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"Zwischenraum H15" zeigt zum ersten Mal Kunst / Porträtreihe eines afrikanischen Fotografen

Bilder aus dem "Hexencamp"

Eindringliche Bilder: Veronika Jorch und Christoff Gäbler tauschen sich am Freitagabend über Eric Gyamfis Fotos aus.
Eindringliche Bilder: Veronika Jorch und Christoff Gäbler tauschen sich am Freitagabend über Eric Gyamfis Fotos aus. © Foto: Sören Tetzlaff
Simon Rayß / 25.01.2016, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Nein, traurig, geschunden oder gar gebrochen sehen die zwölf Frauen nicht aus. Sie sind in die Jahre gekommen, sicher. Doch in ihren farbigen Gewändern und Kopftüchern blicken sie dem Betrachter direkt entgegen - viele selbstsicher, einige mit einem Lächeln. Hinter ihnen steht der Himmel - blau, freundlich, trügerisch.

Denn das, was diese Frauen durchgemacht haben, ist alles andere als erfreulich. Die Afrikanerinnen sind der Hexerei beschuldigt worden. Nachbarn, Freunde, Ehemänner haben sie geprügelt und verschleppt. Sie sind mit dem Leben davongekommen, nur um in dem sogenannten Hexencamp von Gambaga im Norden Ghanas zu leben, stigmatisiert und ausgestoßen.

Dort hat sie Eric Gyamfi aufgesucht und Porträtaufnahmen von ihnen gemacht. Fotografien, die nun im "Zwischenraum H15" hängen. Dafür, dass es die Bilder aus Westafrika bis nach Eberswalde geschafft haben, ist Veronika Jorch verantwortlich. Sie studiert Global Change Management - das Management globaler Veränderungen - an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung und ist dafür bereits zwei Mal nach Ghana gereist. Dort ist ihr der 24-jährige Fotograf begegnet, "ganz zufällig", wie sie bei der Vernissage sagt.

Gyamfi hat Wirtschaft studiert, sich nebenbei das Fotografieren beigebracht und damit bereits einige Erfolge gefeiert. Er hat Modefotos in Tokio ausgestellt und ist in diesem Jahr für den uruguayischen San-José-Fotopreis nominiert. In Amsterdam konnte er den Pride-Fotopreis gewinnen und dafür auch nach Europa kommen. Für ganze vier Tage.

Wegen Visa-Problemen hat er es nicht bis nach Eberswalde geschafft, auch nicht zur Eröffnung seiner Schau am Freitagabend. Eine Live-Schaltung sollte ihn dennoch teilhaben lassen. "Alles war vorbereitet, doch leider hat es auf ghanaischer Seite mit dem Strom gehapert", erklärt Christoff Gäbler vom Organisationsteam des "Zwischenraums".

Die Bilder der "alten Frauen von Gambaga", wie die Ausstellung heißt, sind die ersten Kunstwerke, die in der offenen Kulturwerkstatt in der Havellandstraße 15 zu sehen sind. Danach ziehen sie weiter nach Krefeld. Dort, in Veronika Jorchs Heimat am Niederrhein, hat ihr Vater die nächste Schau organisiert.

Für beide, Vater und Tochter, ist das Planen von Ausstellungen lediglich ein Hobby - für die 26-Jährige sogar eine Premiere. Dabei hat die Studentin keine Mühen gescheut: Damit die Bilder zur Geltung kommen, hat sie eine Wand gestrichen und Holzleisten als Befestigung angebracht. "Es wäre schön, wenn das weiter genutzt würde", sagt sie. "Das wird es", erwidert Gäbler. Das "Zwischenraum"-Team hofft, dass auf die erste Ausstellung weitere folgen werden.

Noch sechs Wochen hängen die Porträts der vermeintlichen Hexen von Ghana im Brandenburgischen Viertel. Mitsamt blauem Himmel, ungebrochener Anmut und vielen Narben auf der dunklen Haut - Spuren der Initiationsriten ihrer Völker und Zeichen einer Identität, die auch Verfolgung und Folter nicht auslöschen konnten.

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