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Marion Boginski liest aus "Etwas Erde"

Große Erzählerin: Marion Boginski liest bei Guten-Morgen-Eberswalde.
Große Erzählerin: Marion Boginski liest bei Guten-Morgen-Eberswalde. © Foto: Sören Tetzlaff
Anna Fastabend / 01.02.2016, 07:58 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wer zwei Winter und einen Sommer zu Fuß von Westpreußen nach Südrussland geht, muss schwerwiegende Gründe haben. Der Grund für Rosina und Paul Lambrecht ist das himmlische Versprechen auf ein Stück eigenes Ackerland. Die Geschichte des deutschen Ehepaares, das als Kolonisten 1823 ans Schwarze Meer auswandert, ist fiktiv. Sie entstammt dem bisher unveröffentlichten Roman von Marion Boginski mit dem Arbeitstitel "Etwas Erde". Die Eberswalder Autorin ist keine Unbekannte. Sie wurde 2008 mit dem Ehm-Welk-Literaturpreis ausgezeichnet und veröffentlichte 2009 ihren Debütroman "Elsas Blaubeeren".

Ihre aktuelle Erzählung beruht auf historischen Gegebenheiten: Bauern, die sonst als Tagelöhner hätten anheuern müssen, machen sich damals in Scharen auf, um die Steppe zu kultivieren. Die Russen versprechen ihnen dafür neben einem eigenen Hof, Religionsfreiheit und mehrere abgabefreie Jahre. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, sind sie plötzlich unerwünscht. Die Familie flieht nach Westpreußen zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sie dort vertrieben.

Marion Boginski liest bei der 447. Ausgabe von Guten-Morgen-Eberswalde vor rund 100 Gästen aus ihrem Manuskript, das Einblicke in drei Generationen einer Familie gibt. Für die Lesung wählt sie zuerst ein Kapitel aus, das 2013 spielt. Es handelt von Emmas 88. Geburtstag. Sie ist die Enkelin von Rosina und Paul Lambrecht und zu diesem Zeitpunkt selbst Großmutter. Sie schenkt an diesem Tag ihrer Enkelin Mia ein Säckchen mit russischer Erde. Den Stoffbeutel nähte Rosina als einen Talisman, nachdem sie Zeugin eines apokalyptischen Erlebnisses war. Als es geschieht, sind die Ähren gerade reif. Es soll die erste Ernte für die Auswanderer werden. Da saust plötzlich eine biblische Plage hernieder und zerstört alles.

Marion Boginski schildert diesen grauenhaften Vorfall auf wunderbare Weise. Man ist dicht an den Figuren, mittendrin in der zerstörerischen, lebendigen Wolke. Man spürt die Fassungslosigkeit, als der Spuk vorbei ist. Boginskis Schreibstil ist präzise. Beeindruckend, wie sie Handlung und Gedanken kunstvoll miteinander zu verflechten vermag. Bereits nach dem ersten Absatz möchte man Großmutter Emma zu ihrem Geburtstag besuchen - und ihr dieses Jahr ausnahmsweise mal ein schönes Fest bereiten. Eine berührende Lesung, die Lust auf mehr macht.

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