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Eisenbahner erhält Auszeichnung

Ruhestand unmöglich: Lokführer Peter Höllriegl aus Schwedt fährt Sonderzüge im Kleinbahnmuseum Gramzow.
Ruhestand unmöglich: Lokführer Peter Höllriegl aus Schwedt fährt Sonderzüge im Kleinbahnmuseum Gramzow. © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 25.11.2015, 06:48 Uhr
Gramzow (MOZ) Eigentlich wollte Peter Höllriegl nach seinem langen Arbeitsleben als Eisenbahner und Lokführer Mitte der 90er-Jahre in den Ruhestand gehen. Doch stattdessen machte der Schwedter unerwartet noch einmal Karriere. Höllriegl folgte einem Hilferuf des Brandenburgischen Klein- und Privatbahnmuseums Gramzow und wurde ehrenamtlicher Betriebsleiter der Museumsbahn. "Das ging alles Hals über Kopf", erzählt der 73-Jährige. Weil die frühere Prenzlauer Kreisbahn zwischen Schönermark und Damme längst stillgelegt war, sollte beim Bau der A20 die alte Gleisstrecke für alle Ewigkeit durchschnitten werden. Dann hätte es aber niemals echte Traditionsfahrten des im Aufbau befindlichen Eisenbahnmuseums gegeben. "Also mussten wir schleunigst ein Verkehrsunternehmen gründen", berichtet Höllriegl aus den wilden Jahren.

Die Sache glückte. Der Eisenbahnspezialist wusste, wie die Räder rollen, und siegte gegen die Autobahnplaner. Die mussten nun eine Brücke über die fast totgeglaubte Bahnstrecke bauen. Seitdem verkehren wieder Draisinen, Dieselloks mit Museumsgästen und Sonderzüge zwischen den im Museumsbesitz befindlichen Bahnhöfen Gramzow und Damme - eine Attraktion für Einheimische und Gäste.

Die wenigsten von ihnen wissen, welchen Aufwand dieses offiziell anerkannte Verkehrsunternehmen für die Betreiber bedeutet. Im deutschen Behördendschungel und unter dem Damoklesschwert von TÜV, Verkehrsaufsicht, Sicherheitsauflagen und zahllosen Gesetzen bauten die Ehrenamtler unermüdlich ihren fahrtüchtigen Fuhrpark aus. Motor war und ist Museumschef Dieter Engel. "Wenn der einem gegenübersteht und in seiner Art und Weise um Hilfe bittet, kann man ja nichts abschlagen", sagt Peter Höllriegl. Also sitzt er zehn Stunden pro Woche im Büro, steht auf dem Führerstand der Diesellok und transportiert den Nikolaus samt Kinderschar im Reichsbahnwaggon durch die Uckermark.

Nebenbei bildet er Museums-eisenbahner aus. Er darf das alles, weil er selbst von der Pike auf die Deutsche Reichsbahn und später die Werksbahn des Schwedter PCK kennengelernt hat. Der Diplomingenieur für Eisenbahnmaschinentechnik hat sogar an der Modifizierung einer leistungsstärkeren Lokomotive mitgewirkt. Jetzt begeistert er Quereinsteiger. "Manche haben bisher nur mit einer Modellbahn zu tun gehabt", erzählt Höllriegl. "Hier müssen sie nun Verantwortung für Menschen und Maschinen übernehmen."

Für sein Engagement wird Peter Höllriegl heute von der Potsdamer Staatskanzlei als Ehrenamtler des Monats ausgezeichnet. Anschließend muss er wieder Lok fahren.

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