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Neue Schwerpunkte bei Visitationen

Problemschulen rücken in den Fokus

Mathias Hausding / 10.03.2016, 20:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit zehn Jahren werden Brandenburger Schulen Qualitäts-Checks unterzogen. Der zweite Durchgang dieser Visitationen endet im Sommer. Ab dem kommenden Schuljahr startet dann eine neue Runde - mit inhaltlichen und organisatorischen Veränderungen.

Nicht überall stoßen die Besuche auf Begeisterung. Vor einem Jahr machten Lehrer in einer Anhörung vor dem Bildungsausschuss des Kreistags Oder-Spree ihrem Ärger Luft: Reine Beschäftigungstherapie sei diese Zensurenvergabe. Die Visitationen würden Stress verursachen und viel Zeit kosten. Eine Grundschulpädagogin hielt dagegen: "Wir haben bei den Visitationen immer viel dazu gelernt." Sie seien wichtig, um das Klima zwischen Schule und Eltern zu verbessern.

Vermutlich haben beide Seiten Recht. Das Bildungsministerium hat sich dafür entschieden, an den Tests festzuhalten, aber neue Schwerpunkte zu setzen. So sollen die Besuche früher angekündigt werden, nicht wie bisher lediglich drei Wochen vor dem Termin.

"Dadurch soll die Visitation für die Schulen planbarer werden und notwendige Vorbereitungen erleichtert werden", erklärt Ministeriumssprecher Florian Engels. Den Einrichtungen wolle man Zeit lassen, "selbst gesetzte Meilensteine ihrer eigenen Entwicklungsvorhaben in dieser Vorbereitungszeit umzusetzen". Ziel sei "die Auseinandersetzung der Schule mit ihrem Entwicklungsstand".

Eine weitere Neuerung ist, dass künftig nicht erneut alle Schulen evaluiert werden, sondern nur jene, bei denen "fachliche Dringlichkeit" bestehe. Im Klartext: Schulen, die schon zweimal beste Ergebnisse hatten, fallen aus dem üblichen Fünfjahrestakt und werden erst deutlich später erneut besucht. "Umgekehrt werden in Abstimmung mit der Schulaufsicht Schulen mit weniger guten Ergebnissen oder einem verbesserungswürdigen Entwicklungsstand in kürzeren Abständen untersucht", betont der Ministeriumssprecher. Darüber hinaus könnten Schulen künftig selbst eine Visitation bestellen und damit über den Termin mitbestimmen.

Inhaltlich verspricht das Ministerium eine Straffung. "Weniger Breite, dafür mehr Tiefe", sagt Engels. Fünf sogenannte Basismerkmale sollen untersucht werden, darunter die Themen individuelle Förderung, Schulmanagement und Qualitätsentwicklung, darüber hinaus soll die jeweilige Schulkonferenz vor Ort fünf weitere Testfelder auswählen, also etwa die Themen Schulleben, Professionalität der Lehrkräfte oder Medienbildung.

Der Landeselternrat begrüßt, dass sich die Tester künftig vorrangig um "Problemschulen" kümmern. "Man sollte sich auf die konzentrieren, die es offensichtlich nötig haben", findet Sprecher Wolfgang Seelbach. Er fordert jedoch Mitspracherecht für die Elternschaft. Der Schulkonferenz solle die Möglichkeit eingeräumt werden, eine Visitation zu beantragen. "Denn Eltern und Schulleitung haben unterschiedliche Perspektiven bei der Beurteilung der Qualität ihrer Schule."

Positiv sieht Seelbach, dass künftig "nicht nur analysiert, sondern auch beraten werden soll". Dass es in der Vergangenheit nur einen schriftlichen Bericht mit Präsentation gab, aber keine Verbesserungsvorschläge, sei bei Eltern immer wieder auf Unverständnis gestoßen. (Mit Adleraugen)

www.bildung-brandenburg.de/schulportraets

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