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Wärmendes für kalte Zeiten

Anna Fastabend / 13.11.2015, 19:55 Uhr
Eberswalde (MOZ) Seit einem Monat öffnet die Kleiderkammer für Flüchtlinge ihre Türen. Die vielen Neuankömmlinge nehmen das Angebot des Evangelischen Kirchenkreises Barnim gut an und decken sich mit warmen Jacken und Schuhen ein - wenn es sie denn in ihrer Größe gibt.

"Wer hat den Stapel mit den schmalen Jogginghosen gesehen?", ruft Heike Mäbert. Die Sporthosen wollte sie doch für einen jungen Syrer zurücklegen. Den hatte sie beim Besuch der Kleiderkammer für Flüchtlinge des Evangelischen Kirchenkreises Barnim nämlich schon mehrfach vertrösten müssen. "Wir bekommen leider hauptsächlich große Konfektionsgrößen herein", bedauert die Ehrenamtliche. Die gesuchten Hosen finden sich schnell wieder an. Ein Kollege wollte sie gerade einsortieren.

Immer eine Stunde bevor der Trubel losgeht, treffen sich die ehrenamtlichen Helfer, um die neuen Kleiderspenden durchzusehen. Auch am Donnerstag stapeln sich wieder Tüten und Säcke voller Jacken, Shirts und Hosen im ersten Stock des Hinterhauses 3 in der Eisenbahnstraße 84. Darunter ist auch die eine oder andere Überraschung. "Das sind ja Krawatten", freut sich ein Mitarbeiter, als er einen kleinen Beutel öffnet. Er entscheidet, bloß ein paar von ihnen auszulegen. Der Rest geht - so wie alles weitere, das momentan nicht dringend benötigt wird - an die Brockensammlung Lobetal, einer Secondhand-Sammlung für den guten Zweck. "Wir haben keinen Platz, um im großen Stil Kleidung zu lagern", bedauert Tino Kotte vom Leitungsbüro des Kirchenkreises. Aktuell seien leider drei viertel der abgegebenen Sachen nicht zu gebrauchen, so Kotte weiter.

"Wir suchen vor allem Winterkleidung in kleineren Größen für Männer", erklärt er. Außerdem seien gut erhaltene warme Schuhe und auch Reisetaschen, Rucksäcke und Koffer von Nöten. Er bittet, davon Abstand zu nehmen, Sommermode, völlig ausgelatschte Schuhe oder kaputte Kleidung und defekte Koffer abzugeben. Ebenso würde momentan keine Frauenkleidung mehr gebraucht. "Ich möchte vermeiden, dass die Spender mit ihren Sachen gefrustet wieder nach Hause gehen", erklärt Kotte.

Die Kleiderkammer für Flüchtlinge gibt es jetzt seit einem Monat. Seit ihren Anfängen hat sich viel getan: Wo vorher in den beiden Räumen nur ein paar Tische standen, gibt es jetzt wie in einem richtigen Bekleidungsgeschäft Regale und Kleiderständer. Und seit dieser Woche im Männerbereich auch eine Kleiderstange für T-Shirts und Hemden.

Das Angebot werde gut angenommen, erklärt Tino sKotte. Immer mehr Geflüchtete kämen, um sich für die kalte Jahreszeit auszustatten. Allerdings habe die Zahl der Ehrenamtlichen abgenommen, so Kotte. Deshalb freue er sich über jeden, der noch mithelfen will.

Heike Mäbert sortiert weiter T-Shirts und Pullover. Für die hauptberufliche Erzieherin war es sofort klar, dass sie die Geflüchteten beim Ankommen unterstützt. "Ich reise viel und habe in so manchem Land große Armut gesehen", erklärt sie. Auch in der Notunterkunft in der Eisenbahnstraße hat die 55-Jährige aus Kruge schon mitangepackt. Und durch ihre Sprachkenntnisse - Englisch und ein wenig Französisch - viele schöne Kontakte geknüpft. "Ich besuche regelmäßig eine junge Kenianerin und ihr Kind. Und habe für die beiden gerade einen Kinderwagen organisiert", berichtet sie. Auch mit einem syrischen Jurastudenten, der momentan im Übergangswohnheim Althüttendorf untergebracht ist, treffe sie sich regelmäßig zum Tee.

Soliman Hisso aus Syrien hilft ebenfalls mit. Der 43-Jährige lebt seit zwei Wochen in Eberswalde. In der Kleiderkammer ist er derjenige, der am meisten Ahnung von Klamotten hat. Denn Soliman Hisso ist gelernter Damenschneider - ein Beruf, den er liebend gern auch in Deutschland wieder ausüben möchte.

Der 26-jährige Ibrahim Sharf Aldeen, der in Syrien als Englischlehrer arbeitete, ist fündig geworden. Er nimmt dieses Mal einen Koffer mit, in dem er seine wenigen Habseligkeiten verstauen kann - bis er endlich wieder ein richtiges Zuhause hat.

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