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Kundenstamm der Eberswalder Tafel wird größer / Manche Supermärkte geben lieber nur an den Zoo

Lebensmittelspenden heiß begehrt

Das Bedürfnis nach Lebensmittelspenden wächst: Die Eberswalder Tafel kann bisher noch jeden Kunden bedienen, der mit Obst, Gemüse und Co. versorgt werden muss. Dennoch werden dringend weitere Unterstützer gesucht.
Das Bedürfnis nach Lebensmittelspenden wächst: Die Eberswalder Tafel kann bisher noch jeden Kunden bedienen, der mit Obst, Gemüse und Co. versorgt werden muss. Dennoch werden dringend weitere Unterstützer gesucht. © Foto: Sören Tetzlaff
Anna Fastabend / 13.01.2016, 20:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Zahl derer, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, wächst. Mit den Flüchtlingen hat auch die Eberswalder Tafel stetig mehr Kunden. Die Initiative benötigt zusätzliche Zuwendungen. Doch manche Supermärkte spenden lieber nur an den Zoo.

Immer mehr Menschen leben in Deutschland am Existenzminimum. Da ist es ganz natürlich, dass sich die Konkurrenz um Spenden verstärkt. In Eberswalde profitieren von den aussortierten Lebensmitteln der Supermärkte momentan zwei Akteure: die lokale Tafel - als Lebensmittelausgabe-Stelle für Bedürftige - und der Zoo Eberswalde. Damit treten beide Akteure unfreiwillig in einen Wettstreit um Obst, Gemüse und Co.

Die gespendeten Lebensmittel reichen aktuell hinten und vorne nicht. Laut dem Bundesverband Deutsche Tafel kamen im Juni 2015 zu den zirka 1,5 Millionen regelmäßigen Nutzern der über 900 Tafeln bis zu 250 000 geflüchtete Menschen hinzu. Einige Tafeln in Brandenburg mussten einen temporären Aufnahmestopp für Neukunden verhängen, erklärt Pressesprecherin Stefanie Bresgott.

Auch die Eberswalder Tafel kommt langsam an ihre Grenze. Deren Leiterin Herma Schulz muss deshalb mehr denn je um Spenden der lokalen Supermärkte bitten. Und ein Großteil der örtlichen Einzelhändler stellt großzügige Lebensmittelpakete bereit. Eine Tatsache, für die Herma Schulz dankbar ist.

Was sie aber an den Rand der Verzweiflung bringt, ist, dass sie an anderer Stelle schon seit Langem auf taube Ohren stößt. Daran hat auch die momentan zugespitzte Lage nichts geändert. Manche Supermärkte geben nichts. Und die Argumente der Verantwortlichen könne sie längst schon nicht mehr hören - es seien immer dieselben. "Wir geben nichts, weil wir schlechte Erfahrungen mit der Tafel gemacht haben", ist eine Begründung, die für Herma Schulz aus der Luft gegriffen ist. Sie könne sich an keinen Konflikt erinnern, sagt sie.

Unter anderem sollen auch der Edeka "Alte Brauerei" sowie die vier schwarz-gelben Netto-Märkte in Eberswalde nichts an die Tafel geben. Deren Argument: "Wir spenden schon an den Zoo." Das macht die Angestellte des Tafel-Vereins ratlos. "Beim Obst und Gemüse können wir ja teilen. Aber essen die Tiere auch Pudding und Schokolade?"

Warum der Edeka "Alte Brauerei" nicht mit der Tafel zusammenarbeiten möchte, konnte bis jetzt nicht geklärt werden. An sich macht der Bundesverband Deutsche Tafel, so die Presseabteilung, gute Erfahrungen mit der Spendenbereitwilligkeit der Supermärkte. Da gebe es eigentlich keine Ausnahme, wird der Märkischen Oderzeitung erklärt.

Laut Alexandra Antonatus von der Pressestelle der Edeka-Minden-Hannover-Stiftung, zu der Edeka "Alte Brauerei" gehört, sei es den Märkten grundsätzlich erlaubt, aussortierte Lebensmittel zu verteilen. Jedoch entscheide der jeweilige Marktleiter selbst, ob und an welche Initiativen die Spenden gehen, sagt sie.

Die Marktleiterin des Edeka "Alte Brauerei" konnte bis dato telefonisch nicht erreicht werden. Die Dame am Telefon erklärt beim zweiten Anruf, dass es niemanden gebe, der ersatzweise Auskunft geben könne. Im Übrigen - sagte sie weiter - dürften generell telefonisch keine Auskünfte erteilt werden. Dies sei "eine Order der Edeka-Zentrale Minden-Hannover."

Weit auskunftsfreudiger ist da der nationale Verkaufsleiter der schwarz-gelben Netto-Märkte Tino Carnarius. Er teilt schriftlich mit, dass alle 351 Filialen die nicht mehr verkaufsfähigen Lebensmittel spenden. So geben 78 Prozent die Waren an die örtlichen Tafeln, acht Prozent unterstützen regionale Tierparks und 14 Prozent sonstige gemeinnützige Organisationen. Nicht selten würde mehreren Initiativen gleichzeitig geholfen. Die vier Eberswalder Märkte würden bisher nur an den Zoo spenden. Und der würde alles abholen - sogar Pflanzen. "Darüber habe ich mich auch schon gewundert", sagt der Verkaufsleiter, der überlegt, nun zusätzlich mit der Eberswalder Tafel zusammenzuarbeiten.

Die MOZ fragt telefonisch bei Bernd Hensch nach. Der Zoodirektor erklärt: "Es stimmt. Wir benötigen alles. Unsere Schweine lieben beispielsweise Schokolade, unsere Erdmännchen Pudding. Und auch die Pflanzen verwerten wir." Er sei dankbar für die großzügige Unterstützung, die für den Zoo essenziell sei. Dennoch habe er ein klares Motto: "Erst kommen die Menschen, dann die Tiere." Er betont: "Wir wollen keinem etwas wegnehmen."

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