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Ein Denkmal, das mahnt und fordert

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FOSCHROEDERN / 17.05.2008, 08:28 Uhr
Bernau Rund 60 Personen haben sich am Donnerstagabend am Bernauer Deserteurdenkmal getroffen. Vor zehn Jahren war es enthüllt worden. Die Worte "Weil er nicht töten wollte" stehen unter einem gefesselten Mann vor einer Wand mit Einschusslöchern.

"Wohl dem, der nie vor der Alternative stand, entweder wegen der Befolgung von Befehlen Schuld auf sich zu laden oder wegen Befehlsverweigerung sein Leben zu riskieren", sagte Bürgermeister Hubert Handke. Er wies auf den "Vierklang" der Denkmale in Bernau hin, der vom Kriegerdenkmal, dem Denkmal für die Gefallenen der Roten Armee, der Friedenssäule vor dem Gymnasium und dem Deserteurdenkmal geschaffen wurde. Schon oft habe er gesehen, wie Menschen vor dem Denkmal standen oder eine Blume vor der Tafel lag, so Handke.

Mit einem klaren Votum hatte die Bernauer Stadtverordnetenversammlung 1997 die Errichtung des Deserteurdenkmals beschlossen. Dem Anliegen des damaligen "Initiativkreises Deserteurdenkmal Bernau" wurde mit 22 Ja- und vier Neinstimmen gefolgt. Gleichwohl hatte es im Vorfeld der Entscheidung über Monate eine kontroverse öffentliche Diskussion in Bernau gegeben. Auch heute gibt es "noch einige, die sich an dem Denkmal reiben", sagt Dieter Gadischke, einer der damaligen Initiatoren. Würden Deserteure doch immer noch vorschnell als "Drückeberger" oder "Feiglinge" abgetan. Andere wiederum hätten das Denkmal noch gar nicht richtig wahrgenommen. Dennoch werde es angenommen, und zwar nicht nur an offiziellen Gedenktagen. "Viele Jugendliche kennen es sehr genau", hat Gadischke, der in der evangelischen Jugendarbeit Barnim tätig ist, festgestellt.

Schulklassen besuchen die vier Denkmale im Unterricht, aber auch von Universitäten gibt es Anfragen für Studentenarbeiten, etwa zur Entstehungsgeschichte des Denkmals. "Viele sind begeistert von dem Standort und von der künstlerischen Qualität", sagt Gadischke, auf dessen Tisch die Anfragen in der Regel landen. Für diese Qualität steht der Biesenthaler Bildhauer Friedrich Schötschel. Das von ihm geschaffene Relief kann den Betrachter unmittelbar ansprechen, gerade weil es jegliches falsche Pathos meidet. Der Text geht übrigens auf eine Idee des Liedermachers Gerhard Schöne zurück. Schötschels Mahnung lautete, drohende Kriege "rechtzeitig zu verhindern".

Das Denkmal an der Stadtmauer in der Mühlenstraße soll nicht nur eine mahnende Erinnerung und Ehrung von Deserteuren früherer Kriege sein, sondern auch die Gedanken auf Menschen lenken, die heute unter Kriegen und ähnlichen Auseinandersetzungen leiden. So wurde an die Tschetschenien-Ausstellung in der Marienkirche erinnert, dass desertierte russische Soldaten von tschetschenischen Familien versteckt wurden, da russische Rekruten ohne Ausbildung in den Krieg geschickt worden waren. In den vergangenen Jahren ist die Kriegsdienstverweigerung in der Türkei, in Russland und auch in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien ein aktuelles Thema, so Dieter Gadischke. Tausende verweigerten sich dort der Einberufung. An der Kundgebung und der sich anschließenden Diskussion "Aktiv gegen Krieg" nahmen unter anderem auch der türkische Kriegsdienstverweigerer Zeynettin Er, - in der Türkei ist das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anerkannt -, der Zittauer Totalverweigerer Andreas Reuter, und Ulrike Laubenthal, die gegen den Bombenabwurfplatz bei Wittstock aktiv ist, teil.

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