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Uni trauert um Helga Schultz

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Dietrich Schröder / 08.03.2016, 09:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die langjährige Viadrina-Professorin Helga Schultz ist tot. Dass die Wissenschaftlerin am Wochenende im Alter von 75 Jahren gestorben ist, teilte die Universität am Montag in tiefer Trauer mit.

Die aus Schwerin stammende Forscherin gehörte zur Gründergeneration an der vor 25 Jahren neu entstandenen Europa-Universität. Von 1993 bis 2006 leitete sie den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit. Oft brachte sie ihre Freude zum Ausdruck, dass sie zu jener Handvoll ehemaliger DDR-Wissenschaftler gehörte, die - neben vielen Kollegen aus den alten Bundesländern und zunächst zwei Polen - in Frankfurt (Oder) am Aufbau der neuen Universität beteiligt waren. Gleichzeitig bedauerte sie, dass vielen ihrer ehemaligen Kollegen an der Akademie der Wissenschaften der DDR, an der sie bis 1991 tätig war, die weitere Karriere im vereinten Deutschland verbaut war.

"Frau Professor Schultz hatte ein Gespür und ein riesiges Engagement für die wichtigen Themen hier an der Grenze." Das sagt Dagmara Jajesniak-Quast, die als eine der ersten polnischen Studierenden ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl von Schultz verfasst hat. Darin ging es um den Vergleich der Industriestädte Eisenhüttenstadt, Nowa Huta in Polen und Ostrava-Kunice in Tschechien.

"Wir sprachen mit Arbeitern im EKO und in Polen, führten mit Frau Schultz aber auch Exkursionen durch ganz Ost-Mitteleuropa durch. Zugleich stand sie mit der IHK Ostbrandenburg und der Handwerkskammer Frankfurt im Kontakt", berichtet Jajesniak-Quast begeistert. Sie selbst leitet heute - nach mehreren Stationen an anderen Hochschulen - als Professorin das Institut für interdisziplinäre Polenstudien der Viadrina.

Für Schultz war auch die Frage von entscheidender Bedeutung, weshalb es zwischen der DDR, der Volksrepublik Polen und den anderen "Bruderländern" im Sozialismus an Verständigung und Kenntnissen mangelte. In der von ihr begründeten Schriftenreihe "Frankfurter Studien zur Grenzregion", die noch heute unter einem etwas anderen Titel existiert, stellte sie sich diesem Komplex besonders.

2004 organisierte sie gemeinsam mit ihrem zwar in Dresden geborenen, aber in der alten Bundesrepublik aufgewachsenen Kollegen Hans-Jürgen Wagener die Vorlesungsreihe "Die DDR im Abstand von 15 Jahren". Diese wurde zur meist besuchten öffentlichen Montagsvorlesungs-Reihe an der Viadrina. Ein Format, dass es seit einigen Jahren leider nicht mehr gibt.

"Helga Schultz hat unseren heutigen Forschungsschwerpunkt B/Orders in motion mit inspiriert", ist Dagmara Jajesniak-Quast überzeugt. Wenige Wochen vor Schultz' Tod sei deren letzter Essay mit dem Titel "Neoliberalismus und Neue Linke" im Berliner Wissenschaftsverlag erschienen. In das Gedenken für die Verstorbene mischt sich eine fast schon sehnsüchtige Erinnerung an den Spirit der Anfangsjahre an der Viadrina.

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