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Was die Stachelbeere dem Maisbauern verrät

Kam von der Freien Universität Berlin nach Fehrbellin: Prof.Dr.Rudolf Staufenbiel erläuterte vor 220 Besuchern Wissenswertes zur Mineralien-Zusammensetzung im Silagefutter.
Kam von der Freien Universität Berlin nach Fehrbellin: Prof.Dr.Rudolf Staufenbiel erläuterte vor 220 Besuchern Wissenswertes zur Mineralien-Zusammensetzung im Silagefutter. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 01.03.2016, 19:18 Uhr
Fehrbellin (MZV) Es ist schon paradox: Der Milchpreis sinkt aufgrund eines Überangebots. Die Tiefe des Preises macht den Bauern zu schaffen. Und doch müssen sie sich überlegen, wie sie die Milchleistung erhöhen. Unter anderem taten sie das am Dienstag bei der Fehrbelliner Rhinmilch GmbH.

Eingeladen hatte die Wuthenower Technologie- und Produktentwicklung GmbH. Zum vierten Mal gab es diese Fachtagung, bei der vor allem der Blickpunkt auf das Futter gelenkt wurde. Gerade Milchvieh bietet Hochleistungserträge durch gute Silageprodukte, also Futterpflanzen - zum Beispiel Gras, Luzerne oder Mais, - die durch die konservierende Silier-Technik über einen langen Zeitraum für die Fütterung bereit gestellt werden kann.

Auch die Rhinmilch füllt damit die Tröge für das Vieh. Deshalb lohne sich immer der Blick auf neuere Entwicklungen in der Technik, sagte Rhinmilch-Chef Hellmuth Riestock. Zwar könne man "die gute Laune verlieren beim Nachdenken darüber, wie wir noch mehr Milch machen", so Riestock mit Blick auf den Milchpreis: derzeit bei 23,75Cent, vor zwei Jahren bei 42Cent je Liter. Doch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelte es, möglichst effizient einen Betrieb zu führen. Wenig Milchleistung pro Kuh könne sich nun erst recht keiner mehr leisten. Tierkrankheiten, schlechtes Futter und Verluste bei der Silage müssen begrenzt werden.

Wie komplex alles zusammenhängt, erläuterte unter anderem Professor Dr. Rudolf Staufenbiel. So haben Fehlstellungen an den Beinen von Tieren mit der ungenügenden Mineralienzusammensetzung im Silagefutter zu tun. Zu wenig Schwefel, zu viel Kalium kann sich auf den Säurehaushalt des Tiers auswirken. Ist es übersäuert, funktioniert die Kalziumaufnahme nicht mehr so gut. Das führt zu Knochenfehlbildungen. Um sie zu vermieden schlug Staufenbiel vor, ständig die Mineralien-Zusammensetzung in der Silage zu überprüfen und gleichzeitig Harnproben der Tiere zu nehmen. Anhand der Ergebnisse müsse der Landwirt die richtige Mischung beim Silagefutter ermitteln.

Besonders lebhaft war der Vortrag von Dr. Reinhard Georg von der RAGT Saaten GmbH in Sachsen-Anhalt. Mit dem Chruschtschow-Zitat "Mais - das ist die Wurst am Stängel" lenkte der Experte den Blick auf die momentan energetischste Kultur- und Silagepflanze. Zucht und Anbaumöglichkeiten sind weit fortgeschritten. Und doch werden noch viele Fehler gemacht, was den Zeitpunkt, die Tiefe und die Abstände bei der Aussaat betrifft, sagt Georg. Immer noch orientieren sich Landwirte zum Beispiel am optimalen Wetter, um die Saat in die Erde zu setzen. Damit verpassen sie oft den wirklich besten Zeitpunkt: Laut Georg muss ausgesät werden, "wenn die Stachelbeere in voller Blüte" steht - nicht früher und nicht später. Sie dient quasi als Indikator für einen bestimmten optimalen Vegetationszeitpunkt. Wer ihn verpasst, riskiert ein Wachstum mit schwachem Ertrag pro Pflanze.

Die Rhinmilch GmbH wird genau hingehört haben. Sie produziert und siliert ihren Futtermais selbst. 1042 der 2724 Hektar werden mit dieser Pflanze bestellt. Siliert wird aber auch Grünfutter, das auf 1533 Hektar geerntet wird. Den Tieren und dem Betrieb bekommt das gut. Wie Agrar-Fachwirt Holk Bellin erläuterte, konnte die jährliche Milchleistung pro Tier kontinuierlich gesteigert werden. 2011 lag der Ertrag noch bei 10679 Liter pro Kuh, im vorigen Jahr erreichte der Betrieb schon einen Wert von 11611. Und jetzt im Februar lag er schon bei mehr als 11700. Die Futteraufbereitung trägt ihren Teil dazu bei - und es ist noch Potenzial nach oben, so Bellin. Der flexiblere Einsatz von Maschinen wie dem Mähaufbereiter sowie Nachsaat und integrierte Düngung könnten noch mehr Ertrag bringen.

Schließlich erläuterte auch Dr.Bernd Pieper, was hochwertige Silage ausmacht. Vor allem beleuchtete er die Prozesse in Bezug auf die Milchsäurebakterien - die die Konservierung der Silage fördern - und den Einsatz von Ameisensäure, um die Silageprozesse in Pflanzen zu optimieren, die als schwer silierbar gelten, wie zum Beispiel Luzernen.

Pieper bewertete die Tagung als Erfolg. "Wir werden das im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder machen", sagte er am Abend. 190 Einladungen hatte seine Firma für den Dienstag verschickt, 220 Gäste kamen am Ende - darunter auch Dänen, Niederländer, Belgier und Türken, die derzeit einen Boom bei der Milchproduktion erleben, weil für sie das Embargo gegen Russland nicht gilt. Pieper will den Fokus künftiger Tagungen auf die hoch komplizierte Silagetechnik belassen: "Wir produzieren in Deutschland zwischen 50und 60Millionen Tonnen Silage jährlich", sagte er. Der Wert solcher Futtermittel liege bei insgesamt zweieinhalb Milliarden Euro. "Wenn man ein paar Stellschrauben verbessert, kann das schon 100Millionen Euro ausmachen", so Pieper. Das sei es wert, mehr als einmal über Leistungsoptimierung bei der Silierung zu sprechen.

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