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Aufruf zu Widerstand gegen rechte Demonstration

Frankfurter gedenken der Holocaust-Opfer

Erinnerung und Mahnung: Jan Rosenbaum, Enkel der von den Nazis ermordeten Frankfurter Juden Erna und Julius Rosenbaum, und seine Frau Miriam lesen am Mittwochabend im Kleist Forum.
Erinnerung und Mahnung: Jan Rosenbaum, Enkel der von den Nazis ermordeten Frankfurter Juden Erna und Julius Rosenbaum, und seine Frau Miriam lesen am Mittwochabend im Kleist Forum. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 28.01.2016, 06:33 Uhr
Frankfurt (MOZ) (MOZ) Im Kleist Forum haben am Mittwochabend knapp 100 Frankfurter der Opfer des Holocaust gedacht. Die Stadt hatte gemeinsam mit der Stadtverordnetenversammlung, dem Ökumenischen Rat und der Jüdischen Gemeinde zu der Gedenkveranstaltung unter dem Titel "Erinnern für die Zukunft" eingeladen. Auf den Tag 71 Jahre zuvor war das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Einheiten der Roten Armee befreit worden. Der 27. Januar wird seit 2005 weltweit als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen - eingeführt von der UNO.

Als Gäste wurden Jan Rosenbaum und dessen Frau Miriam Rosenbaum begrüßt. Jan Rosenbaum ist Enkel Erna und Julius Rosenbaums, eines jüdischen Ehepaares, das bis zu seiner Flucht nach Amsterdam 1939 in Frankfurt gelebt hatte und 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet worden war. Miriam und Jan Rosenbaum lasen u. a. aus Jan Rosenbaums autobiografischem Buch "Ausgerechnet bei diesem Wetter - Erinnerung mit Traurigkeit beladen", in dem der wenige Tage nach dem Ende des Krieges geborene Autor einen Einblick in die Welt der ersten Nachkriegsgeneration gibt.

Unter den Teilnehmern waren Oberbürgermeister Martin Wilke, die Dezernenten Markus Derling und Jens-Marcel Ullrich sowie Vertreter der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, der Jüdischen Gemeinde und anderer Religionsgemeinschaften. In seiner Begrüßung erinnerte Wolfgang Neumann, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, daran, dass während der Naziherrschaft etwa 6 Millionen Juden in Europa ermordet wurden, darunter allein 1 Million im KZ Auschwitz-Birkenau. "Nie wieder Krieg - nie wieder Faschismus - nie wieder Völkermord", laute das Vermächtnis der Opfer.

Heute aber erlebten wir in Deutschland "einen aufkommenden Rassismus, wie ich mir das nicht hätte vorstellen können", sagte Wolfgang Neumann. Und mit Blick auf die für den 20. Februar angemeldete Demonstration rechtsextremer und rassistischer Kräfte vor dem Rathaus rief er alle Frankfurter auf: "Helfen Sie mit, dass es eine große Gegenwehr gibt! So werden wir am ehesten dem Anspruch von erinnern und mahnen gerecht."

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Horst-O. Ewers 28.01.2016 - 12:28:45

"Helfen Sie mit, dass es eine große Gegenwehr gibt! So werden wir am ehesten dem Anspruch von erinnern und mahnen gerecht."

Eine klassische Vereinnahmung. Gedenken an den Holocaust wird mit bedingungloser Hinnahme des gegenwärtigen politischen Kurses der Regierungskoalition gleichgesetzt. "Helfen Sie mit, dass es eine große Gegenwehr gibt!" Lässt bewusst offen, wie weit diese "Gegenwehr" gegen Menschen und Sachen gehen sollte.

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