Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Waggon-Komödianten feiern mit klasse Stiefschwestern "Aschenputtel"-Premiere

Viel Streit ums Prinzchen

Anna Fastabend / 01.12.2015, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Mit "Aschenputtel" bringen die Waggon-Komödianten einen Klassiker auf die Bühne. Regisseurin Simone Blum kombiniert in ihrer Version das Grimm-Märchen, die Walt-Disney-Adaption "Cinderella" und den tschechischen Weihnachtsfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel".

"Bei mir läuft "Aschenbrödel' in der Adventszeit rauf und runter", berichtet Regisseurin Blum. Deshalb war es höchste Zeit, die Geschichte einmal selbst zu inszenieren. Blums Grundgerüst geht auf die Brüder Grimm zurück. Die Kostüme von Manuela Ehrenreich sind an das tschechische Kindermärchen angelehnt und auch die Musik ist von dort. In zwei anderen Punkten hat sich Blum jedoch für die Cinderella-Variante entschieden: Statt Tauben helfen Mäuse, statt Haselnüsse erfüllt die Wünsche eine gute Fee. Die Geschichte ist bekannt: Aschenputtel lebt als Waisenkind bei ihrer bösen Stiefmutter und deren zwei verzogenen Töchtern. Denen muss sie rund um die Uhr dienen. Als der Prinz auf Brautschau zu einem Ball einlädt, schafft es Aschenputtel trotz des Verbots der Stiefmutter, an dem Ball teilzunehmen. Der Prinz verliebt sich unsterblich in das Mädchen - Happy End.

Die Rollen sind auf die 18 mitwirkenden Waggon-Komödianten gut verteilt. Die Mitspieler sind Kinder und Erwachsene. Lisa-Marie Blum verkörpert ein sympathisches Aschenputtel, dem man am liebsten ständig aufmunternd den Arm tätscheln möchte. Die Mäuse-Kinder sehen in ihren grauen Kostümen richtig niedlich aus. Der Prinz (Tim-Erik Waldow) stolziert elegant und schnöselig über das Parkett. Und wenn die zierliche Fee zur Landung ansetzt, hört sich das amüsanter Weise an wie eine Vollbremsung - das finden im Theatersaal auf dem Gelände des Eberswalder Bahnwerks alle lustig. Doch den schauspielerischen Höhepunkt liefern die beiden Eberswalderinnen Elisa-Lynn Lehmann (20) und Hannah Benser (12). Sie spielen die schrecklichen Stiefschwestern derart schrill, dass sich so manches Kind bei ihrem pubertären Gekeife die Ohren zuhält. "Die sind aber böse", flüstert ein kleiner Junge. "Wir harmonieren einfach super zusammen", sagt Lehmann nach der Premiere am Sonnabend.

In Blums Inszenierung besitzen die Schwestern ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Sie lassen sich auch von dem herablassenden Gehabe des kleinen Prinzen nicht einschüchtern. Auf dem Ball geht es zu wie auf einem Marktplatz. Der Prinz verzieht bei jeder potenziellen Gemahlin angewidert das Gesicht. Da er keine Anstalten macht, die Schwestern zum Tanz aufzufordern, wird er kurzerhand von einer der beiden geschnappt. Das ist dann so wie im echten Leben, in dem Lehmann auch nicht wimpernklimpernd am Rand stehen würde, sagt sie. Da ist es für den ein oder anderen erwachsenen Besucher fast schade, dass Aschenputtel so schüchtern daherkommt.

Doch so lautet die Geschichte. Und Simone Blum möchte traditionelle Märchen nicht umkrempeln. "Ich mag es nicht, wenn Rotkäppchen plötzlich mit dem Walkman durch den Wald spaziert", sagt sie. Den rund 320 Besuchern gefällt die Inszenierung. Die Kinder gehen begeistert mit der Geschichte mit, feuern Aschenputtel bei der Erfüllung ihres Mädchen-Traums an und beschimpfen die faulen Stiefschwestern. Zwischen den Szenen applaudieren sie wild.

Noch am Sonnabend hofft Simone Blum, dass es die Waggon-Komödianten, die es seit 1995 gibt, auch weiterhin geben wird. Durch die unsichere Situation des Bahnwerks sei auch ihre Zukunft ungewiss.

Vorstellungen: 4. Dezember, 10 Uhr, im Familiengarten, Karten an der Touristinformation; 4. Dezember, 14 Uhr, und 5. Dezember, 14.30 Uhr, im Saal auf dem RAW-Gelände

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG