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Deportiert und gestorben

Einer von vier Stolpersteinen in Rathenow.
Einer von vier Stolpersteinen in Rathenow. © Foto: weber
Sandra Euent / 24.02.2016, 06:00 Uhr
Rathenow (MOZ) Die Farbe und der Glanz der Stolpersteine sollen zum Innehalten verleiten und zum Nachdenken animieren. Doch die im März 2007 vom Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine in der Rathenower Steinstraße waren schon angelaufen und von ihrem eigentlichen Glanz nicht mehr viel übrig. Der Fotograf griff zum Putztuch und verwandelte die angelaufenenen Messingsteine wieder in glänzende Mahnungen. Die Namen sind nun wieder lesbar.

In einem Jahr, in dem sich die Stadt und die Bevölkerung ganz besonders mit ihrer Geschichte beschäftigt, darf auch ein Blick in die jüngere Vergangenheit und ihre Schrecken nicht fehlen. Nachdem zur Eröffnungsveranstaltung der 800-Jahr-Feierlichkeiten schon Bilder des nach dem Zweiten Weltkriegs zerstörten Rathenows über die Kinoleinwände flimmerten, erinnerte ein Vortrag von Professor Günter Morsch in der vergangenen Woche an die Anfangszeit der Deportationen und Konzentrationslager 1933/34.

Erst 1942 wurden wohl die Menschen deportiert, an die die vier Stolpersteine in der Steinstraße erinnern. Ihre Namen sind sowohl in der Namensliste auf der Seite der jüdischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als auch im Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland von 1933 bis 1945 des Bundesarchivs zu finden. Über ihre Schicksale ist aber trotzdem nicht viel bekannt. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie nicht überlebt haben. Das wenige Wissen ist in den Listen und den sogenannten Gedenkblättern, die überlebende Angehörige für die Toten ausgefüllt und an Yad Vashem gesendet haben, gesammelt.

So wurde Emmy Sinasohn laut ihrer Schwester mit 39 Jahren in das Warschauer Ghetto deportiert. Ihr Mann Fritz bestätigte ihre Deportation in einem späteren Gedenkblatt. Ob ihr Mann ebenfalls deportiert wurde und überlebt hat, oder ein anderes Schicksal hatte, geht leider nicht aus den Eintragungen hervor. Das Ehepaar Kornblum ist in Yad Vashem unter anderem von ihrem Sohn Egon eingetragen worden. Dieser konnte wohl 1939 aus Deutschland fliehen. Emmy Sinasohn und die Kornblums wurden 1942 nach Warschau deportiert. Die Deportationen aus diesem Ghetto in Vernichtungslager begannen im Juli 1942.

Bertha Kadden kam wohl Anfang Oktober 1942 nach Theresienstadt, wo sie noch im gleichen Monat starb. So geht es aus den Angaben zu ihr auf www.yadvashem.org hervor.

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