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Das Ratzdorfer Kirchlein feiert 50. Geburtstag

WTUCHENN / 23.05.2008, 08:24 Uhr
Ratzdorf Das Wochenende steht in unter einem ganz besonderen Stern: Die Kirchengemeinde feiert anlässlich des 50. Geburtstag ihres Gotteshauses am 23, 24. und 25. Mai ein dreitägiges Kirchweihfest.

Obwohl es gerade mal noch etwa 40 Familien sind, die die Ratzdorfer Kirchengemeinde - Teil der Neuzeller und Wellmitzer Gemeinde - bilden, wird es am heutigen Abend sowie an beiden Wochenendtagen wohl weitaus mehr Besucher in das kleine Kirchlein ziehen. Es wurde vor 50 Jahren eingeweiht, entstanden aus der einstigen Pfarrscheune. Eva-Marie Schulze, die Kirchenälteste, hat den Umbau damals selbst nicht bewusst miterlebt und freut sich deshalb wie die anderen, dass heute um 19 Uhr als erster Teil der Feierlichkeiten ein 12-minütiger Amateurfilm vom Bau der Kirche gezeigt wird. Anschließend ist der bewegende Spielfilm "Lichter" - auch er spielt an der deutsch-polnischen Grenze - für alle Besucher zu sehen. Das weitere Programm sieht für morgen um 18 Uhr den Auftritt des "Collegium Musicum" und anschließend einen gemeinsamen Grillabend vor. Höhepunkt und Abschluss des Kirchweihfestes werde, so Pfarrer Uwe Weise, der Festgottesdienst mit der Generalsuperintendentin Heilgard Asmus am Sonntag um 14 Uhr in der Kirche mit anschließendem Kaffeetrinken samt Grußstunde in der Gaststätte "Kajüte" sein.

Eva Marie-Schulze (61) war schon vor 30 Jahren Kirchenälteste, sagt sie lachend, und weist damit darauf hin, dass man nicht unbedingt die Älteste an Jahren für diese Aufgabe sein muss. Mit der Ratzdorfer Kirche sei sie durch ihre Familie verbunden. Ihre Mutter stammt aus Ratzdorf, wo Eva-Marie auch heute wieder mit ihrer Familie wohnt. In der Pfarrscheune, so erzählt sie, hat der Pfarrer seinerzeit Stroh und Heu für die Tiere in seiner Wirtschaft gelagert. Eine Kirche hatte Ratzdorf vorher nie, denn der Ort gehörte vor dem 2. Weltkrieg zum Pfarrsprengel Kuschern, gelegen im heutigen Polen, wo es auch eine Kirche gab. Dorthin, so Eva-Marie Schulze, fuhren die Ratzdorfer mit der Fähre zum Gottesdienst. Nach dem Krieg und mit der Grenze gab es für die Ratzdorfer kein Gotteshaus mehr. Doch damit wollten sie sich nicht abfinden. In einem Brief vom 16. Juli 1957 an den Vorsitzenden des Gustav-Adolf-Werkes Görlitz, Pfarrer Heuser, schrieb Pastor Karl Tiedeke aus Ratzdorf: "Jetzt gibt es in Ratzdorf keine Pfarrscheune mehr, sondern eine im Bau befindliche Kirche. Seit dem 31. Mai sind die Handwerker an der Arbeit." Am 26. Mai 1958 wurde schließlich die Kirche eingeweiht. Das Grundgerüst der Scheune blieb bestehen, es wurden Fenster und Türen eingebaut und ein Kirchturm errichtet, wobei viele Ratzdorfer, Kuscherner und Lamoer mithalfen. Seitens der Kirche und westdeutscher Partnergemeinden gab es finanzielle Hilfe. Über die Geschichte wird auch eine kleine Ausstellung in Ratzdorf Zeugnis ablegen.

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