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Kaffeebecher wird im LKW zum Geschoss

Im Überschlagssimulator: Jürgen Schöbel (l.) gibt dem Kraftfahrer und Feuerwehrmann Bernd Piechotka Hinweise.
Im Überschlagssimulator: Jürgen Schöbel (l.) gibt dem Kraftfahrer und Feuerwehrmann Bernd Piechotka Hinweise. © Foto: Irina Voigt/MOZ
Irina Voigt / 20.03.2016, 06:55 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Simulierte Gefahrensituationen konnten Kraftfahrer bei einer Verkehrskontrolle auf der Autobahn erleben. In anderen Fällen gng es um aggressive Fahrweisen, Sicherheitsgurte und Telefonieren am Steuer.

Nach drei Stunden auf dem Rüdersdorfer Autobahnparkplatz Kalkberge hatten am Donnerstag bereits 25 Lkw-Fahrer am eigenen Leib ausprobieren dürfen, wie es ist, wenn sich das Fahrzeug überschlägt, oder welche Kräfte wirken, wenn man zu dicht auffährt und der Vorausfahrende auf die Bremse steigt.

Auf der A 10 sind täglich 6000 bis 7000 Lkw unterwegs. In der Unfallstatistik der Polizeidirektion Ost rangieren Verkehrsunfälle mit Lkw-Beteiligung ganz vorn. In den meisten Fällen sind sie mit schwerwiegenden Folgen verbunden. Das zeigen die im vergangenen Jahr 3216 registrierten Unfälle, bei denen 364 Menschen verletzt und 21 Personen getötet wurden. Der prozentuale Anteil der von Lkw-Fahrern selbst verursachten Unfälle liegt bei über 72 Prozent. Zu den häufigsten Ursachen gehörten zu geringer Sicherheitsabstand und Unaufmerksamkeit. Und genau da setzt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat in Zusammenhang mit aktiven Verkehrskontrollen an.

Bernd Piechotka sitzt am Steuer eines Zwölftonners. Er kam aus Wülknitz und hörte von der großen Verkehrskontrolle auf der A 10. Er fuhr mitten hinein. "An meinem Auto ist aber alles okay", sagt er und nutzt die gebotene Möglichkeit, sich in den Überschlagssimulator zu setzen.

Denn die Gefahren lauern nicht nur auf der Straße, sondern auch im "Wohnzimmer des Lkw-Fahrers" - der Fahrerkabine. Naturgemäß lägen hier allerlei Gegenstände herum: Brotbüchsen, Laptops, Ordner, sogar geöffnete Thermoskannen. "Bei einem Crash werden diese Dinge zu Geschossen", weiß Polizeioberkommissarin Petra Schlatter, die die Aktion begleitet.

Nach ein paar Überschlägen in der Fahrerkabine ist Bernd Piechotka dann doch etwas mulmig zumute. "Achterbahnfahren ist nichts dagegen", sagt der gestandene Feuerwehrmann, der sich über die vorher unvorstellbaren Kräfte wundert, die plötzlich auf den Körper einwirken. "Ich hab schon etliche Kraftfahrer mit dem Scherenspreizer aus einem zerquetschten Fahrerhaus rausschneiden müssen", sagt er angesichts der Erfahrung mit neuem Wissen.

"Es kommen recht oft Feuerwehrleute ganz freiwillig zu uns an die Kontrollstellen, um solche speziellen Erfahrungen zu sammeln", hat Jürgen Schöbel vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DRV) festgestellt. Da es nur noch in Frankreich einen solchen Original-großen Überschlagssimulator gebe, seien er und seine Mitarbeiter des Deutschen Verkehrssicherheitsrates rund ums Jahr in ganz Deutschland und angrenzenden Ländern unterwegs.

Eine häufige Unfallursache ist auch das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes. An einem Fahrsimulator demonstriert Andreas Hecker vom DRV was passiert, wenn man den Abstand nicht einhält. Eindrucksvoll ist alles ablesbar - Reaktionszeiten, Abstandsverringerung, Kräfte, die wirken. Und noch bei einem Tempo von 22 km/h kommt das Fahrzeug aufgrund des Bremsweges von 83,4 Metern nicht mehr rechtzeitig zum Stehen und alles ist vorbei, wie der Proband überrascht und beeindruckt feststellen muss.

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