Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mörder, EU-Kritiker und Franz Josef Strauß

Geglückte Premiere: Der Münchner Kabarettist Helmut Schleich begeisterte am Freitagabend in der Kulturfabrik.
Geglückte Premiere: Der Münchner Kabarettist Helmut Schleich begeisterte am Freitagabend in der Kulturfabrik. © Foto: Cornelia Link
Cornelia Link / 29.02.2016, 07:13 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Es war eine Premiere für den Münchner in Fürstenwalde und die ist ihm gelungen: Der bayrische Kabarettist Helmut Schleich hat am Freitagabend sein immerhin schon sechstes Soloprogramm "Ehrlich" vor gut 140 Gäste in der Kulturfabrik vorgestellt.

Dunkelheit. Spotlicht. Ein Mann sitzt am Tisch auf der Bühne. Er sinniert über seine Haft und die Beweggründe der Morde, die ihn als "Bestie von Dodlbach" bekannt gemacht haben. Schonungslos rechnet er ab mit dem System und erntet Sympathie. "Ich finde den Einstieg sehr passend, denn ein Unrechtsstaat macht die Runde", sagt Schleich, springt auf und streift sich das rotkarierte Jackett über. "Ehrlichkeit ist ein Minenfeld - und weit und breit kein Räumkommando in Sicht." Die Wahrheit wolle keiner hören, schon gar nicht von Politiker. Stattdessen lasse man sich lieber blenden. Auch von der Wirtschaft und den Banken. Der 48-Jährige, bekannt als Gastgeber seiner Kabarettsendung "SchleichFernsehen" im Bayrischen Fernsehen und ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2013 und Bayrischen Kabarettpreis 2015, bringt im 30. Jahr zielsicher aber auch neue Charaktere aufs Parkett - spielt einen "hochanständigen" Spekulanten, der um das Vertrauen wirbt und überzeugt als Stammtischbruder mit seiner einfachen Sicht auf die Welt.

Schleich wettert gegen Vorurteile, Halbwissen, Dummheit mit messerscharfem Pointen. Mehrfach schlüpft er in die Rolle von Heinrich von Horchen, einst Gesangslehrer von Joopi Heesters, und streift sich dafür weißen Schal und Zylinder über. Als streitbarer Methusalem schimpft über die Demokratie und erklärt die Kulturgeschichte der Spionage. Der Saal tobt. Es folgen Breitseiten gegen die aktuelle EU-Kommission und "Schnapspraline Juncker". "Überall regiert die Lobbyismus"- und viele Gäste nicken.

Nach der Pause dann das Wiedersehen mit Schleichs Parade-Rolle: Er parodiert den großen Franz Josef Strauß mit dicker Brille und in Tracht. "Hier wurde bislang viel zu wenig über die CSU geredet." Strauß rechnet ab mit der bayerischen Selbstherrlichkeit und gibt aber auch Einsichten in seine Gefühlswelt. Das vorrangig ältere Publikum lacht Tränen, beklatscht zum Schluss auch nochmal den Mörder. Viele Gäste lassen sich vom Künstler noch Bücher und DVDs signieren. "Er ist handwerklich toll, auch durch sein vielfältiges Rollenspiel", lobt Kufa-Chef Klaus Oehler. "Man muss schon politisch vorgebildet sein, um sein Programm zu verstehen", sagt Dr. Roswitha Wenzel aus Berlin. Gefallen hat ihr der Abend sehr. Ebenso Heidi Kühn aus Fürstenwalde, die Schleich nur aus dem Fernsehen kannte. "Ich habe viel gelacht, aber der Auftritt hat auch immer wieder zum Nachdenken angeregt."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG