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Tomatenfreie Zone

Anna Fastabend / 16.02.2016, 07:25 Uhr
Eberswalde (MOZ) Für manchen schwer vorstellbar: Doch der Mensch verhungert nicht ohne Tomaten, Avocados und Co. Beim Betreten des Lebensmittelgeschäfts Krumme Gurke wird klar, was in der Region im Winter alles nicht wächst. Aber aus Kohl, Rüben und Kartoffeln lassen sich schmackhafte Gerichte zaubern.

Wer in diesen Tagen im normalen Supermarkt einkauft, hat die volle Auswahl. Ob Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Das Gemüseregal leuchtet unverändert bunt. Ständig locken Tomaten in allen Formen und Farben, Avocados, Auberginen, Paprika, Mangos, Physalis und Weintrauben. Eigentlich ein paradiesischer Zustand. Doch das zur Realität gewordene Schlaraffenland hat seine Schattenseiten.

Oft werden die Lebensmittel mit einem hohen Einsatz von Energie, Wasser und Pflanzenschutzmitteln produziert. Es gibt Landstriche, die fast vollständig mit Plastikfolien bedeckt sind. Die Erntehelfer arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Hinzu kommen lange Transportwege. Gleichzeitig kämpfen hiesige Bauern ums Überleben. Gerade die kleinen Betriebe können beim Preisdumping nicht mithalten. Sie kommen in örtlichen Supermärkten kaum vor.

Das ist in der Krummen Gurke anders. Die Gemüseauswahl lässt einen staunen. Wer Vielfalt gewohnt ist, wird kurz enttäuscht sein. Kohl, Rüben und Kartoffeln - viel mehr gibt es momentan nicht. Doch wer dem saisonalen Angebot eine Chance gibt, entdeckt, wie vielfältig es eigentlich ist.

"Gerade noch werden Rosen- und Grünkohl geerntet", berichtet Ladeninhaberin Natalie Franz. Von wegen Langeweile: Es gibt jede Menge Kohl- und Rübensorten, die alle ihren ganz eigenen Geschmack haben. Außerdem liegt schon der erste Feldsalat in der Auslage. "Bald kommen Asia-Salat, Spinat und Knoblauch hinzu." Und "wir verkaufen gerade Karotten, Steckrüben, gelbe Rüben, schwarzen Rettich und Zwiebeln". Dazu unterschiedliche Äpfel- und Kartoffelsorten. Alles Produkte, die vor einiger Zeit geerntet und über den Winter eingelagert wurden. "Das Obst und Gemüse beziehen wir von drei landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Barnim", so Franz. Von der Gärtnerei Lobetal, vom Gemüsewerk aus Hohenfinow und vom Hofladen Danewitz bei Biesenthal.

Die Krumme Gurke gibt es jetzt seit fünf Jahren. Natalie Franz und ihr Freund, der Gärtner Henrik Wolff, hatten damals eine unschöne Entdeckung gemacht: In ganz Eberswalde gab es keine einzige deutsche Zwiebel zu kaufen, berichtet sie. Da beschloss das Paar, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Das Konzept: Ausschließlich saisonale Produkte aus Brandenburg anzubieten. Die sind zum großen Teil biologisch produziert und stammen aus kleinen Betrieben, darunter viele Familienbetriebe.

"Wir wollen Erzeugern eine Vermarktungsmöglichkeit geben, die im Großhandel keine Chance hätten", erklärt Natalie Franz. "Wenn eine Gurke 30 Cent kostet, wovon sollen Bauern dann leben?", fragt sich die 32-Jährige und wünscht sich, dass Verbraucher sich mehr Gedanken über solche Tatsachen machen.

Bisher hält die Krumme Gurke sich wacker - allen Widrigkeiten und der vielen Supermärkte in der Umgebung zum Trotz. Es gibt einen festen Kundenstamm, der sich aus Eberswaldern und Studenten zusammensetzt. Letztere bekommen zehn Prozent Rabatt.

Aus saisonalem Gemüse können leckere Gerichte zubereitet werden, die viel besser zur Jahreszeit passen als Tomatensalat. "Wir kochen gerade viele Eintöpfe", sagt Natalie Franz. Außerdem ist Rote-Bete-Apfel-Salat lecker, findet sie. Aus Pastinaken könne man ein super Püree kochen. Sellerie und Steckrübe eigenen sich als Schnitzelersatz. Zudem könne Sellerie prima als Bratkartoffelersatz verwendet werden, zählt sie auf.

Und wem die Tomate zu sehr fehlt, der kann auf die selbst gemachten Tomatensaucen der uckermärkischen Feinkost Schlossgärtnerei oder auf die zu Marmeladen gekochten Sommerfrüchte vom Hofladen Danewitz zurückgreifen.

Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, dienstags und sonnabends von 9 bis 13 Uhr

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