Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jens Weißflog adelt die Schanze

Großer Andrang: Am Fuße des Schanzentisches drängten sich am Freitag etliche Besucher und Journalisten um Jens Weißflog. Nach Manfred (schwarze Mütze) und Karl-Heinz Michaelis (graues Basecap) wurde die Schanze in den Diehloer Bergen benannt.
Großer Andrang: Am Fuße des Schanzentisches drängten sich am Freitag etliche Besucher und Journalisten um Jens Weißflog. Nach Manfred (schwarze Mütze) und Karl-Heinz Michaelis (graues Basecap) wurde die Schanze in den Diehloer Bergen benannt. © Foto: MOZ
Janet Neiser / 19.02.2016, 19:11 Uhr - Aktualisiert 19.02.2016, 19:47
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Schanze in den Diehloer Bergen in Eisenhüttenstadt trägt seit Freitag den Namen "Michaelis"-Schanze. Hunderte Zaungäste waren am Nachmittag zum Schanzentisch gepilgert - vor allem, um den dreimaligen Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog endlich einmal live zu sehen.

"Wo ist er denn?", will Siegrid Wenzel wissen, die sich durch die Menschenmassen und den Matsch bis zum Schanzentisch vorgekämpft hat. Doch auch dort sieht sie zunächst nur Köpfe über Köpfe und Fotografen. "Da isser doch", ruft ihr Mann und zeigt geradeaus. "Der kleene Graumelierte da, der Floh vom Fichtelberg." Endlich.

Olympiasieger und Weltmeister im Skispringen Jens Weißflog besucht Eisenhüttenstadt und weiht "Michaelis"-Schanze in den Diehloer Bergen ein.
Bilderstrecke

Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog besucht Stahlstadt

Bilderstrecke öffnen

Die Fältchen an den Augen sind zwar etwas tiefer geworden, die Haare etwas grauer, aber seine 51 Jahre sieht man dem ehemaligen Hochleistungssportler aus Oberwiesenthal nicht an. Schlank wie eh und je, kommt er daher in seiner dunkelblauen Jeans, seinem figurbetonten grauen Mantel und den braunen Lederschuhen. Weil er da ist, sind die meisten an diesem Tag in die Diehloer Berge gekommen. Warum, ist für sie ganz klar: "Er ist nun mal der beste Skispringer der Welt gewesen", betont Bernd Schubel.

Und als Jens Beige, der Vorsitzende des Mountainbike- & Skisportvereins Diehloer Berge - der unter anderem die Schanze betreibt, die nun wieder hergerichtet wurde -, den ehemaligen Skispringer willkommen heißt, sagt er nur: "Einer ist heute direkt aus Oberwiesenthal zu uns gekommen, der dreimalige Olympiasieger ..." Prompt tönt es aus den Mündern aller Anwesenden "Jens Weißflog". Applaus brandet auf.

Nach all den offiziellen Reden zur feierlichen Namensgebung wird auch Jens Weißflog gefragt: "Willst du noch was sagen?" Und von anderer Stelle tönt es: "Ansonsten musst du springen." "Dann sag' ich lieber etwas", kontert Weißflog mit einem Lächeln. Eigentlich sei er ja wegen der Vorstellung seines Buches in der Stadt, erklärt er. Sein erster Besuch in Eisenhüttenstadt überhaupt. Als man ihm schließlich von der Schanze erzählt habe, habe er das keinesfalls für einen Witz gehalten. Und als der erfolgreiche Ex-Skispringer dann am Schanzentisch steht, betont er: "Das ist ja auch keine Anfängerschanze mehr. Da muss man schon ein paar Mal gesprungen sein." Der Schanzenrekord liegt bei 30,5 Metern und stammt aus dem Jahr 2010.

Nein, er selbst würde nicht mehr springen, betont Jens Weißflog. Er fahre höchstens noch ein bisschen Ski. Und auf die Frage, wann er denn seinen letzten Sprung hatte, kommt die Antwort sofort: "Am 15. Juni 1996." Skispringen sei nun mal kein Hobbysport, erklärt der Oberwiesenthaler, der in seinem Heimatort ein Hotel betreibt. Dann muss er sich für das nächste Foto mit einem Gläschen Sekt aufstellen.

All das bekommen die vielen Menschen, die am Aufstieg zur Schanze, stehen gar nicht mit. "Schade", heißt es dort immer wieder. "Wir haben nichts gesehen und auch gar nichts gehört." Weder Jens Weißflog noch die Scheckübergabe durch Bürgermeisterin Dagmar Püschel für das neue Fernrohr für die Diehloer Berge oder die Enthüllung des neues Namensschildes der "Michaelis"-Schanze. Der kleine Skispringer als i-Punkt über dem ersten "i" des Namens ist übrigens Jens Weißflog, versichert Jens Beige. Schließlich sollte der Ehrengast an diesem Tag verewigt werden. Die Namensgeber, Karl-Heinz und Manfred Michaelis, sind natürlich ebenfalls mit vor Ort - mit Skiern ausgerüstet, wie sich das gehört. Die Rentner-Brüder sind aus der Geschichte des Wintersportgebietes in Eisenhüttenstadt nicht mehr wegzudenken.

Bei ihnen bedankt sich der Vereinsvorsitzende ebenso wie bei den ehrenamtlichen Helfern des Vereins und bei den vielen Unternehmen der Stadt, die bei der Instandsetzung der Schanze geholfen haben. Die soll künftig nicht nur von Skispringern, sondern auch von Radsportlern genutzt werden, die sich in die Tiefe stürzen. "An das Fliegen und das Landen von einer Schanze müssen wir uns erst gewöhnen", sagt Mountainbiker Michael Kupsch. "Aber ich freu' mich drauf."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG