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Frankfurter Judo-Club 90 zieht sich aus der Bundesliga zurück / Mehr Engagement für den Nachwuchs

Abschied von der ersten Klasse

Jürgen Leibner / 30.12.2015, 12:20 Uhr
Von Jürgen Leibner

Frankfurt (Oder) (MOZ) Er war nach der Wende mit drei Meistertiteln einer der erfolgreichsten Judo-Vereine Deutschlands. Nach 24 Jahren zieht sich der JC 90 Frankfurt (Oder) jetzt aus der Bundesliga zurück. Damit existiert in der Oderstadt kein Erstligist mehr.

„Ja, der Frankfurter JC hat seine Mannschaft aus der Bundesliga zurückgezogen“, bestätigte am Montag Manager Rudolf Hendel, nachdem über Weihnachten durchgesickert war, dass es 2016 kein Erstliga-Judo mehr in Frankfurt (Oder) geben werde. Er selbst habe die Sponsoren und den Deutschen Judo-Bund bereits vor den Feiertagen über den Rückzug informiert.

„Dieser Schritt ist niemandem im Vorstand leicht gefallen, das können Sie glauben“, sagt der ehemalige zweifache Europameister und langjährige Trainer. „Aber sportlich und wirtschaftlich hat es keinen Sinn mehr, dass der JC 90 in der Bundesliga vertreten ist“, begründet der 68-Jährige, der sich ebenfalls aus dem aktuellen Tagesgeschäft zurückziehen will.

Die Frankfurter zählten nach der Wende zu den erfolgreichsten Judo-Vereinen in Deutschland. Dreimal (1992, 1998 und 1999) erkämpften sie den Titel des Mannschaftsmeisters, achtmal belegten sie den zweiten Platz, kämpften im Europapokal. Die Duelle der Brandenburger mit Rekord-Champion TSV Abensberg aus Bayern wurden zu Klassikern der Bundesliga.

Doch in der jüngsten Vergangenheit blieben Erfolge mehr und mehr aus. Der Erstliga-Abschied hatte sich bereits im September angedeutet, als die Mannschaft nach zwei klaren Niederlagen gegen KSV Esslingen zum siebten Mal in Folge die Endrunde der besten vier Teams um die deutsche Meisterschaft verpasste. „Unserem Bundesliga-Team fehlte zuletzt die sportliche Qualität, um mit den besten Mannschaften mithalten zu können“, sagt Vereinspräsident Gundolf Schülke. Immer weniger Talente schafften den Sprung nach oben. Hinzu kommt, dass Athleten aufgrund von Studium oder beruflicher Ausbildung nicht so trainieren können, wie es für einen Einsatz in der Bundesliga nötig wäre. „Das ist ein großes Problem im Sport – nicht nur im Judo“, weiß Schülke. „Aber weitere ausländische Starter zu verpflichten, kann nicht die Lösung sein.“

Doch auch aus finanzieller Sicht sei die Bundesliga für den JC 90 nicht mehr machbar. „Allein die Vorrunde kostet rund 50  000 Euro, für das Viertelfinale und die Finalrunde kommen noch mal bis zu 20 000 Euro hinzu“, verdeutlicht Schülke den jährlich zu stemmenden finanziellen Kraftakt. „Sponsoren stehen in Frankfurt jedoch nicht Schlange. Da wir aber die Existenz des Vereins nicht gefährden dürfen, blieb nichts anderes übrig, als die Bundesliga-Mannschaft abzumelden.“

Die Zukunft des JC 90 sieht Schülke durchaus optimistisch. „Wir haben einen starken Nachwuchs. Die U 18 ist gerade Deutscher Meister geworden. Mit den Talenten könnten wir in der Landesliga einen Neuanfang starten.“ Generell will der Verein sich jetzt stärker auf die individuelle Entwicklung und Förderung junger Athleten konzentrieren. „Wir werden unseren Fokus auf die Jugend legen“, verspricht Gundolf Schülke und hegt die Hoffnung, dass das Kapitel Judo-Bundesliga in Frankfurt nicht für immer zu den Akten gelegt ist.

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