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Steine gegen das Vergessen

Treff auf dem Drachenkopf: Gunter Demnig verlegt den Stein, Marco Trenn erinnert an Lucie Pust.
Treff auf dem Drachenkopf: Gunter Demnig verlegt den Stein, Marco Trenn erinnert an Lucie Pust. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 18.11.2015, 06:14 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sechs Orte - acht Namen, acht Stolpersteine. Seit Dienstag erinnern acht kleine Gedenktafeln aus Messing, eingelassen ins Trottoir, an das Schicksal von acht ehemaligen Eberswaldern, acht jüdischen Mitbürgern, die Opfer der Nationalsozialisten wurden.

Lucie Pust war eine von ihnen. Ihre letzte Adresse in Eberswalde war die Donopstraße 17, die heutige Erich-Mühsam-Straße. Pust, 1866 in Mecklenburg geboren, war Inhaberin eines Lehrinstituts für Schneiderei. Ihre letzten Jahre verbrachte sie, erblindet, im Altenheim auf dem Drachenkopf, an der heutigen Georg-Herwegh-Straße 18. Marco Trenn, Sozialarbeiter im Hospiz, hat ihr Schicksal recherchiert. "Das erste Mal war ich 2008 auf ihren Namen gestoßen", erzählt er, während Stolperstein-Initiator Gunter Demnig den glänzenden Quader einsetzt. Damals, 2008, war die Vita der Lucie Pust noch weitgehend unbekannt. Heute wisse man: Pust wurde im Herbst 1942 mit dem 68. "Alterstransport" nach Theresienstadt deportiert, wo sie im Mai 1944 ermordet wurde bzw. starb. Erich Schuppan, damals 27 Jahre alt und Vikar der Bekennenden Kirche, hatte sie zur Sammelstelle nach Berlin gebracht. Mit "sehr beschwertem Inneren", wie er selbst gesagt haben soll. Ein dunkles Kapitel Eberswalder Geschichte. Was bleibt, seien das Wissen um "viele Versäumnisse der Kirche" und "die Erkenntnis von Schuld", so Trenn. Aber auch Mahnung und Gedenken. Weshalb der Träger, der Evangelische Verein auf dem Drachenkopf, die Patenschaft für den Stein übernommen habe.

Weitere Steine wurden an folgenden Standorten verlegt: Karl-Marx-Platz 1, Brautstraße 16, Breite Straße 28 sowie Eisenbahnstraße 10 und 40. Dies war für Eberswalde bereits die vierte Stolperstein-Aktion. Den Anfang hatte 2004 das Martin-Gropius-Krankenhaus gemacht, wo sieben Tafeln Euthanasie-Opfer, frühere Patienten, namhaft machen. Es folgten die Bürgerinitiative 9. November, das Kulturamt Eberswalde sowie die Bürgerstiftung Barnim-Uckermark mit Erinnerungsprojekten. Für 2016 sei ein weiterer Termin geplant, heißt es aus dem Rathaus. Unterdessen verpflichten sich Schüler der Montessori-Schule, die Tafeln zu putzen. Damit die Spuren eben nicht verblassen.

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