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Schwan mit Knabe als Wasserspeier

Historisches Bild: Das Foto aus den fünfziger Jahren zeigt den Blick vom Schloss auf den Brunnen. Dort standen weiße Bänke und die für Bad Freienwalde typischen Geländer
Historisches Bild: Das Foto aus den fünfziger Jahren zeigt den Blick vom Schloss auf den Brunnen. Dort standen weiße Bänke und die für Bad Freienwalde typischen Geländer © Foto: Schloss Freienwalde
Karl Friedrich Hinkelmann / 06.12.2015, 07:23 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Wirtschaftsgemeinschaft Bad Freienwalde, die Stadt, die Tourismus GmbH und die Stiftung Oderbruch aus Wriezen haben mit ihrem Spendenaufruf 2012 den größten Anteil daran, dass der Springbrunnen Schlosspark wiederbelebt wurde.

Es begann mit der Unzufriedenheit einiger interessierter Bürger unserer Stadt und auswärtiger Gäste: Der Springbrunnen im Freienwalder Schlossgarten rottete schon mehrere Jahre vor sich hin, die Technik funktionierte nicht mehr und der ortsübliche Vandalismus tat das Übrige.

Für eine Instandsetzung, die vom Eigentümer, dem Landkreis, nicht zu leisten war, bedurfte es zweier Voraussetzungen: Nämlich des Einwerbens der finanziellen Mittel sowie der Unterzeichnung eines Gestattungsvertrages mit der Stadt Bad Freienwalde, die für Bau und Betrieb des Brunnens verantwortlich zeichnet. Dies erfolgte Anfang September 2013.

Überraschend schnell flossen Spenden auf eigens eingerichteten Konten - sowohl Einzelpersonen als auch Institutionen, Betriebe und Vereine beteiligten sich. Insgesamt kam bis zum 15. September die stolze Summe von 13 776 Euro durch zirka 80 Spender zusammen. Damit konnte der nötige Eigenanteil für die Städtebauförderung erbracht werden. 80 817,55 Euro Baukosten einschließlich der Nebenkosten wurden ermittelt. Damit konnten die Brunnen- und Elektrotechnik in einem neuen Schacht, die Erneuerung der Sohle und die Abdichtung der Brunnenschale sowie die neue Sandstein-Randabdeckung finanziert werden.

Die Bauleistungen erfolgten durch einheimische Firmen: Pestke Brunnenbau GmbH, Blum-Bau, Steinmetz Laudanski GmbH, Elektro Schröder und die Gärtnerei Kunze, die für die Bepflanzung der Einfassungsrabatte sorgte. Darüber hinaus erklärt sich die Wirtschaftsgemeinschaft bereit, künftig aus ihren Beitragsgeldern den Betrieb des Brunnens abzusichern.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Hang unterhalb des Schlosses jenseits der Chaussee als Wiese oder Garten von Freienwalder Bürgern genutzt. Erst König Friedrich Wilhelm IV. (reg. 1840-1858) ließ diese Grundstücke zur Erweiterung der Parkanlagen erwerben, "um zu verhindern, dass die Aussicht von dem Schlosse nach dem Oderbruche hindurch Ausführung großer Gebäude auf dem Grundstücke verbaut werde." Um den bisherigen Bergpark mit dem neuen Terrain zu verbinden, musste die Berliner Chaussee nach Süden verlegt werden. Der schmale südliche Randbereich, die terrassenförmig gestaltete Ostspitze des Ziegenberges (Monte Caprino), wurde veräußert. Ab 1871 entstand eine neue geometrische Gartenanlage mit dem Schloss im Zentrum. Von der großzügigen Schlossterrasse gelangte man mittels Freitreppe hinunter zum Rasenparterre. Die Achse zum Schloss betonte eine Brunnenanlage, die den Abschluss zum landschaftlichen Gartenteil bildet. Zur Bewässerung der neuen Anlagen entstand 1875 ein Maschinenhaus neben der Kastellansvilla an der Gesundbrunnenstraße.

Als 1909 Walther Rathenau einen Wasseranschluss im Schloss legen ließ, reichte der Wasserdruck nicht aus. Er ließ oberhalb des Teehäuschens einen Ausgleichsbehälter aus Beton eingraben, der fast zwei Jahrzehnte seinen Dienst versah und dessen Reste erst vor einigen Jahren beseitigt wurden. In der Vorkriegszeit befand sich dort die Unterkunft für die Pfauen, die eine der Attraktionen des Gartens waren.Der Brunnen bestand, wie auf Ansichten aus der Zeit vor 1910 dargestellt, aus einem einfachen Becken von sechs Meter Durchmesser, umgeben mit einem Schmuckbeet. Der äußere Beckenrand war schwach profiliert und oben abgerundet. Der Wasserspeier mit einer Düse besaß eine künstlerische Fassung in Form einer kleinen Skulpturengruppe aus Zinkguss nach einem Entwurf des oberschlesischen Bildhauers Theodor Kaliede (1801-1863). Diesen "Knaben mit dem Schwan", der auf der Londoner Weltausstellung 1851 prämiert wurde, schuf er 1834 als Auftragsarbeit für König Friedrich Wilhelm III.

Im Rahmen der Neugestaltungen von Schloss und Park durch Walther Rathenau verschwand nach 1909 die Plastik zugunsten einer einfachen Fontäne. In Weiterführung der axialen Verbindung zwischen Schloss und Park führte vom Brunnen eine schmale Treppe den Abhang hinab zu einem neugeschaffenen Skulpturenrondell am südlichen Ende. Das kleine Brunnenrondell bildet seither ein optisches Wegekreuz im unteren Parkbereich.

Die weiteren Umgestaltungen des Parks nach 1925 und die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg berührten den Zustand des Brunnens nur unwesentlich. Lediglich das Einfassungsbeet verschwand nach dem Krieg. Um 1970 wurde der Brunnen und sein Umfeld dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend "modernisiert". Die Einfassung bekam eine neue Form durch vorgesetzte farbige Riemchen und eine Abdeckung durch waagerechte Betonplatten. Die "Attraktion" war eine farbige Beleuchtung während der Abendstunden durch zwei links und rechts Richtung Schloss positionierte Masten, die mit jeweils vier farbigen Leuchten bestückt waren. Viele Bürger waren davon recht angetan. Lang dürfte die Freude aber nicht angehalten haben; die störanfällige Technik sowie die extreme Energieknappheit der DDR werden das rasche Ende beschleunigt haben. Schließlich blieben nur noch die abgesägten Masten übrig.

Einen absoluten Tiefpunkt in seiner Geschichte erlebte der inzwischen trockengelegte Brunnen in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre, als er zugeschüttet und die Basis eines leicht kegelförmigen Blumenbeetes bildete. Der verständliche Ärger der Bevölkerung wird dermaßen laut gewesen sein, dass die damals Verantwortlichen zu einem überregionalen Kulturfest 1988 den Brunnen reaktivierten und mit neuer Pumpe und einer mehrteiligen Düsenanlage versahen.

So blieb er dann bis über die ersten Nachwendejahre bestehen, wenn auch nur noch aus einer Düse Wasser sprudelte. Wegen der fortschreitenden mutwilligen Verschmutzungen und Zerstörungen um die Jahrtausendwende musste der Brunnen stillgelegt werden.

Allen Beteiligten und Bauleuten sei an dieser Stelle für die konstruktiven Ideen und den reibungslosen Bauablauf herzlich gedankt. Eine Würdigung in Form einer Spendentafel ist vorgesehen.

Unser Autor, Karl Friedrich Hinkelmann, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schloss Freienwalde.

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