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Zehdenicker Ortsteile haben Einfluss auf ländliche Langzeitstudie

Dörfer mit Anziehungskraft

Informierten sich im Bundeslandwirtschaftsministerium über die Studienergebnisse (von links): Die Ortsbeiräte Fred Ziethmann (Marienthal), Cordula Glasow (Badingen), Ernst Kunter (Burgwall), André Witzlau (Mildenberg) und Christoph Pickert (Zabelsdorf).
Informierten sich im Bundeslandwirtschaftsministerium über die Studienergebnisse (von links): Die Ortsbeiräte Fred Ziethmann (Marienthal), Cordula Glasow (Badingen), Ernst Kunter (Burgwall), André Witzlau (Mildenberg) und Christoph Pickert (Zabelsdorf). © Foto: MZV
Martin Risken / 30.10.2015, 09:22 Uhr
Berlin/Zehdenick (MZV) Trotz eines gravierenden Strukturwandels haben die Dörfer seit 1993 an Attraktivität gewonnen. Es ist wieder angesagt, auf dem Dorf zu leben. Am Donnerstag sind die Ergebnisse einer europaweit einzigartigen Langzeitstudie über die Veränderung der ländlichen Lebensverhältnisse in Berlin vorgestellt worden.

Einfluss auf die Ergebnisse hatten auch die Einwohner von sechs Zehdenicker Ortsteilen, in denen es bis Anfang der 1990er-Jahre Ziegelindustrie gab. In Badingen, Burgwall, Marienthal, Mildenberg, Ribbeck und Zabelsdorf befragten die Forscher im Jahr 2012 zahlreiche Einwohner. Insgesamt wurden deutschlandweit in 14 Gemeinen die Daten für die Langzeitstudie erhoben. Alle 20 Jahren findet die Erhebung statt. Während in zehn westdeutschen Kommunen die Untersuchung seit 1952 läuft, gibt es sie in Ostdeutschland erst seit 1993. Unter Federführung des Thünen-Institutes haben sechs Forschungseinrichtigen insgesamt 3 177 Einwohner nach ihren Lebensverhältnissen befragt. Besonders aufschlussreich sind dabei die Ergebnisse in dem Teilprojekt über die Dörfer als Wohnstandorte, die Prof. Dr Wolf Lorleberg am Donnerstag präsentierte. Zwar bleiben viele Dörfer nicht vom demografischen Wandel verschont, dennoch erfreue sich der ländliche Raum zunehmender Beliebtheit. Zwei Drittel der auf dem Dorf lebenden Einwohner sind mittlerweile Zuzügler. Auch in Ostdeutschland sei die Trendwende eingetreten. Es sei ein Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Der Grund: "An dieser Entwicklung haben die vielfältigen, von freiwilligem Engagement der Bürger getragenen Aktivitäten zur Entwicklung ihrer Dörfer entscheidenden Anteil", heißt es dazu in der Studie. Gemeint sind damit die zahlreichen Vereine in den sechs Zehdenicker Ortsteilen. Ein weiterer Grund sei, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Niedergang in den 1990er-Jahren stabilisiert haben. "Als ein eminent wichtiger Stabilisierungsfaktor hat sich das Auspendeln zur Arbeit von rund 3 000 Einwohnern Zehdenicks entwickelt. Wichtigstes Pendelziel ist infolge verbesserter Mobilitätsmöglichkeiten Berlin beziehungsweise der nördliche Teil des sogenannten Berliner Speckgürtels." Im bundesweiten Vergleich sind die Zehdenicker Arbeitnehmer hart im Nehmen. Explizit weist der Abschlussbericht darauf hin: Während 80 Prozent der befragten Pendler ihren Arbeitsplatz in weniger als 30 Minuten erreichen, "bilden die stärker auf Berlin ausgerichteten Ortsteile Badingen, Burgwall, Marienthal, Mildenberg, Ribbeck und Zabelsdorf der Stadt Zehdenick eine Ausnahme. Dort benötigen 16 Prozent der Pendler zwischen 60 und 90 Minuten, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen." Trotzdem kommt für die Befragten ein Umzug aufgrund familiärer Beziehungen nicht in Frage. Zur Bindung trägt darüber hinaus das Wohneigentum bei. Gut 80 Prozent wohnen in den eigenen vier Wänden. Außerdem schätzen 53 Prozent aller Befragten das ruhige Leben auf dem Dorf und genießen die Natur. "Landwirtschaft in der Natur wird allerdings als störend empfunden", sagte Lorleberg. Noch mit einem anderen Einzelergebnis ragen die Zehdenicker aus der Studie heraus: Sieben Prozent gaben an, dass sie mit den sie interessierenden Freizeitmöglichkeiten vor Ort zufrieden sind. Deutschlandweit waren es nur drei Prozent.

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