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Mitglieder machen ihrem Ärger Luft über die Entscheidung des Landkreises zur Nutzung des Waldhofes Zootzen als Asylunterkunft

Förderverein fühlt sich übergangen

Als Lernort passé: So schnell wird der Waldhof Zootzen nicht wieder als Schullandheim genutzt werden können.
Als Lernort passé: So schnell wird der Waldhof Zootzen nicht wieder als Schullandheim genutzt werden können. © Foto: MZV
Martin Risken / 29.01.2016, 07:47 Uhr
Zehdenick/Zootzen (GZ) Der Förderverein Waldhof Zootzen fühlt sich vom Landkreis Oberhavel übergangen. Die Entscheidung, das Schullandheim für die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern zu nutzen, sei ohne den Verein getroffen worden.

Ein vor längerer Zeit von Vorstandsmitglied Rafael Noster an den Landkreis gerichtetes Schreiben sei gänzlich unbeantwortet geblieben, beklagte sich Günter Borkowski vom Förderverein bei Landrat Ludger Weskamp (SPD), der am Mittwochabend zu Gast beim SPD-Ortsverein in Zehdenick war. Als am vergangenen Wochenende etwa 40 Mitglieder des Fördervereins den Waldhof räumen mussten, seien bittere Tränen geflossen, sagte Borkowski. Vieles von dem, was der Fördermittel seit Mitte der 1990er-Jahre mit aufgebaut habe, musste aus dem Objekt entfernt werden, so dass dort ab 15. Februar die Jugendlichen einziehen können. Unter anderem auch eine einzigartige Vogelausstellung und andere Objekte, die zum Teil mit Fördermitteln des Landes Brandenburg angeschafft worden seien. Der Verein nutzte das Objekt auch für seine Arbeitsgemeinschaften an zehn Wochenenden im Jahr.

Ein Ersatzobjekt gibt es nicht. Schon seit dem Sommer vergangenen Jahres konnte das Schullandheim nicht mehr als solches genutzt werden. Der Landkreis hatte das Objekt vorübergehend als Notunterkunft für Asylbewerber genutzt. "Mit Traurigkeit haben wir im Sommer diese Nachricht empfangen", sagte Borkowski. "Wir haben großes Verständnis für die Situation der Asylbewerber. Aber es ist schade, dass eine Einrichtung wie der Waldhof verloren geht, zumal es keine vergleichbare Einrichtung in Oberhavel gibt. Wir fühlen uns allein gelassen, niemand hat mit uns gesprochen", beklagte Borkowski.

Nachdem der Vorstandsbrief unbeantwortet blieb, habe er im September persönlich mit dem Landkreis Kontakt aufgenommen, um zu erfahren, was aus dem Schullandheim wird. Damals habe es geheißen, dass sich die Sache entspannen wird und die Asylbewerber deshalb im März ausziehen könnten. Im April würde das Objekt saniert. Doch dann wendete sich das Blatt. Landrat Weskamp entschied, dass der Waldhof Zootzen für die Unterbringung von alleinstehenden minderjährigen Jugendlichen genutzt werden müsse, weil der Landkreis kein adäquates Objekt zur Verfügung habe. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und die Entscheidung auch nicht leichtfertig getroffen", rechtfertigte sich Weskamp. Anders als das Land Berlin wolle er aber am Konzept der Landschulheime festhalten, betonte er. Den Waldhof Zootzen zu erhalten und dafür pro Jahr einen Zuschuss von bis zu 250 000 Euro zu gewähren, sei im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU festgelegt worden.

Weskamp sagte: "Wir verlieren etwas, was den Landkreis ausgezeichnet hat. Aber ich stehe zu meiner Entscheidung, so schwer mir das auch fällt und so bitter sie für Sie ist." Erst seit September wisse der Landkreis, dass er die unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber unterbringen müsse.

Weskamp bestritt die Darstellung Borkowskis, wonach der Landkreis schon seit dem Frühsommer vorhatte, das Schullandheim für die Unterbringung der Jugendlichen zu nutzen. Schon damals habe es Verhandlungen zwischen der Jugendhilfe Nord des Evangelischen Johannesstiftes und dem Landkreis gegeben. Ja, es habe Verhandlungen gegeben, aber diese hätten sich nicht auf den Waldhof Zootzen bezogen, stellte Weskamp fest. Kritik äußerte Borkowski zudem am jetzigen Konzept der Unterbringung. Dadurch, dass die Jugendlichen im Waldhof unterrichtet werden und um das gesamte Konzept ein großer Zaun gezogen werde, entstehe eine Ghettoisierung, die eine Integration erschwere.

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