Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gutenachtläufer fördern Tierschutz

Elf Eberswalder joggen Montagnacht vom Marktplatz über die B 167 am Zoo vorbei zum Ausgangspunkt zurück.
Elf Eberswalder joggen Montagnacht vom Marktplatz über die B 167 am Zoo vorbei zum Ausgangspunkt zurück. © Foto: Sören Tetzlaff
Anna Fastabend / 24.02.2016, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Am Montag hat in 63 Städten ein Lauf zugunsten des Tierschutzes stattgefunden. Die Eberswalder haben zum zehnten Mal bei dem bundesweiten Event mitgemacht. Der Lauf wird von einem Veganer-Sportverein organisiert. Seine Anhänger treffen sich immer bei Vollmond.

Wäre der Himmel nicht so wolkenverhangen, würde über dem Eberswalder Marktplatz der Vollmond leuchten. Am Montagabend erhellen nur Stirnleuchten die dunkle, verwaiste Gegend. Es ist 21.15 Uhr. Draußen ist es feucht, kalt, ungemütlich - kurz gesagt Drinnen-Wetter. Dies scheint dem regionalen Organisator des bundesweit zeitgleich stattfindenden Gutenachtlaufs aber nichts auszumachen. Robert Schmidt ist voller Vorfreude. Er ist mit der Lampe auf dem Kopf, der enganliegenden Haube und den langen Ärmeln ja auch gut für das nächtliche Rennen zugunsten des Tierschutzes und eigentlich auch zugunsten des veganen Lebensstils ausgestattet. "Zum Glück regnet es nicht", stellt er fest. Sicher - schlimmer geht immer. Noch ist er allein. Der 29-jährige Heilerziehungspfleger aus Eberswalde bleibt optimistisch. "Zwei Freunde von mir laufen in jedem Fall mit", sagt er. Hebt wegen der Kälte einen Fuß, dann den nächsten. Kurz vor dem Start trudeln ein paar Mitstreiter mehr ein. Man sieht ihnen an, dass sie regelmäßig laufen - an der Kleidung, am Schuhwerk. Überwiegend kennt man sich. Man könnte fast sagen elf Freunde und ein Hund. Der tierische Mitstreiter ist ein Appenzeller Sennenhund und heißt Findus. Naturgemäß ist der für den Tierschutz - aber Veganer ist der nicht.

Da befindet sich Findus in bester Gesellschaft. Unter den Anwesenden verzichtet fast niemand auf Fleisch, Eier, Käse, Milch, Honig und Leder. Organisator Robert Schmidt aber ist seit 2014 Vollblut-Veganer. "Ich möchte nicht, dass Tiere für meinen Konsum leiden", erklärt er. Erst wurde er Vegetarier, dann aus logischer Konsequenz - wie er sagt - Veganer.

Dass zumindest in Eberswalde lange nicht jeder, der beim Gutenachtlauf mitmacht, Veganer ist, macht überhaupt nichts, findet Initiator Mark Hofmann aus München. Er möchte mit seinem Verein Laufen gegen Leiden auf die Qualen der Tiere hinweisen, die dadurch entstehen, dass Menschen tierische Produkte konsumieren. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gesund ist, Fleisch zu essen, das unter größtem Stress der Tiere produziert wurde."

Auch Mark Hofmann war früher Allesesser, wurde vor vier Jahren für eine Woche Vegetarier und informierte sich. Schnell wurde ihm - wie er berichtet - klar, dass auch Kühe unter der Milchproduktion leiden und bei der Gewinnung von Honig massenhaft Bienen sterben. Dabei will der 39-Jährige kein Hardliner sein. "Würde ich auf einer einsamen Insel stranden und es gäbe nichts außer Fleisch, ich würde es essen." Aber Tiere zu töten, obwohl er in seiner Lebenssituation auch anders kann, das möchte er nicht mehr. Die Idee, regelmäßig bei Vollmond für den guten Zweck zu laufen, kam ihm vor fast einem Jahr. Zu Anfang starteten seine Mitstreiter in 15 Städten. Nach nur elf Monaten begeben sich bereits in 63 Städten um 21.30 Uhr Läufer in die Vollmondnacht. "Es sind zwar selten besonders viele", sagt Hofmann. "Aber die Gemeinschaft macht es aus." Das kann Eberswalderin Sylvia Hartmann (41) nur bestätigen. Findus Herrchen Arno Lang aus Biesenthal ist aus "Spaß an der Freude" dabei. "Eine lockere Gruppe. Und wir laufen nicht auf Zeit", zählt der 54-Jährige als Vorzüge auf. Dies macht auch dem regelmäßigen Läufer Norman Böhm (32) aus Eberswalde Spaß. Er trainiert gerade für den Berlin Marathon - und nimmt jede schöne Gelegenheit mit.

Beim Gutenachtlauf wird niemand zurückgelassen. "Die Gruppe läuft so schnell wie ihr langsamstes Mitglied", erklärt Organisator Robert Schmidt. Er setzt sich immer an den Schluss. Bevor es losgeht, wechseln noch ein paar Münzen den Besitzer. Ein Euro kostet die Startgebühr. Das Geld geht an den Tierschutzverein Ariwa. 15 Euro kommen dieses Mal zusammen. Wo es langgeht, wird wie immer demokratisch entschieden. Schnell sind sich alle einig. Gelaufen wird die innerörtliche Bundesstraße B 167 entlang bis zur Schwimmhalle, am Zoo, der Zainhammer-Mühle und dem Forstbotanischen Garten vorbei und zurück zum Marktplatz.

"Der Veganismus verbreitet sich zum Glück gerade", sagt Initiator Mark Hofmann. Ob dies auch in der Waldstadt der Fall ist, bleibt dahingestellt. "Die Stimmung des Gutenachtlaufs war jedenfalls wieder echt schön", sagt der Eberswalder Robert Schmidt am nächsten Tag.

Der nächste Gutenachtlauf findet am 23. März statt. Treffpunkt ist um 21.30 Uhr auf dem Marktplatz vor der Bäckerei Wiese. Weitere Infos unter www.fb.com/gutenachtlauf

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG