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Im Brandenburgischen Viertel recyclen Bastler Materialien für ein eigenes Brettspiel

Drachenjagd in einer Welt aus Müll

Simon Rayß / 07.03.2016, 06:45 Uhr - Aktualisiert 09.03.2016, 13:33
Eberswalde (MOZ) Im Brandenburgischen Viertel ist eine Welt im Entstehen begriffen. Wege und Bäume, Brücken, Häuser, Kellergewölbe und ihre Bewohner: Menschen, Orks, Goblins, Untote, Drachen, alle winzig klein. Sie bevölkern das Brettspiel, an dem Maik Scholz und seine Mitstreiter im "Zwischenraum H15" basteln.

Seit einem halben Jahr ist der 25-Jährige im Kulturraum in der Havellandstraße 15, der zugleich offene Werkstatt ist, zu Gast. Er hat sich eine Ecke eingerichtet mit Arbeitsflächen, einer Anlage und Postern an den Wänden. Darauf sind Figuren und Schriftzüge aus Spielen wie "Warhammer" zu sehen - einem Mix aus Strategie, Fantasy und Rollenspiel.

Die Variante, nach der die Gruppe um Maik Scholz spielt, nennt sich "Mortheim". Die Spieler ziehen mit zehn bis 15 Figuren übers Brett, ausgemessen mit einem Zollstock. Jede hat ihre eigene Reichweite und Fähigkeiten, die sich von Runde zu Runde weiterentwickeln. Kämpfe werden mit Würfeln ausgefochten. Wenn Könner am Werk sind, wird jeder Durchgang kaum länger als eine Stunde. "Das ist fast wie ein Computerspiel", erklärt Scholz, "nur ohne Computer."

Wobei: Noch wird nicht gespielt. "Momentan gibt es viel zu tun, bevor es losgehen kann", sagt Maik Scholz, der in Liepe geboren, doch mittlerweile in Eberswalde zu Hause ist. "Wir bauen eigentlich alles selbst" - sämtliche Bestandteile des Spiels vom Brett über die verschiebbaren Bauten bis hin zu Einrichtungsgegenstände wie Kaminen und Schatztruhen. "Das ist viel weniger kostenintensiv", erklärt er. Scholz spricht gelassen und doch mit merklichem Enthusiasmus über sein Hobby.

Mittlerweile gehen dem Altenpfleger, der gerade im Bernauer Awo-Heim seine Ausbildung macht, fünf Gleichgesinnte zur Hand: drei Studenten, ein Rettungssanitäter und ein Security-Mann. "Alles Leute, die auch mal Ruhe brauchen", wie Maik Scholz sagt. Die finden sie immer freitags, wenn sich die Gruppen des "Zwischenraums" zum sogenannten "Six to Zero" treffen: zu einem gemeinsamen Werkeln von 18 bis 0 Uhr - genau genommen sogar bis 0.30 Uhr.

Mal kommen mehr, mal weniger Mitglieder der Brettspiel-Gruppe. Einer jedoch ist immer dabei: Maik Scholz. Ein Freund hatte ihn schon längere Zeit bearbeitet, unbedingt einmal mitzukommen, als er im vergangenen August endlich seinen Weg zum "Zwischenraum" findet. "Seitdem bin ich jeden Freitag da", sagt Scholz.

Vorher hatte er so seine Zweifel: Kann das wirklich funktionieren? Wird seine Leidenschaft dort auch akzeptiert? "Das Ganze ist schon ziemlich nerdig", sagt er. Das Wort "Nerd" steht laut Duden für einen "sehr intelligenten, aber sozial isolierten Computerfan". Das trifft nicht wirklich auf Maik Scholz und seine Spielkumpanen zu. Schließlich haben sie über ihr Hobby zusammengefunden. "Wir wenden uns auch an Jugendliche, um die mal vom Computer wegzubekommen", erklärt Scholz.

Ihn selbst hat das Brettspiel-Fieber gepackt, als er mit zwölf an einem Spiele-Laden in Warnemünde vorbeikommen ist. Zwei Jahre später hat er angefangen, sich selbst Welten auszudenken und zu basteln. Damals noch im heimischen Keller. "Mir kommt's vor allem auf den Modellbau-Charakter an", sagt Scholz. Und auf den Recycling-Ansatz. "Eigentlich ist das alles Müll, mit dem wir arbeiten." Altes Styropor, Steine, Sand vom Ostsee-Urlaub. Nach Silvester sammelt er immer die Holzstäbe der Raketen auf, um sie als Balken für seine Bauten zu verwenden. "Die warten nur darauf, dass jemand was Kreatives mit ihnen macht", sagt der Bastler.

So viel Arbeit, so viel Aufwand. Doch mit dem Spielen losgehen soll es erst, wenn das Brett fertig ist - vielleicht im Sommer. "Dann wollen wir es an einem Sonnabend einweihen", kündigt er an, "das soll richtig Eventcharakter haben." Sein Traum ist, dass das Brett und ein Grundstock an Figuren und Ausstattung stets im "Zwischenraum" zur Verfügung steht. "Damit die Leute einfach reinkommen und mit ihren Kumpels zocken können", wie es Maik Scholz ausdrückt.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Wie hält die Truppe nur ihre Motivation aufrecht? Für Scholz kein Problem: "Wenn man sich runterbeugt aufs Spielbrett und den Figuren über die Schulter schaut, dann sieht das einfach geil aus", sagt er. "Da hat sich die ganze Arbeit dann gelohnt."

Scholz und seine Kollegen suchen Mitstreiter. Kontakt per Telefon 0151 22278397. Neugierige können sich auch freitags, 18 bis 0.30 Uhr, ein Bild von der Arbeit in der Havellandstraße 15 machen.

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