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Stiftung Waldwelten bietet Weiterbildungsprojekt für Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger an

Sägen will gelernt sein

Simon Rayß / 05.02.2016, 05:30 Uhr - Aktualisiert 05.02.2016, 05:32
Eberswalde (MOZ) Die Stiftung Waldwelten hat mit dem Projekt "Perspektive Natur" eine Weiterbildungsmaßnahme für Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger ins Leben gerufen. Jeweils ein Jahr lang können sich die Teilnehmer in verschiedenen Berufsgruppen probieren.

Das Kreischen der Kettensäge fräst sich durch die winterliche Stille. Dann ein Knacken, ein Rascheln, gefolgt von einem dumpfen Schlag - die Teilnehmer des Projekts "Perspektive Natur" haben unweit des Waldcampus' der Hochschule für nachhaltige Entwicklung einen Baum gefällt. Sieben Asylbewerber aus Eritrea und Somalia und vier Hartz-IV-Empfänger absolvieren dort derzeit einen Motorsägenlehrgang.

Doch das ist nur ein Aspekt des Projektes, das die Waldwelten mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung über einen Zeitraum von vier Mal einem Jahr angelegt haben. Eine Gruppe wird jeweils zwölf Monate lang weitergebildet. Sie bekommt einen Einblick ins Tischlereiwesen, in den Garten- und Landschaftsbau, in die Arbeit eines Forstwirts und in die eines Zimmermanns. "Wir versuchen, die Menschen nach einem Jahr weiterzuvermitteln", sagt Ralf Stelbrink, der das Projekt seit Oktober leitet. Der sozialpädagogische Ausbilder, der zuvor für den Wildpark Schorfheide gearbeitet hat, ist erstmals bei der Stiftung im Einsatz, die sich der Bildung und Kultur rund ums Thema Wald verschrieben hat.

Mit seiner Hilfe machen die Projekt-Teilnehmer nicht nur grundlegende Erfahrungen, sondern erzielen auch zählbare Erfolge: den Motorsägenschein und den Tischler-Schreiner-Maschinenschein. "Diese Qualifikationen sind ein Kostenfaktor für Unternehmen", erklärt Karin Siegmund, die Geschäftsführerin der Waldwelten. Unternehmen, die den Teilnehmern nach Ablauf des Projektes vielleicht einen Ausbildungsplatz anbieten oder sie für einfachere Tätigkeiten einstellen.

Die Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger, die bei "Perspektive Natur" mitmachen, sind über soziale Träger und das Jobcenter für das Projekt gewonnen worden. Es umfasst einen theoretischen Teil, aber auch praktische Arbeiten im Stiftungswald, im Forstbotanischen Garten und am Forsthaus am Schwappachweg, das die Waldwelten derzeit zum Hauptquartier ausbauen.

Für den Motorsägenlehrgang geht die Gruppe diese Woche in den Wald. Aufgeteilt in zwei Gruppen und ausgestattet mit Helm, Weste, Handschuhen, Gesichts- und Gehörschutz sind die Teilnehmer zwischen den kahlen Bäumen unterwegs. In der Luft liegt der Geruch des Benzin-Öl-Gemischs, das die Kettensäge antreibt. Die Maschine spuckt Späne, während sie sich durch Stämme frisst, die der Förster für die Fällung markiert hat.

Peer Wischenkow schreitet einen erlegten Baum ab, setzt alle drei Meter eine Markierung mit einem orangefarbenen Spray. Der Ausbilder und Prüfer ist speziell für den Motorsägenkurs angeheuert worden. "Es ist wichtig, dass ihr die Säge so haltet, sonst ist sie die ganze Zeit im Dreck", erklärt er den Teilnehmern und stellt das Sägeblatt waagerecht. Jeder der Teilnehmer wird zunächst einen Baum zu Fall bringen und ihn anschließend entlang der Markierungen zerlegen.

Anfangs haben die Teilnehmer noch Englisch miteinander gesprochen. "Mittlerweile läuft die Kommunikation fast ausschließlich auf Deutsch", sagt Ralf Stelbrink. Das sei wichtig, um den Asylbewerbern die Fachbegriffe beizubringen, die sie in Sprachkursen bisher nicht gelernt haben, im späteren Arbeitsleben aber brauchen werden. "Das ist ein großes Manko der Kurse", erklärt der Projektleiter. Doch der Einsatzwille ist groß, gerade auch im Hinblick auf die theoretische Prüfung, die Teil des Motorsägenlehrgangs ist. "Ich habe den Eindruck, dass sie alles verstanden haben", konstatiert Peer Wischenkow.

Unter den Teilnehmern ist Liiban Abdi Salad aus Somalia. "Ich bin seit zwei Monaten dabei", sagt der 21-Jährige, der im vergangenen Jahr als Bundesfreiwilliger beim Umbau der Zainhammer Mühle geholfen hat. Nun bildet er sich über "Perspektive Natur" weiter. "Wir machen das Schritt für Schritt", erklärt er. Die Arbeit mit der Kettensäge ist für ihn etwas vollkommen Neues.

Zuvor haben die Teilnehmer gelernt, wie sie mit der Axt umgehen, und geholfen, das Dach des Forsthauses abzudecken. Die Kommunikation zwischen den Asylbewerbern und den Hartz-IV-Empfängern funktioniert. "Ich arbeite jeden Tag mit Afrikanern zusammen, das macht Spaß", konstatiert der Eberswalder Daniel Kowatzki. Selbst, wenn nicht immer alles ankomme - "wir verständigen uns", erklärt der 31-Jährige, der in Zukunft im Forstbereich arbeiten will. Dann klappt er den Gesichtsschutz runter, setzt die Kette an einen neuen Stamm und schon kreischt die Säge wieder durch den Wald.

Kontakt: Telefon 03334 657476, E-Mail an info@waldwelten.de

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