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Freimaurer werkeln an ihrem Ruf

Auf der Tür zu einer Freimaurerloge prangt das Symbol des traditionsreichen Männerbundes - Winkelmaß, Zirkel und Kette.
Auf der Tür zu einer Freimaurerloge prangt das Symbol des traditionsreichen Männerbundes - Winkelmaß, Zirkel und Kette. © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 10.02.2016, 09:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Um Freimaurer ranken sich seit jeher wilde Verschwörungstheorien. Denn der diskrete Männerbund wird von rätselhaften Ritualen und eiserner Verschwiegenheit geprägt. Doch die Zeiten haben sich geändert: Logen suchen geradezu die Öffentlichkeit - es fehlen neue Mitglieder.

Was ist das Geheimnis seiner Loge? Rolf Dossmann lacht. Wenn der Neuruppiner Freimaurer sich zwei Mal monatlich mit seinen "Brüdern" zur "Tempelarbeit" trifft, im schwarzen Anzug, Mauerschurz und weißen Handschuhen, dann wird eine Zeremonie abgespult, die sich über die Jahrhunderte kaum geändert hat. Von dem Ritual im Kerzenschein darf nichts nach draußen dringen. "Aber das hat mit einer Verschwörung nun gar nichts zu tun."

Die Neugier der Öffentlichkeit sei schon längst befriedet worden, meint Dossmann, der sich "Meister von Stuhl" nennen darf, also Vorsitzender der als Verein eingetragenen Loge ist. Er verweist auf das Internet. "Dort kann man wirklich alles über Freimaurerlogen und selbst Rituale nachlesen", sagt er. "Es gibt auch unzählige Videoclips." Insofern könne selbst von einer Geheimniskrämerei keine Rede sein.

"Ferdinand zum roten Adler" nennt sich die Loge, das klingt brandenburgisch, doch viele Interessenten schauen nicht vorbei. Den Neuruppiner Freimaurern gehören neun Brüder an - die Mindestzahl an Mitgliedern bevor die Arbeit aufgenommen werden kann. Manche kommen zu den Treffen unter dem Zeichen von Winkelmaß und Zirkel aus anderen Städten der Region angereist. "Der Zuwachs hier ist schwach", räumt Dossmann ein.

Das Problem der ostdeutschen Logen liegt in der Geschichte begründet: In den 1930er-Jahren wurden Freimaurer von den Nazis verboten und verfolgt, in der DDR nicht mehr zugelassen. Und nach der Wende, als in Brandenburg die traditionellen Standorte wiederbelebt werden sollten, hatten viele Menschen andere Prioritäten, als einem traditionsbeladenen Bund beizutreten. In den repräsentativen Logenhäusern trifft sich zumeist nur ein überschaubarer Kreis.

Dabei muten viele Abläufe in den Versammlungsräumen tatsächlich wie eine Zeitreise an. Freimaurerei ging aus den mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften hervor, jenen Kunsthandwerkern, die ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Kathedralen verdienten. Um ihr Wissen und ihre Traditionen zu bewahren, trafen sie sich in Bauhütten, später Logen genannt. Diese wurden bewusst abgeschirmt, um sich vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Diskretion gilt bei Freimaurern auch heute noch als Grundregel. Doch große Faszination lösten die Bruderschaften erst in den bürgerlichen Gesellschaften aus - da sie für die Abschaffung des Absolutismus, für Demokratie sowie die Anerkennung der Menschenrechte eintraten. Friedrich der Große, Goethe, Lessing, Mozart, Voltaire - zahlreiche Persönlichkeiten fühlten sich zur Freimaurerei hingezogen. Gleichzeitig entstanden immer mehr Mythen. So wird Freimaurern unterstellt, sie hätten an der Französischen Revolution maßgeblich mitgewirkt und seien ein Geheimbund, der nach der Weltherrschaft strebt. Noch heute lehnt die katholische Kirche die Freimaurer ab.

"Wir werden die Vorurteile nicht so leicht abschütteln können", meint Norbert Steinicke von der Eberswalder Loge "Friedrich Wilhelm zu den drei Hammern". Dem versuche man mit einer modernen Außendarstellung - Internetseiten, Blogs und Videos - zu begegnen. Doch wenn die Freimaurer ihre Türen für Gäste öffnen, kommen nur wenige - zur jüngsten Einladung in den Eberswalder "Tempel" waren sechs Frauen gefolgt, die beim Männerbund allerdings nicht mitmischen dürfen.

Diesen Ausschluss des weiblichen Geschlechts begründet Steinicke mit den Abläufen während einer Zeremonie, die von ruhigen Bewegungsabläufen sowie geistigen Impulsen geprägt sei. "Wenn Frauen im Spiel sind, zeigen manche Männer ein gockelhaftes Gehabe. Das wollen wir verhindern."

Insgesamt 14000 Freimaurer sind nach Schätzungen in Deutschland noch aktiv. Sie verteilen sich auf mehrere Großlogen - die wie Dachverbände funktionieren. Die Eberswalder und Neuruppiner Loge gehören dabei dem Netzwerk "Zu den drei Weltkugeln" an. Es wurde vom Alten Fritz (1712-1786) installiert und ist dementsprechend vor allem in den ehemaligen preußischen Gebieten vertreten. Dort hat Thomas Engel, ebenfalls ein Eberswalder, das höchste Amt inne. "Ein Geheimnis habe ich nie daraus gemacht", sagt der frühere Vize-Landrat im Kreis Barnim.

Engel tritt für eine konsequente Öffentlichkeitsarbeit ein, wodurch Mitstreiter gewonnen werden sollen. "Es gibt gewaltige Vorzüge", meint der 66-Jährige und schwärmt dabei von den Bildungsmöglichkeiten in den Logen. Auch Kontakte in den Netzwerken seien wichtig, wodurch aber keine materiellen Vorteile entstünden. Beamte, Juristen, Mediziner, Offiziere, Architekten und Ingenieure seien in der Großloge vertreten, aber auch Handwerker.

Doch für eine Mitgliedschaft gibt es Hürden: "Die Chemie muss stimmen", erklärt Engel. Es gebe immer wieder "Suchende", die nicht in der Loge aufgenommen wurden. Trotz des Nachwuchsmangels bleibt man allerdings den alten Regeln treu. "Die werden wir auch nicht abschwächen, um junge Menschen anzulocken", betont er.

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