieht, wie zum Beispiel beim Tag der deutschen Zukunft im Juni in Neuruppin", sagt Nico Scuteri vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Neuruppin. "Sie versuchen sich der Pegida-Bewegung anzuschließen. Zu den Umzügen kommen auch Leute aus dem Umfeld der Rechten, die zwar NPD wählen und rassistische Ressentiments haben, sich ansonsten aber nicht weiter in der Szene engagieren." Nur vereinzelt hätten sich bislang auch verunsicherte Bürger aus der gesellschaftlichen Mitte an den Märschen beteiligt. Anders als in Dresden hätten rechte Aktivisten in Brandenburg von Anfang an im Hintergrund die Regie geführt.

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