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Lautstarker Protest gegen Rechts

Laut: Syrische Demonstranten antworten den rechten Parolen mit Trommelklängen, Gesängen und Pfiffen.
Laut: Syrische Demonstranten antworten den rechten Parolen mit Trommelklängen, Gesängen und Pfiffen. © Foto: FOTO Michael Benk
Frauke Adesiyan / 21.02.2016, 18:13 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Hunderte Frankfurter verschiedener Parteien und Initiativen demonstrierten am Sonnabend für ein weltoffenes Frankfurt. Sie wurden auch von einer Gruppe syrischer Flüchtlinge lautstark unterstützt. Anschließend protestierten Rechte auf einem Marsch durch die Stadt gegen die Asylpolitik.

Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) findet bei der Veranstaltung für ein buntes und vielfältiges Frankfurt deutliche Worte: "Frankfurt (Oder) hat sich zu wehren gegen Fremdenfeindlichkeit und den Versuch, mit ausländerfeindlichen Parolen eine Pogromstimmung zu erzeugen." Er spielt auf die Initiatoren der anderen Demonstration an. Die Gruppe "Frankfurt/Oder wehrt sich" hat für den Sonnabend eine Kundgebung mit dem Motto "Stopp den Asylwahn" angemeldet. Beide Gruppen treffen sich etwas zeitlich versetzt nur wenige Meter voneinander entfernt auf dem Marktplatz.

Gemeinsam mit dem Bündnis "Kein Ort für Nazis" hat die Stadt zu der Gegenkundgebung eingeladen. Neben Vertretern der Parteien, Kirchen, der Viadrina und verschiedener Initiativen sind auch zahlreiche syrische Flüchtlinge gekommen, die mit Trommeln für lautstarke Stimmung sorgen. "Ich bin hier, damit die da drüben meine Stimme hören", sagt Mahmoud Al Jadaad. "Sie sind viele und sie mögen uns nicht, aber wir sind nur Menschen, die ihre Länder wegen des Kriegs verlassen haben", sagt der Syrer, der seit zwei Monaten in Frankfurt lebt, auf Englisch. Angst hätten die Flüchtlinge angesichts der ausländerfeindlichen Stimmung auf der anderen Seite des Platzes nicht, meint Raef El-Ghamri vom Integrationsrat der Stadt. "Sie haben schon viel schlimmeres erlebt."

Die Polizei spricht später von 200 Gegendemonstranten, ein Teil der Initiatoren gibt die Zahl wesentlich höher an. Dem Aufruf der Gruppe "Frankfurt/ Oder wehrt sich" sind laut Polizeiangaben anfangs 180 Anhänger gefolgt. Unter ihnen auch etwa 20 Slubicer Teilnehmern, die die Polizei als Anhänger des Fußballvereins Polonia Slubice identifiziert und zurück zur Grenze bringt. Im Verlauf der Demonstration werden zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie eine Beleidigung angezeigt. Drei Demonstranten wird ein Platzverweis erteilt.

Dass die Demonstrationen friedlich bleiben, liegt auch an der Strategie der Polizei, die zwei Gruppen zu trennen. So wird auf dem Marktplatz durch Absperrungen ein großer Abstand gewahrt. Als die rechten Demonstranten sich dann auf den Weg durch die Innenstadt machen, sind die umliegenden Straßen und Plätze derart großflächig abgesperrt, dass es nur sehr wenigen Gegendemonstranten gelingt, an der Strecke ihren Unmut auszudrücken.

Die Route führt über die Karl-Marx- und die Rosa-Luxemburg-zur Franz-Mehring-Straße. An der Kreuzung Heilbronner Straße findet eine abschließende Kundgebung statt, bevor die Demonstranten zum Bahnhof gehen. Lediglich an Kreuzungen geraten die gegnerischen Parteien in Hörweite. Eine Gruppe der Antifa wird kurz vor Ende der Demonstration von Polizisten und laut bellenden Hunden in der Spiekerstraße zurückgehalten.

Mehrere Beobachter des Demonstrationszuges bemerken, dass neben bekannten Gesichtern aus der rechten Szene der Region sowie Vertretern der rechtsextremistischen Partei "Der III. Weg" auch sehr junge Frankfurter mitlaufen, die bisher nicht in der Szene auffielen.

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Klaus Klein 22.02.2016 - 17:25:10

Dann eben

anders formuliert. Warum waren nur männliche Migranten zu dieser Integrationsveranstaltung?

Horst-O. Ewers 22.02.2016 - 11:17:50

interessanter Beitrag über die Gleichheit

http://www.danisch.de/blog/2016/02/21/uber-die-gleichheit-von-links-und-rechts/ "Ich glaube aber nicht, dass man rechte Gewalt jemals wirksam wird eindämmen können, solange man doppelmoralig Leute mit gleichen Taten verharmlost. Daher ist auch dieses ganze linke antifaschistische Getue (Antifa usw.) verlogen, denn man bekämpft etwas ja nicht, indem man sich genauso verhält und nur unterschiedliche Bewertungen der gleichen Kriminalität vornimmt. Man wird Brandstiftung und Gewalt gegen »Andersartige« niemals eindämmen können, solange man gleichzeitig eine Sorte geduldeter Brandstiftung und Gewalt hinnimmt."

O. Berg 22.02.2016 - 10:24:09

@Ralf Welkisch

Ja, alle Kritiker auf Rechts zu drehen ist natürlich die einfachste Lösung, man muß nicht differenzieren warum es Meinungsgegner ist, man möchte diese einfach nur weg haben damit die unreflektiertesten Gutmensch-Parolen zum tragen kommen können. Diese sog. Gutmenschen sollten sich fragen warum sie nicht mehr Unterstützer zu ihren Demos aktivieren können. Auf einer der besten deutschen Bloggerseiten www.altermannblog.de findet sich folgender Spruch: Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. (Norbert Bolz) So hätte man es gerne aber....passend zum Thema, der heutige Blog: http://www.altermannblog.de/haust-du-meinen-fluechtling-hau-ich-deinen-nazi/

Horst-O. Ewers 22.02.2016 - 10:15:37

@Ralf Welkisch

Zitat: "Warum wird es immer so dargestellt, man wäre "Rechts", wenn man gegen die realitätsverweigernde Asylpolotik der Bundesregierung ist ??" eine gute entlarvende Frage die eigentlich der Autor des MOZ-Artikels selbst beantworten müsste. Ich fühle mich immer mehr wie in einem nie enden wollenden Albtraum. Die derzeitige Situation ist völlig verfahren, Merkel mit ihrer Politik am Ende, Deutschland mit seinem propagierten Sonderweg international isoliert und die in Verantwortung stehenden Politiker zu feige (außerdem mit der Sicherung ihrer Pfründe beschäftigt), die Notbremse zu ziehen. Statt dessen wird ein Jeder, der es wagt dagegen aufzumucken oder auch nur Zweifel anzumelden, pauschal von gleichgeschalteten Medien zum NAZI erklärt. Wo ist dieses Land in so kurzer Zeit nur hineingeschlittert.. Da berichtet die MOZ von einer tiefen Spaltung der polnischen Gesellschafft und merkt nicht einmal die tiefe Spaltung vor der eigenen Tür im eigenen Land. Dass Beschäftigte von ihren Arbeitgebern für ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in ihrer Freizeit abgestraft werden, kennen gelernte DDR-Bürger allzugut. Dass dies heute und jetzt stattfindet und es scheinbar niemanden stört, war vor nicht allzulanger Zeit noch unvorstellbar. Wie schon so oft hat Frau Lengsfeld wieder den Finger in der Wunde der Zeit. Prädikat: absolut lesenswert! http://vera-lengsfeld.de/2016/02/20/merkel-schafft-uns-1/

Ralf Welkisch 22.02.2016 - 08:57:59

Protest gegen Rechts ??

Warum wird es immer so dargestellt, man wäre "Rechts", wenn man gegen die realitätsverweigernde Asylpolotik der Bundesregierung ist ?? Wenn sich die Asylunterstützer schon Asylbewerber ranholen müssen um nicht ganz allein zu sein, dann ist es eigentlich schon traurig... Um das die Asylbewerber ,mit hoher Wahrscheinlichkeit eher Wirtschaftsflüchtlinge, dafür kämpfen unsere Sozialleistungen auch weiterhin zu bekommen, ist sehr verständlich. Wenn Frankfurt so viele Asylunterstützer hätte, dann wären auch mehr gekommen. Und das kaum ein Frankfurter Bürger gegen diese Asylpolitik auf die Straße geht, könne vielleicht daran liegen, dass man immer gleich als Nazi abgestempelt wird und mit persönlichen Konsequenzen z.B. durch den Arbeitgeber zu rechnen hat... Außredem ist es auch für Leib und Leben gefährlich, wenn die angereisten Krawalltruppen der Antifa "gegendemonstrieren".

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