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Der "Tierschutzverein 16 Pfoten Erkner" nimmt kranke Vierbeiner auf, vermittelt und sammelt Spenden

Flohkämme für obdachlose Hunde

Leckerli im Garten: Jennys Heering füttert in ihrem Garten den neunjährigen Bulldoggen-Rüden Hermann und die fünfjährige Frieda. Mit ihrem Mann Jan und 15 weiteren Mitgliedern betreibt die Erkneranerin den "Tierschutzverein 16 Pfoten Erkner".
Leckerli im Garten: Jennys Heering füttert in ihrem Garten den neunjährigen Bulldoggen-Rüden Hermann und die fünfjährige Frieda. Mit ihrem Mann Jan und 15 weiteren Mitgliedern betreibt die Erkneranerin den "Tierschutzverein 16 Pfoten Erkner". © Foto: MOZ/Eggers
Joachim Eggers / 02.11.2015, 19:31 Uhr
Erkner (MOZ) Sie holen Hunde aus Tötungsstationen im Ausland und vermitteln Ponys, die auf den Schlachthof gebracht werden sollen, an neue Besitzer: Tierfreunde aus Erkner und Umgebung haben den "Tierschutzverein 16 Pfoten Erkner" gegründet.

"Meine Oma ist nierenkrank, sie braucht Spezialfutter", sagt Jennys Heering. Die "Oma", die die 41-jährige Erkneranerin meint, ist eine Hündin. Die elfjährige Frida gehört zu den vier Hunden, die Jennys Heering und ihr Ehemann Jan auf ihrem Grundstück in der Ahornallee halten. Nur eines der vier Tiere, die fünfjährige Frieda, ist wirklich gesund, die anderen drei haben unterschiedliche Gebrechen. Hermann, wie die Heerings einen französischen Bulldoggen-Rüden genannt haben, wäre in Spanien in einer der dort verbreiteten Tötungsstationen eingeschläfert worden. Die Empörung ist Jennys Heering anzumerken, wenn sie über solche Einrichtungen spricht. Jetzt springt der neunjährige Hund fidel durch den Garten.

Jennys und Jan Heering haben ihr Leben schon seit Jahren dem Tierschutz verschrieben. "Ich bin mit Tieren aufgewachsen", sagt die Frau, die in der Gastronomie des Bundeswehr-Sozialwerks in Grünheide arbeitet, über ihre Motivation. Das seit einem Jahr verheiratete Paar - jeder der beiden Partner hat erwachsene Kinder - hat sich einige Jahre in einem Berliner Tierschutzverein engagiert. Allmählich reifte der Gedanke, einen eigenen Verein zu gründen. Im Sommer war es soweit, und dank Mundpropaganda im Freundeskreis, sozialen Netzwerken und eigener Internet-Seite hat der Verein inzwischen schon 17 Mitglieder. Der Jahresbeitrag liegt bei 25 Euro. Mit dem eigenen Verein, so die Überlegung, ist es leichter, Spenden zu sammeln. Vor allem bei Sachspenden, das haben Jan und Jennys Heering längst gemerkt, gibt es eine große Bereitschaft, nicht mehr benötigte Kratzbäume für Katzen, Decken und Futter für einen guten Zweck bereitzustellen. Auch Geschäfte in Erkner haben dem Verein schon geholfen.

Zu den Zielen des Vereins gehört auch die Unterstützung von Tierheimen, die sonst wenig Hilfe erfahren. Demnächst wollen Heerings mit ihrem vollgeladenen Auto nach Herzsprung bei Wittstock fahren und Spenden bringen, Mitte September waren sie in Ungarn und haben dort Hilfsgüter abgeliefert. Die Vereinsmitglieder kümmern sich aber auch, wenn es wie kürzlich gilt, Ponys vor dem Schlachthof zu bewahren. Binnen einer Woche sei es gelungen, die Tiere an einen neuen Halter zu vermitteln, sagt Jennys Heering.

Größtes Projekt des Vereins ist derzeit die Teilnahme an der Weihnachtsfeier, die der Schlagersänger Frank Zander jedes Jahr für Obdachlose ausrichtet. Am 21. Dezember wollen die Erkneraner an einem Stand im Berliner Hotel Estrel mit der Obdachlosenhilfe 50, vielleicht sogar mehr Pakete für die Hunde der Obdachlosen verschenken. "An diese Tiere denkt sonst niemand", sagt Jennys Heering. Sie bezeichnet sie ausdrücklich als obdachlose Hunde, nicht als Obdachlosen-Hunde. Die Pakete sollen unter anderem Futter, eine Zeckenzange, eine Maulschlaufe und einen Flohkamm enthalten.

Jennys Heering will nicht in den Kopf, dass kranke Hunde so rasch getötet werden. "Inzwischen sterben nur noch wenige eines natürlichen Todes", ist ihre Erfahrung. Sie wolle hingegen so schnell nicht aufgeben. "Es wird gekämpft bis zum Schluss", lautet ihre Devise. Ein einziges Mal, erinnert sie sich, hat sie sich dazu entschieden, einen dreijährigen Hund einschläfern zu lassen. Epileptische Anfälle und ständiges Erbrechen waren die ersten Symptome, dann stellte sich heraus, dass der Hund einen Hirntumor hatte. "Wegen Alters-Wehwehchen einen Hund einschläfern zu lassen - das kann ich nicht nachvollziehen", sagt die Erkneranerin. "Umgekehrt würden die Hunde einen doch auch bis zuletzt begleiten."

www.tierschutzverein-16-pfoten-erkner-ev.de

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