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Mit Satire auf Mitgliederfang

Oliver Maria Schmitt und Lars Krause.
Oliver Maria Schmitt und Lars Krause. © Foto: MZV/Jahnke
Ute Jahnke / 08.11.2015, 16:45 Uhr - Aktualisiert 05.02.2016, 11:42
Falkensee (MZV) Jetzt war es endlich soweit: Oliver Maria Schmitt – seines Zeichens Satiriker, Schriftsteller, ex-Chefredakteur des Satire-Magazins „Titanic“, Mitglied der „Titanic-Boygroup“, Kanzlerkandidat und Ehrenmitglied der Partei namens „Die PARTEI“ – las aus seinem neuesten Buch „Ich bin dann mal Ertugrul“. Und das nicht etwa in Berlin, sondern in Falkensee, wo die PARTEI erfolgreich um Mitglieder warb, um nun endlich einen Ortsverband gründen zu können.

Oliver Maria Schmitt begrüßte seine Zuhörerschar zur „ersten Kulturveranstaltung in Falkensee seit 72 Jahren“, bei der „fast die komplette Kultur-Elite Falkensees anwesend“ zu sein schien. Er lud sie ein zu einer „kleinen Weltreise im Sitzen“, um seinen skurrilen Reiseerlebnissen zu lauschen. Dabei kamen den Zuhörern vor lauter Lachen auch schon mal die Tränen.

Zunächst sollte man den unkonventionellen Buchtitel erklären: Als auf der Frankfurter Buchmesse („dem Oktoberfest für Brillenträger“) die Türkei Gastgeberland war, schlüpfte Schmitt mit Fez und angemaltem Schnurrbart in die Rolle des Ertugrul Osmanoglu, um den Verlegern seine neueste Buchidee feilzubieten, merkte aber schnell: „Alle haben Angst vor Irren mit Manuskripten“. Nach seinen bisherigen Büchern wie „Das beste Buch aller Zeiten“ und „Mein Wahlkampf“ (Rowolth-Verlag), suchte er nun einen Titel für sein neuestes Buch. Als Mischung aus Bestsellern wie Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ und Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ bot sich „Ich bin dann mal feucht“ an. Schließlich entschied er sich dann aber doch für „Ich bin dann mal Ertugrul“.

In einer seiner vielen Kurzgeschichten erzählte Schmitt, er „habe immer davon geträumt, mal in einem Hotelzimmer zu übernachten, in dem ein berühmter Mensch gestorben ist.“ Doch inzwischen gibt er allen den Ratschlag: „Denken Sie nie darüber nach, wer vor Ihnen in diesem Zimmer übernachtet hat“, besonders wenn „der letzte Gast das Zimmer auf unkonventionelle Weise verlassen hat“. Sein Geist könne einem schlaflose Nächte bereiten, denn „er hatte ja nie persönlich ausgecheckt“. Doch „gestorben wird schließlich immer und überall. Sogar auf Kreuzfahrtschiffen.“ Ein Schiffsoffizier habe ihm erklärt, „bei 3.000 Rentnern an Bord und einer Woche Fahrzeit bräuchte man mindestens 1 bis 2 Särge. Das sei der normale Schwund“. Trost habe er daraufhin bei Goethe gesucht, den er persönlich im römischen Goethe-Haus besuchen wollte. Als man ihm sagte, Goethe sei tot, habe er ungläubig reagiert: „Wie bitte? Wollen Sie mich verarschen? Erst neulich hab ich noch ein Buch von ihm gelesen!“

Über seine Niederlage im Ernest-Hemingway-Ähnlichkeits-Wettbewerb in Key West (mangels grauem Bart und Tropenkleidung) philosophierte er: „Dass sich einmal im Jahr alte Männer zusammen fanden, um etwas Merkwürdiges zu machen, fand ich eigentlich ganz okay. Es muss ja nicht immer ein CDU-Parteitag sein.“ Und über Touristenbetrug auf ausländischen Kunstmärkten kann er nur den Kopf schütteln. „Mir kann das zum Glück nicht passieren. So erstand ich erst neulich auf einem Gemäldemarkt in Ho-Chi-Minh-Stadt einen echten van Gogh. Und zwar extrem günstig. Und weil der Verkäufer mich so sympathisch fand, legte er noch einen kleinen Rembrandt obendrauf.“

Nach der gelungenen Veranstaltung verkündete der „größte Landesvorsitzende Brandenburgs aller Zeiten“, Lars Krause: „Wir haben heute den soliden Grundstein für die Ortsverbandsgründung gelegt.“ Noch in diesem Jahr solle es soweit sein. „Die Machtergreifung ist nahe.“ Schmitt gab seinen Falkenseer PARTEI-Genossen noch folgenden schelmischen Tipp mit auf den Weg: „Falkensee sollte an die Berliner Seenkette angeschlossen werden, so dass man Falkensee auch auf dem Wasserweg erreichen kann.“

Auf jeden Fall will sich die PARTEI im Havelland kulturell etablieren, indem sie regelmäßig hochkarätige Satiriker nach Falkensee einlädt, deren Lesungen hier exklusiv kostenfrei angeboten werden. So liest Leo Fischer am 6.12. gegen 16 Uhr, Thomas Gsella am 28.1. um 19 Uhr und Gerhard Henschel am 26.2. um 19 Uhr. Als Veranstaltungsort ist wieder das „Schrääg rüber“ im Gespräch, wieder mit freiem Eintritt. Genauere Informationen erhalten Sie unter www.die-partei-bbg.de sowie auf Facebook unter DieParteiBrandenburg.

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Partei Pate 09.11.2015 - 23:55:41

Tja liebe Wähler ...

nun überlegen Sie mal! Die PARTEI will Inhalte überwinden! Weitere Infos gibt es hier: https://www.die-partei.de/ (bundesweit) https://die-partei-bbg.de/ (Brandenburg)

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