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Ver.di kritisiert Missstände in Leitstelle

Stimmungslage äußerst unklar: Ver.di erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Integrierten Regionalleitstelle Nord-Ost für Barnim, Oberhavel und Uckermark. Der Landkreis weist die Kritik von sich.
Stimmungslage äußerst unklar: Ver.di erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Integrierten Regionalleitstelle Nord-Ost für Barnim, Oberhavel und Uckermark. Der Landkreis weist die Kritik von sich. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 11.01.2016, 19:58 Uhr
Eberswalde (MOZ) Zu wenig Personal, überlastete Mitarbeiter, ein übergangener Personalrat, Verstöße gegen Arbeitsschutz und Tarifvertrag - nach Auffassung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di läuft in der Integrierten Regionalleitstelle Nord-Ost vieles mächtig schief. Der Landkreis weist die Vorwürfe weit von sich.

Der Konflikt zwischen Ver.di Berlin-Brandenburg und der Integrierten Regionalleitstelle Nord-Ost (IRLS) schwelt schon länger. Die Zentrale nimmt Notrufe entgegen und bearbeitet diese. Sie ist zuständig für den Bereich Barnim, Oberhavel und Uckermark. Die Gewerkschaft Ver.di klagt an, dass der Landkreis Barnim, der verantwortlich für die Leitstelle ist, in vielen Punkten unverantwortlich mit den dortigen Mitarbeitern umginge. Deren Personalrat habe wegen zahlreicher Missstände immer wieder das Gespräch mit dem Kreis gesucht.

Die Verwaltung distanziert sich in sämtlichen Punkten von der Kritik. Im Gegenteil: Sie betont, dass die IRLS Nord-Ost vorbildlich funktioniere. Laut Kreis-sprecher Oliver Köhler kommen die Vorwürfe überraschend. "Bis zum heutigen Tag gab es keinerlei Kontakt mit einem Vertreter Verd.is zu diesem Thema."

Die Kritik ist heftig: zu wenig Personal, keine Dienstpläne nach dem Gesetz, Verstoß gegen Datenschutz und einige Vorwürfe mehr. Für den Ver.di-Fachgruppenleiter des Bereichs Feuerwehr Dieter Korte ist der Fall klar: "Die Kreisverwaltung Barnim verstößt unter dem Wissen des Landrates und der zuständigen Amtsleiterin gegen Gesetze." Die Liste der Vorwürfe von Ver.di an die IRLS-Personalverantwortlichen ist lang. Der Landkreis nahm bereits einmal schriftlich Stellung dazu. Nun liegt der Märkischen Oderzeitung Ver.dis schriftliche Antwort dazu vor. Darin werden die Vorwürfe konkretisiert.

Laut Ver.di sei an Heiligabend die Personalleitstelle nur unzureichend besetzt gewesen. Dies habe er von einer Mitarbeiterin aus der Kreisverwaltung erfahren, berichtet Dieter Korte. Die Gewerkschaft ist der Auffassung, dass dies bei Weitem kein Einzelfall gewesen sei. Sondern die IRLS Nord-Ost grundsätzlich mit zu wenig Mitarbeitern ausgestattet sei. Die Dienststelle in Eberswalde habe nach Ver.dis Informationen die höchste Fluktuation aller Leitstellen in Brandenburg. Sie sei auch die einzige, die bisher Beschäftigte entlassen hätte. Damit seien zwei Stellen aktuell unbesetzt. Und drei Mitarbeiter sind laut Ver.di im Langzeit-Krankenstand. Zudem seien bei der Berechnung der Mitarbeiterzahl Faktoren wie krankheitsbedingte Ausfälle, Weiterbildungen und praktische Einsatzdienste nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die dünne Personaldecke führe -so Dieter Korte - dazu, dass die Mitarbeiter oft äußerst kurzfristig aus ihrer Freizeit geholt würden. Außerdem müssten die Lagedienstführer statt acht Stunden- zwölf Stundenschichten ableisten - die lange Arbeitszeit ist laut Ver.di rechtlich unzulässig. Die Stimmung sei - so die Gewerkschaft - insbesondere zwischen den Mitarbeitern und bestimmten Leitungskräften äußerst schlecht. Zwei voneinander unabhängige Quellen bestätigten Ver.di, dass eine Vorgesetzte Schlüssel und Akten durch den Raum geworfen hätte.

Der Kreis sieht die Situation völlig anders. Dieser ist der Auffassung, keine Personalprobleme in der IRLS zu haben. Man habe sich - so das Verwaltungsschreiben - an das Gutachten gehalten, das 2010 von den Krankenkassen als hauptsächliche Personalkostenträger erstellt worden war und seit Beginn des vergangenen Jahres sogar 1,7 Stellen mehr vorzuweisen - als in den Vorjahren. Der Personalrat sei in die Verhandlungen vollumfänglich eingebunden worden, sagt der Kreis. Ver.di bestreitet das.

Laut der Gewerkschaft soll es in der IRLS Nord-Ost keine Dienstpläne nach dem Gesetz geben. Der Kreis widerspricht. Er setze zur Dienstplan-Erstellung eine Software ein, die Verstöße anzeigen würde. Der Gewerkschaft hingegen liegen allerhand Informationen vor, die anderes besagen. Unter anderem, dass die Software manipuliert würde.

Auch bei der Abhörung aufgezeichneter Telefongespräche in der IRLS gehen die Meinungen von Gewerkschaft und Kreis deutlich auseinander. Die Verwaltung sagt, Sprachaufzeichnungen nur dann an Ermittlungsbehörden oder den Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes zu übergeben, wenn diese strafrechtlich relevant seien oder Beschwerden gegen Mitarbeiter vorliegen würden. Nach Gewerkschafts-Informationen hätten in unzulässiger Weise gleich mehrere Personen ein dauerhaftes Hörrecht: darunter der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes und die Amtsleiterin des Ordnungsamts.

Zum Vorwurf, Heiligabend zu wenig Personal eingesetzt, den Dienstplan manipuliert zu haben und zu der - wie Ver.di sie bezeichnet - cholerischen Vorgesetzten möchte der Kreis nicht Stellung nehmen. Stattdessen erwäge er, juristisch gegen Ver.di vorzugehen, wenn die Gewerkschaft die Leitstelle weiterhin ohne konkrete Belege in Verruf bringe, teilt der Pressesprecher mit.

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Robert Hiller 19.01.2016 - 23:46:34

Da entwickelt sich was...

1. Bericht: Es heißt, man wolle Verdi verklagen. 2. Bericht: Dann heisst es, wir sind Gesprächsbereit. Erstes einlenken. 3. Bericht: Landrat sagt, ob die Dienstpläne rechtmäßig sind sei Ansichtssache. Arbeitsrecht als Betrachtungsweise? Ganz neue Ansätze Herr Ihrke! Nie ist man unterbesetzt gewesen in der Leitstelle. Wenn da nicht auch noch die Stellenausschreibung wäre... Dumm, die passt so gar nicht in die Argumentation! Will man nun endlich den Platz eines Langzeit Kranken ersetzen. Jetzt melden sich dann auch noch Feuerwehren, die die Aussagen des LK und des Landrates widerlegen, dass man in der Leitstelle keine Probleme habe. Natürlich sind die unterbesetzt! Analysiert doch mal die Vergangenheit! Sturmsituationen! Alles ist zusammen gebrochen, nichts ging da mehr! Die Leitstelle konnte nicht einmal mehr die Alarmaufträge ordnungsgemäß an die Feuerwehren weiter geben. Der letzte große Sturm hat auch gezeigt, dass der Landkreis auf solche Lagen nicht vorbereitet ist und sie nicht händeln kann! Was muss noch alles passieren, damit man endlich mal aufwacht?

Melani Münch 19.01.2016 - 01:20:46

Wer wirft denn da mit Müll? Äh Schlüsseln

Nach Auffassung einiger Feuerwehrleute ist da nur eine Person bekannt, der man solche Handlungen zutraut. Die Frau, der alles gehört, "meine Feuerwehr, meine Johanniter, meine Autos, meine, meine, ich bestimme alles...! Man was muss noch passieren, bevor man da aufräumt? Nur Nichts nach Außen kommen lassen. Wer was kritisiert ist der Böse und wird sofort aufs Korn genommen. Ist aber bald wieder Auszeichnungsveranstaltung, da kann man sich wieder die Orden gegenseitig an die Brust heften. War ja schon peinlich, wie man sich die Orden zu schanzte! Gnadenlose Aufklärung, ohne Schonung der Personen, dass muss hier dringend erfolgen!

Dr. Andreas Steiner 14.01.2016 - 12:05:11

Landrat Bodo Ihrke muss endlich gehen!

Hallo Frau Münch, ja, meine Ausführungen klingen hart, aber dafür sind sie ehrlich. Die Kritik am Diener Köhler trifft natürlich nicht den Kern des Übels. Kern des Übels ist Landrat Bodo Ihrke und seine Vormachtstellung im Landkreis Barnim. Er lässt dies alles zu und befördert es sogar. Auch schafft er ein Klima, welches Mobbing und Grabenkämpfe in der Belegschaft befördert. Hinzu kommt ein schwaches Kreistagsparlament von Marionetten, das fast in seiner Gesamtheit ihn gewähren und regieren lässt. Eine verschworene Clique, die sich gegenseitig befruchtet und voneinander profitiert. Und eine kleine Opposition, die machtlos bleibt. Eine ganz üble Sache. Und das schon seit der Wende! Eine konstruktive politische Erneuerung des Landkreises Barnim kann erst funktionieren, wenn Ihrke gegangen wird. Aber mit ihm müssten auch andere führende Köpfe der Kreisverwaltung rollen. Darauf warte ich schon seit Langem, bislang jedoch vergebens in der Hoffnung, dass der Tag kommt, an dem ein Skandal aufgedeckt und damit eine Lawine losgetreten wird. Dr. Andreas Steiner Gemeindevertreter Freie Wähler Schorfheide/BKB

Melani Münch 14.01.2016 - 00:37:02

Ups, recht harte Kritik.

Upps, recht harte Kritik vom Herrn Abgeordneten aber irgendwie scheint es ja wohl auch mal an der Zeit, die Selbstbelügereien zu beenden. Ist ja wohl nicht das Einzige, was zum Thema Feuerwehr im Landkreis in Trümmern liegt. Immer alles schön reden, wird schon weiter gehen. Probleme wollen wir nicht sehen. Digitalfunk? Ja machen wir mal ganz schnell und seit Jahren!!! ist man im LK unfähig, eine Funkordnung zu erlassen. Traurig, einfach traurig! Was die Leitstellenmitarbeiter anbelangt, zeigt sich ja auch schon an der Qualität der Leistung, dass hier Einiges nicht mehr stimmt. Die MA selbst können einem ja leid tun. Die bekommen den Druck von unten und oben.

Dr. Andreas Steiner 12.01.2016 - 19:20:00

Das Lügengebäude des Landkreises Barnim bricht ein

Gewissermaßen bewundere ich den Pressesprecher des Landkreises Barnim, Oliver Köhler. Man muss schon mit großer Robustheit und Skupellosigkeit gesegnet sein, tagtäglich den Job auszuüben, all die vielen Unwahrheiten und Übelkeiten gegenüber der Öffentlichkeit als pure Wahrheiten zu verkaufen. Ich könnte das nicht verkraften. Dafür kann ich mich noch jedem Tag im Spiegel betrachten... Dr. Andreas Steiner Gemeindevertreter Freie Wähler Schorfheide//BKB

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