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Drei Kommunen mit unterschiedlichen Problemen

Die Podiumsdiskussion des Unternehmerverbandes BMH zum gemeinsamen Wirtschaftsraum Bernau-Panketal-Biesenthal stieß auf großes Interesse.
Die Podiumsdiskussion des Unternehmerverbandes BMH zum gemeinsamen Wirtschaftsraum Bernau-Panketal-Biesenthal stieß auf großes Interesse. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 17.03.2016, 07:50 Uhr
Bernau (MOZ) Die eisigen Zeiten zwischen der Stadt Bernau und ihrer Nachbargemeinde Panketal scheinen vorbei zu sein. Diesen Eindruck gewannen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, die das Barnimer Mittelstandshaus (BMH) am Dienstagabend im "Ofenhaus" zum gemeinsamen Wirtschaftsraum Bernau-Panketal-Biesenthal veranstaltete.

Bernaus Bürgermeister André Stahl (Linke), sein Amtskollege aus Panketal, Rainer Fornell (SPD), und der Amtsdirektor von Biesenthal-Barnim, André Nedlin (parteilos), verstehen sich gut auf der Bühne. Ihre Positionen sind nicht sehr weit voneinander entfernt, zumeist sogar gleich. Dass es sich bei Bernau, Panketal und Biesenthal um einen Wirtschaftsraum handelt, den es gemeinsam zu entwickeln gilt, darin sind sich die drei Männer von Anfang an einig. Die Frage ist nur, in welche Richtung soll er sich entwickeln?

Für Bernau hat André Stahl sehr klare Vorstellungen. Wirtschaftsförderung, das bedeutet für ihn neben der Beförderung von Ansiedlungen durch schnelle Entscheidungen der Verwaltung und der Stärkung der sechs kommunalen Unternehmen auch die Ausweisung neuer Gewerbeflächen. A und O dabei sei die Autobahnanbindung. Wenn es, wie beim Gewerbegebiet an der Albertshofer Chaussee, keine gebe, sei die Nachfrage durch Unternehmen gleich Null, weiß Stahl. "Wir werden nur noch Flächen mit Autobahnanschluss als Gewerbegebiete ausweisen", steht für ihn fest. Dies sei beispielsweise an der Schwanebecker Chaussee in Richtung A11-Anschlusstelle Bernau-Süd möglich. Sein Ziel ist es, "Bernau nicht nur als Wohn-, sondern auch wieder als Arbeitsort interessant zu machen". Das wiederum habe zur Folge, dass die S-Bahn-Haltepunkte an den Öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen und die Vernetzung zwischen den Kommunen stärker betrieben werden müssten. Bernau werde eine Art Generalverkehrsplan entwickeln, kündigt das Stadtoberhaupt an.

"Biesenthal und Panketal sind die Satelliten um Bernau herum", sagt Panketals Bürgermeister Rainer Fornell. Doch was seine Gemeinde angehe, sei es immer noch so, dass sich täglich 7800 Pendler in Richtung Berlin und eben nicht nach Bernau bewegen. "Wir müssen den 20500 Einwohnern in Panketal deutlich machen, neben ihnen liegt nicht nur die Stadt Bernau, sondern das Mittelzentrum Bernau".

Anders als sein Amtskollege Stahl und die Mehrheit der Stadtverordneten wollen Fornell und dessen Gemeindevertreter in Panketal "das Wachstum begrenzen!. "Wir wollen keine weiteren Baugebiete. Wir haben eine totale Monostruktur an Einfamilienhäusern und ein absolutes Defizit an Mietwochnungsbau", schildert der Sozialdemokrat die Situation. Panketal befinde sich in einem Spannungsfeld: "Auf der einen Seite wollen wir keine weiteren Baugebiete ausweisen, auf der anderen Seite haben wir eine eindimensionale Siedlungsstruktur mit 85 Prozent Ein- und Zweifamilienhäusern. Panketal ist eine Einfamilienhaussiedlung - mehr nicht", bedauert Fornell. "Bernau hat einen guten Mix. Panketal hat ihn nicht. Aber die Verkehrsprobleme haben wir genauso wie Bernau".

Die Gemeinden des Amtes Biesenthal-Barnim haben andere Probleme. Dem Amt wird von der Landesplanung vorausgesagt, dass es bis 2030 nur noch 10800 Einwohner haben wird. Derzeit sind es rund 12000. Im Gegensatz dazu wird sich der Anteil der Älteren (65 Jahre und älter) um 52 Prozent erhöhen - auf 1300. "Das hat Auswirkungen auf die medizinische Betreuung, auf die Wohnverhältnisse, auf den Dienstleistungsbereich", prophezeit Amtsdirektor André Nedlin. Vom Land sind Biesenthal und die Dörfer dem Mittelbereich Eberswalde zugeschlagen. In der Praxis erfolge die Orientierung der Menschen genau in die Gegenrichtung, sagt Nedlin: "nach Bernau". Dort gingen die Kinder in die weiterführenden Schulen und in Vereine, dort nutzen die Erwachsenen die medizinischen Einrichtungen, gingen einkaufen oder besuchten kulturelle Veranstaltungen. "Ich kann's nur begrüßen, wenn Bernau und Panketal Biesenthal mit einbeziehen", stellt André Nedlin fest - vor allem hinsichtlich der Verkehrsverbindungen.

Fornell gefällt sich in der Rolle des Vordenkers: "Eleganter wäre es, die Entwicklung zu bremsen, statt darauf zu reagieren", findet er. Seine Vision: "In 20 Jahren gibt es weniger Pendler, weil die Arbeit zu den Menschen gekommen ist oder diese in Home-Office tätig sind." Moderator Manfred Hübler widerspricht: "Eine Entwicklung bremst man nicht. Man kann sie höchstens beeinflussen", wirft er ein. "Die Pendlerströme werden größer werden", sagt er voraus.

"Die Beamten-Pendler nach Berlin werden immer bleiben", ist auch André Stahl überzeugt. Aber den Dienstleistungs- und Gesundheitssektor, Handel und Versorgung auszubauen und damit mehr Arbeitsplätze anzubieten - und das als eine Gesamtregion mit etwa 100000 Einwohnern, das würde allen zu Gute kommen, ist er sich sicher. Bernau habe sich zum Wachstum bekannt, "aber wir müssen auch die Infrastruktur im Auge haben und Augenmaß bewahren", sagt Stahl.

"Schnelles Wachstum schafft Spannung und Konflikte", entgegnet der Panketaler Rainer Fornell. Er jedenfalls wolle nicht mehr die planungsrechtlichen Bedingungen dafür schaffen, dass sich die Gesellschaft weiter teilt. "In Panketal haben sich soziale Gruppen selektiert. Das ist nicht gut!", bewertet er die Situation.

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Axel Huckstorf 18.03.2016 - 07:14:12

Keine Baugebiete mehr in Panketal

Was man heute in der MOZ zu einem Bauvorhaben auf einer derzeit noch als Bungalowsiedlung genutzten Fläche in Röntgental (Zepernick) - in unmittelbarer Nähe zu einem Naturschutzgebiet! - lesen muss, lassen die Worte Fornells wie Hohn erscheinen. Von wegen Wachstum begrenzen und keine neuen Baugebiete mehr ausweisen! Mit dieser Art von Projekten entwickelt sich Panketal immer mehr zu einer Betonwüste. Der Grund, weswegen viele Menschen einst in die Gemeinde gezogen sind - nämlich das viele Grün, der sog. gartenstädtische Charakter -, entfällt langsam aber sicher.

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