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Wenn die Puppen tanzen

Zwischen Rheintöchtern und Drachenhöhle: Mathias Lenz spielt Siegfried, den Drachentöter.
Zwischen Rheintöchtern und Drachenhöhle: Mathias Lenz spielt Siegfried, den Drachentöter. © Foto: promo
Stephanie Lubasch / 23.11.2015, 06:25 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Noch bis zum Dienstag steht Frankfurt wieder ganz im Zeichen des Figuren- und Objekttheaters: Zum sechsten Mal hat das Theater des Lachens zu seinem Festival "Osthafen" eingeladen. Zu Gast sind Gruppen aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich und Polen.

Das Rheingold ist eine Discokugel. Die Rheintöchter sind Barbiepuppen, die sich, aufgespießt auf langen Drähten, unablässig im Kreise drehen und ihre tanzenden Schatten an die Wand werfen. Ja, Siegfried, der Drachentöter, der dem Abend den Titel gegeben hat, muss noch etwas warten. Schließlich gilt es erst zu klären, wie Wotan zum Chef der Götter wurde und was Alberich, der Zwerg, mit dem Ganzen zu tun hat.

Astrid Griesbach, einst Mitbegründerin und Leiterin des Frankfurter Theaters des Lachens, ist zum diesjährigen "Osthafen"-Festival gleich mit zwei Inszenierungen zu Gast. Nach der umjubelten Premiere des "Tagebuchs von Edward dem Hamster 1990-1990" am Freitagabend, präsentierte sie am Sonnabend nun ihre Version von Wagners "Ring der Nibelungen" als wuchtig-skurriles und sehr heutiges Erklärstück.

Sänger, Musiker, Chor: Wofür in der Oper unzählige Künstler vonnöten sind, erledigt hier allein der Österreicher Mathias Lenz unter Zuhilfenahme eines Plattenspielers. Wie ein Flummi springt er über die Bühne, lässt Alberich die Rheintöchter anbaggern, jagt die Walküren Richtung Walhall und endlich Siegfried in die Drachenhöhle, wo der aufgedrehte Jungheld seine Furchtlosigkeit und Schlagkraft unter Beweis stellen kann. Als nach gut einer Stunde der "Rhein wieder rein" kommt und seine Wellen erneut über dem verfluchten Gold zusammenschlagen, endet damit ein kurzweiliger und spaßiger Theaterabend, der vom Publikum herzlich applaudiert wird.

Mit kaum enden wollendem Beifall war zwei Stunden zuvor auch schon die belgische Truppe Compagnie Care Central bedacht worden. Ihr mit "Fragile" überschriebener Abend vereinte drei Miniaturen über die Höhen und Tiefen des Lebens. Da werden in der Einsamkeit eines Kinderzimmers plötzlich Spielfiguren lebendig, erinnert sich eine Obdachlose an glückliche Zeiten als frisch vermählte Frau und wird ein Stoffhase am Zoll aussortiert und zurückgeschickt, weil er von der Norm abweicht. Inszeniert mit mitunter nur winzigen Figuren, spielen Estelle Franco und Bernard Boudru das trotz aller Präzision mit einer unglaublichen Zärtlichkeit und Poesie, schaffen Momente, die manchmal wirken wie aus der Zeit gefallen. Was für ein Abend!

Und was für ein Sonntagvormittag: "La Ball Rouge" haben die französischen Puppenspieler Denis Garénaux und Franck Jublot sowie Musiker Jacques Trupin ihre Inszenierung überschrieben, in der sie wie von Zauberhand Schaumstoffstäbe und einen Ball tanzen lassen. Ganz ohne Worte wird hier von Liebe erzählt, von Neugier und Abgrenzung, Streit und Harmonie. Ein in sich stimmiges und unglaublich sinnliches Stück, von kleinen und großen Zuschauern gleichermaßen zu verstehen und bejubelt. (Seite 18)

"La Balle Rouge" (ab 3), Dienstag, 9.30 Uhr, Theater des Lachens, Ziegelstr. 31, Kartentel. 6801695

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