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Messingplatten in Neu Zittau erinnern an die jüdischen Schwestern Malwine und Anna Blum / Diebstahl in Fangschleuse angezeigt

Zwei Stolpersteine verlegt, zwei entwendet

Von Manja Wilde und Joachim Egg / 14.11.2015, 06:57 Uhr
Neu Zittau/Grünheide (MOZ) Am Freitagmorgen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in Neu Zittau vor der Geschwister-Scholl-Straße 15 zwei Stolpersteine für die jüdischen Schwestern Anna und Malwine Blum verlegt. Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass in Fangschleuse zwei Stolpersteine gestohlen wurden.

Rund 50 Bürger, darunter zahlreiche Schüler, hatten sich um 9 Uhr vor dem Neu Zittauer Wohnhaus eingefunden, um der beiden jüdischen Schwestern zu gedenken, die 1942 im Alter von 80 bzw. 82 Jahren nach Theresienstadt deportiert worden sind. Auch nach jahrelangen Recherchen des Heimatvereins ist nicht allzu viel über sie bekannt; immerhin weiß man, dass die jüngere, Anna Blum, das Lager überlebt hat, während ihre Schwester nach wenigen Monaten Haft starb.

Bei der kurzen Zeremonie verlasen Sarah Jungnickel und Celina Born aus der Neu Zittauer Grundschule die Lebensdaten der Schwestern, während Demnig die Messingplatten mit den Lebensdaten im Gehweg vor dem Haus einsetzte. Demnig sagte, Neu Zittau sei der 1085. Ort in Deutschland, in dem er Stolpersteine verlegt. Mehr als 55 000 Steine hat er seit 1996 eingesetzt, auch im Ausland. Trotzdem, so Demnig, sei es nie Routine, werde jeder Stein von Hand angefertigt.

Für Celina Born hat der Stein eine besondere Bewandtnis - die Schülerin ist mit ihrer Familie jetzt in das Haus Schollstraße 15 eingezogen. "Wir haben erst aus der Zeitung erfahren, dass hier Stolpersteine verlegt werden sollen", sagte ihre Mutter Jessica am Rande der Veranstaltung.

Am gleichen Vormittag teilte Grünheides Ordnungsamtsleiter Nico Bauermeister mit, dass im Ortsteil Fangschleuse die Stolpersteine für Natalie und Hans Nesemann verschwunden sind. Sie lagen vor dem Haus in der Ernst-Thälmann-Straße 19. "Wir werden den Vorfall bei der Polizei anzeigen", sagte Bauermeister. Die Gemeinde will neue Steine anfertigen lassen. Erst am Montag waren die alten versetzt worden, weil sie direkt vor dem Eingang lagen, erklärte Bauermeister. Die Familie, die heute in dem Haus wohnt, hätte zuvor beantragt, die Steine ganz entfernen zu lassen. Dies sei abgelehnt worden, fügt der Ordnungsamtsleiter an.

Demnig kennt so etwas: Rund 250 Stolpersteine sind in all den Jahren herausgerissen worden, sagte er beim Vortrag in Neu Zittau. "Wenn das gemeldet wird, sorgen wir schnell für Ersatz."

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