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Die Malerin Galina Mazin-Datloof hat bereits in New York und Tel Aviv ausgestellt / Ab Montag sind ihre Werke in Bernau zu sehen

Kunst auf Karton

Tatjana Littig / 17.01.2016, 07:45 Uhr
Bernau (MOZ) Immer wieder wird Kunst in den Räumlichkeiten der Wobau in der Berliner Straße in Bernau ausgestellt. In der Regel präsentieren sich dort Laienkünstler. Galina Mazin-Datloof ist eine Ausnahme. Am Montag findet um 18 Uhr die Vernissage ihrer Ausstellung statt.

"Das Licht in diesem Raum ist fantastisch", schwärmt Galina Mazin-Datloof auf Russisch und blickt sich im Konferenzraum der Wobau in der ersten Etage um. Die ersten von Gustav Klimt inspirierten Bilder hängen an der Wand. Dazwischen: das Porträt eines rothaarigen Mädchens im bordeauxfarbenen Kleid. "Ich bin vernarrt in dieses Kind", sagt sie. Kennengelernt hat sie die damals Fünfjährige und ihre Großeltern im Theater in Berlin. Dort lebte sie die ersten Monate, als sie vor vier Jahren von Israel nach Deutschland zog. Inzwischen ist die Künstlerin Bernauerin und hat Ende vergangenen Jahres ihr Atelier im alten Postgebäude bezogen. Ihr Glück darüber kann sie selbst noch immer kaum fassen. Dann sagt sie "diese roten Haare", dreht den Kopf in Richtung des Mädchens und lächelt.

Auf der gegenüberliegenden Wand hängen Bilder korpulenter Frauen. "Meine Mutter war auch groß", erzählt Galina Mazin-Datloof. "Sie war die schönste Frau von allen." An die Wand gelehnt stehen Porträts von Freundinnen der Künstlerin. "Ich liebe es, Menschen anzusehen", sagt sie. "Die Form eines Gesichtes ist so einmalig", fügt sie an.

Geboren in einem kleinen Dorf im Ural, wächst sie in einer großen Bauern-Familie auf. Ihr Leben ist geprägt von Musik und Armut. "Früher habe ich Kohle aus dem Ofen genommen und damit auf den Wänden gemalt", erzählt sie. Ob es deswegen Ärger gab? "Ja", antwortet sie.

Nach ihrem Studium an der Kunstakademie arbeitet Galina Mazin-Datloof von 1977 bis 1990 als Künstlerin und Bühnenbildnerin in der ehemaligen Sowjetunion, wo sie ihre Werke unter anderem in Moskau und Kaliningrad ausstellt. Dann emigriert sie mit ihrem jüdischen Ehemann nach Israel. Noch bevor sie das Land wieder verlässt, beginnt sie eine Bilderreihe über den "Roten Terror" unter Stalin.

Das erste Bild zeigt eine Puppe im pompösen roten Kleid. Die Augen weit aufgerissen, verzieht sie ihr Gesicht zu einem grässlichen Lächeln. Die Menschen hängen wie Marionetten an ihren Fingern. "Doch ihr Reich bröckelt", sagt Galina Mazin-Datloof und zeigt auf die fehlenden Stücke im Türbogen. Die Reihe ist ihr eine Herzensangelegenheit. "Mein Vater war neun Jahre im Gulag", erzählt sie, einem Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion. Er stirbt, als das Mädchen zwölf Jahre ist. "Mein Leben lang wollte ich ein Werk schaffen, dass sich mit dem "Roten Terror' beschäftigt und es ihm widmen", informiert sie. Lange findet sie keine Form, nun fehlt nur noch der dritte Teil.

Doch so düster wie jene Reihe sind nicht alle Bilder von Galina Mazin-Datloof. Ein immer wiederkehrendes Motiv in ihren Werken sind tanzende und musizierende Menschen. "Ich tanze furchtbar und singe schlecht, aber ich mag Menschen, die beides gerne tun", erklärt sie und lacht. Viele ihrer Werke malt sie mit Acryl auf Karton. Karton benutzt sie gerne "Das erinnert mich an meine Studentenzeit", sagt sie. "Damals hatte ich kein Geld, um mir Leinwände zu kaufen", fügt sie an.

Heute finden sich ihre Arbeiten in privaten Sammlungen auf der ganzen Welt. Ihr Schaffen fasst weit mehr als Gemälde: Sie hat Karikaturen gezeichnet, Bücher illustriert, Möbel bemalt und Kostüme geschneidert. Eine Auswahl all dessen ist nun in der Ausstellung in der Berliner Straße 2 zu sehen.

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