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Ehemaliger EKO-Chef erinnert sich an seine Zeit als Generaldirektor und Wirtschaftsmanager

Zeitzeuge Karl Döring berichtet

Karl Döring berichtet über seine Arbeit bei EKO-Stahl vor und nach der Wende.
Karl Döring berichtet über seine Arbeit bei EKO-Stahl vor und nach der Wende. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Ruth Buder / 18.01.2016, 18:50 Uhr
Beeskow (MOZ) Unter den rund 60 Zuhörern waren auch ehemalige Kollegen, als Karl Döring am Montag in der Stadtbibliothek aus seinen Erinnerungen las und sprach. Die Senioren-AG der Beeskower Linken hatte den ehemaligen Direktor von EKO-Ost und Generaldirektor des VEB Bandstahlkombinat Eisenhüttenstadt eingeladen. Unterstützt wurde er bei der Vorstellung seines Buches "EKO - Stahl für die DDR, Stahl für die Welt" von Ralf Döscher, freier Mitarbeiter bei Rohnstock Biografien. Der Herausgeber hat es sich zur Aufgabe gemacht, Biografien und Autobiografien von Spitzenleuten aus der DDR-Wirtschaft herauszugeben, um die Erinnerung von Zeitzeugen zu bewahren. Döring ist unter den Generaldirektoren eine Ausnahme, weil er auch nach der Wende, bis zum Jahre 2000, das einst volkseigene Werk geleitet und als Aktiengesellschaft in die Marktwirtschaft geführt hat. Döring schilderte, wie schwierig es war, EKO zu retten, nachdem das Unternehmen 1990 rund 200 Millionen D-Mark Verlust eingefahren hatte, weil die Ost-Märkte aufgrund der D-Mark weggebrochen waren. Seine Mitarbeit im Treuhand-Vorstand und seine guten persönlichen Kontakte nach Russland und in die Ukraine erwiesen sich als Rettungsanker für das Unternehmen, das dennoch mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen musste. Die Überführung eines volkseigenen Betriebes, das nach Bilanzen arbeitete, in ein marktwirtschaftlich agierenden Unternehmens "war die größte Herausforderung meines Lebens", sagt der 78-Jährige.

Das Buch habe er geschrieben, um sich gegen herabwürdigende Äußerungen von westdeutschen Historikern, Politikern oder Journalisten zu wehren. Dieses Werk in Eisenhüttenstadt zu errichten, das heute zum Weltkonzern Arcelor Mittal gehört, sei eine außerordentliche Leistung in der DDR gewesen. Der Staat habe sich unabhängig von Importen machen wollen und viel Kraft hineingesteckt, um eine eigene Schwerindustrie, die bislang im Ruhrgebiet angesiedelt war, zu entwickeln. Dabei habe auch er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die DDR viel gewollt, aber nicht alles erreicht habe.

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