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Preisverdächtige Hilfe

Im Willkommensraum: May (10, rechts), Raauf (9) und Sulim (6, hinten) bauen mit ihren Paten an der Grünheider Grundschule ihre Deutschkenntnisse aus.
Im Willkommensraum: May (10, rechts), Raauf (9) und Sulim (6, hinten) bauen mit ihren Paten an der Grünheider Grundschule ihre Deutschkenntnisse aus. © Foto: MOZ
Anke Beißer / 03.03.2016, 07:53 Uhr
Grünheide (MOZ) An der Grünheider Grundschule werden derzeit acht Flüchtlingskinder unterrichtet. Dank des Engagements von Förderverein und Unterstützerkreis haben sie Paten an ihrer Seite, die beim Deutsch lernen helfen. Das Projekt wird am Sonnabend mit einem Preis geehrt.

Acht Flüchtlingskinder besuchen derzeit die Gerhart-Hauptmann-Grundschule Grünheide. Wichtigster erster Schritt ist das Erlernen der deutschen Sprache. Das soll ihnen so leicht wie möglich gemacht werden. Sonderpädagogin Silvia Mohrmann hat die Koordination übernommen und federführend ein Konzept für den Förderkurs ausgearbeitet. Bei der alltäglichen Umsetzung kann sie sich auf die Hilfe des Fördervereins und des Unterstützerkreises verlassen. "Integration funktioniert über Sprache und deshalb ist das unser Schwerpunkt", sagt die Lehrerin.

Im sanierten Altbau wurde eigens ein Willkommensraum eingerichtet, durch den eine Leine gezogen ist. An ihr hängen Blätter mit Buchstaben und Bildern als Lernhilfe. Überall kleben Piktogramme, die Gegenstände wie Tisch, Fenster und Regal zeigen und das entsprechende Wort dazu. Am Mittwochvormittag hatten sich drei Paare eingefunden - Lernpatenschaften. Unterstützer und Flüchtlingskinder bilden ein festes Gespann, das mit einander arbeitet. Da ist zum Beispiel May. Die Zehnjährige ist mit ihrem Vater aus Syrien geflohen und lebt derzeit in der Luisenstraße in Altbuchhorst. Das Mädchen ist freundlich, aufgeweckt und sehr wissbegierig. Nach nur sechs Wochen Deutschunterricht fungiert sie schon mal als Dolmetscherin, wenn der neunjährige Raauf am Nachbartisch etwas nicht versteht. Obwohl: "Frau Mohrmann sagt, nicht arabisch reden", erklärt das Mädchen lächelnd. Sie sitzt neben Rudolf Mann, ihrem Paten. Auf dem Computer erscheinen Worte in Deutsch und arabisch, zum Lesen und Hören. Der Kageler hilft, wenn es mit der Aussprache hakt. "May ist mit meiner Tochter Lisa befreundet. Im Spiel lernt sich Deutsch viel leichter." Das bestätigt auch Raauf, der einzelne Worte und Wortgruppen benutzt: "Spielen, Fußball, Pause, gut." Er ist nicht scheu, nennt Ole seinen Freund und strahlt. Helmut Körnich aus Erkner arbeitet mit ihm. Der 63-Jährige kommt jeden Vormittag an die Schule. "Und nachmittags kümmere ich mich um meinen Enkel." Er habe halt Zeit und einen guten Draht zu den Kindern.

Die schwerste Aufgabe im Raum hatte an dem Tag Sonja Koßlick aus Fangschleuse. Ihr Sohn Farin (8) geht in die Flex-Lerngruppe 4, die auch Sulim (6) besucht. Die Verständigung mit dem kleinen Tschetschenen ist sehr kompliziert, weil - keiner wie May im Arabischen - mit dessen Muttersprache aushelfen kann. "Ich sehe es als meine gesellschaftliche Pflicht, zu unterstützen. Wer ein paar Stunden entbehren kann, sollte das tun", sagt Sonja Koßlick. Diese Hilfe schätzt Silvia Mohrmann als sehr wertvoll ein. Schließlich gebe es Phasen im Unterricht, in denen es sinnvoller sei, die Deutschkenntnisse separat auszubauen, als in der Klasse zu verbleiben. Und dafür werden die Ehrenamtler gebraucht.

Am Sonnabend wird in Klein Machnow ein von der Stiftung "Großes Waisenhaus zu Potsdam" und dem Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg e.V. ausgeschriebener und mit 5000 Euro dotierter Förderpreis zum Thema "Willkommenskultur an Schulen und Kitas" übergeben. Fünf Projekte werden mit einer finanziellen Unterstützung bedacht - darunter das Grünheider. "Wir wissen zwar noch nicht, wie viel Geld wir bekommen, wir können es aber allemal gebrauchen", sagt Mann. Weitere Tablets seien eine gute Anschaffung.

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