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Nach internationalen Erfolgen streben die Judoka Johanna Blietz und Thea Gercken auf das nationale Podest

Ein deutscher Meistertitel fehlt ihr noch

März 2016: Training der Judoka an der Frankfurter Sportschule vor der DM U 21: Johanna Blietz (blauer Anzug) wirft Anika Meyer
März 2016: Training der Judoka an der Frankfurter Sportschule vor der DM U 21: Johanna Blietz (blauer Anzug) wirft Anika Meyer © Foto: Birgit Arendt
Birgit Arendt / 03.03.2016, 19:25 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Unter Wettkämpfen sticht der eine oder andere hervor: Deutsche oder Landesmeisterschaft, internationales Meeting, Pokalspiel, der letzte Spieltag einer Serie, der über Auf- oder Abstieg entscheidet. Wie bereiten sich Sportler und ihre Trainer auf diesen Höhepunkt vor. Das erfahren Sie in dieser Serie.

Judo gehört seit Jahrzehnten zu Frankfurt und ist kaum aus dem Stadtbild wegzudenken. Zwar zog der Judo-Club 90 seine Mannschaft aus Bundesliga zurück, doch trainieren in Frankfurt weiterhin Talente. Einige werden am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften der U21 in der Brandenburg-Halle an den Start gehen.

Die Frankfurter Sportschüler, die sich für diese Meisterschaften qualifiziert haben, freuen sich auf das Kämpfen vor heimischem Publikum. Johanna Blietz zum Beispiel. Sie startet in der Klasse bis 70 Kilogramm und hat heimliche Träume. "Ich möchte endlich mal eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften", sagt die Europameisterschafts-Fünfte. Bisher hat das in vielen Jahren noch nie geklappt. Warum eigentlich, fragt man sich da verblüfft. "Ich bin immer so doll aufgeregt, sodass ich nie meine Leistungen voll abrufen konnte", sagt sie mit etwas Traurigkeit im Blick. Johanna Blietz ist damit ein kleines Novum im deutschen Nachwuchsjudo. Sie gewann bereits mehrere Medaillen bei internationalen Turnieren, ohne jemals auf dem Siegertreppchen einer Deutschen Meisterschaft gestanden zu haben.

Auch Thea Gercken, die einstige Jugend-Europameisterin, will punkten. Sie war im vergangenen Jahr Dritte bei den Deutschen Meisterschaften. "Die Klasse bis 63 kg ist sehr stark geworden", gibt sie zu bedenken. "Aber ich habe fleißig trainiert und hoffe, dass ich mich durchsetzen kann und es wieder aufs Siegertreppchen schaffe."

Auch die jungen Männer stehen in den Startlöchern. "Bei den Jungs versuchen wir, uns in der deutschen Spitze zu etablieren", bemerkt Landestrainer Adrian Markov. Wie weit der Weg dorthin ist, kennen die Sportler allzu gut. Emil Kosjanik und Pascal Meyer sind zum Beispiel zwei der hoffnungsvollen Judoka, die am Wochenende Bestleistungen abrufen wollen.

Judo ist eine sehr komplexe Sportart. Natürlich gehört die Ausbildung mit Technik- und Kampftraining zum Hauptteil des Pensums eines Sportlers. Dazu kommt vieles mehr. "Auch physiologisch betrachtet stellt die Sportart Judo höchste Anforderungen. Athletik, Schnellkraft, Ausdauer, Bewegungsfähigkeit und Mobilität des gesamten Körper. Es sind zum Teil sogar gegensätzliche Fähigkeiten, die trainiert werden müssen, um erfolgreich zu sein", sagt Landestrainer Adrian Markov. Wertschätzung, Ehrlichkeit, Respekt und Selbstbeherrschung zu vermitteln, sind ebenso Ziel des Trainings wie Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Mut und Ernsthaftigkeit.

Auch die Regenerationsfähigkeit spiele eine entscheidende Rolle, um immer wieder schnell für den nächsten Kampf zum Teil nur wenige Minuten später fit zu sein. Oder aber, um im nächsten harten Training nach vielleicht nur zwölf Stunden Leistungen abrufen zu können. Dafür absolvieren die Judoka wöchentlich zwischen zehn und 13 Trainingseinheiten und sind damit 18 bis 23 Stunden in der Woche sportlich aktiv. Ein Pensum, was die Sportler neben dem Schulalltag oder auch neben der Ausbildung oder dem Studium absolvieren.

Vor einem Höhepunkt ändert sich dann das Training. "Je näher der Wettkampf kommt, desto geringer werden die Umfänge. Die Sportler trainieren effektiv betrachtet weniger. Pausenzeiten zwischen den Belastungsintervallen werden beispielsweise länger, während die Intensität immer noch hoch ist", erklärt Adrian Markov. "Wichtig ist, dem Körper auch Erholung zu geben, damit der Sportler zum Wettkampf fit ist und hungrig auf die sportliche Herausforderung."

Dabei gibt es viele individuelle Unterschiede. Zum einen gibt es taktische Absprachen, man schaut sich frühere Kämpfe mit möglichen Gegnern an, einige Sportler müssen Gewicht machen und brauchen so eine besondere Zuwendung. Thea Gercken zum Beispiel möchte sich noch einmal einige Feinheiten im Technikrepertoire anschauen und Randoris machen - das ist wettkampfähnliches Training. Zunächst stand in dieser Woche jedoch etwas Technik an. Konkrete Würfe üben, bei denen die Gegnerinnen nur auf die Weichbodenmatten fallen, um jegliches Verletzungsrisiko vor dem großen Wettkampf auszuschließen.

Für den Trainer ist diese Phase eine der schwierigsten im Alltag. "Klassisch ist, dass die Sportler vor dem Wettkampf noch einmal richtig loslegen wollen. Wir müssen sie aber für eine Regeneration des Körpers bremsen. Damit wird eine alltägliche Hochleistungsgewohnheit durchbrochen und das persönliche Wohlgefühl scheint zu leiden. Die Sportler meinen, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil sie zu wenig oder gefühlt nichts tun", macht Markov auf den Widerspruch aufmerksam. Mit Augenzwinkern fasst er zusammen: "Die Kunst des Trainers ist, dem Sportler das Richtige abzufordern, ihm aber gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er das machen kann, was er gerade für richtig hält."

Frankfurt richtet zum zehnten Mal seit 2003 die Deutschen Meisterschaften der Junioren unter 21 Jahren im Judo aus. "Wir hoffen darauf, dass wir auch in diesem Jahr wieder eine hervorragend organisierte Veranstaltung auf die Beine stellen werden und natürlich einige gute Ergebnisse bejubeln können", wünscht sich Landestrainer Benny Biemüller. Die Vorkämpfe beginnen am Sonnabend gegen 9.45, die Endkämpfe um 15.30, am Sonntag um 9 bzw. 15 Uhr.

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