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Im Alter fit am Lenkrad

Seit Langem am Steuer: Der 80-jährige Peter Düntzsch (links) ist ein erfahrener Fahrer. In einer Runde durch Bad Freienwalde überprüft Fahrlehrer Patrick Heuser, ob seine Fahrtauglichkeit noch ausreicht.
Seit Langem am Steuer: Der 80-jährige Peter Düntzsch (links) ist ein erfahrener Fahrer. In einer Runde durch Bad Freienwalde überprüft Fahrlehrer Patrick Heuser, ob seine Fahrtauglichkeit noch ausreicht. © Foto: MOZ/Birte Förster
Birte Förster / 22.03.2016, 20:35 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Immer wieder passieren Unfälle, da ältere Menschen in hohem Alter Auto fahren, obwohl sie nicht mehr fahrtauglich sind. Der 80-jährige Peter Düntzsch nahm daher in der Fahrschule König in Bad Freienwalde eine Fahrstunde, um zu testen, wie sicher er noch unterwegs ist.

Es ist für beide irgendwie eine neue Situation: Fahrlehrer Patrick Heuser muss bei dieser Rundfahrt auf Bremse und Gaspedal auf dem Beifahrersitz verzichten und Peter Düntzsch wird trotz vieler Jahre Fahrerfahrung plötzlich vorgegeben, wo es lang geht. Peter Düntzsch ist noch immer täglich mit dem Auto unterwegs. Seit 54 Jahren hat er seinen Führerschein. Er fühle sich dabei noch immer sicher. "Ich fahre gern Auto", sagt er. Dennoch: Immer wieder habe er in der Zeitung von älteren Menschen gelesen, die in Unfälle verwickelt seien und wie wichtig es ist, ab einem bestimmten Alter die Fahrtauglichkeit zu testen. Zum Geburtstag schenkten ihm seine beiden Söhne daher eine Fahrstunde bei Fahrlehrer Patrick Heuser.

Vom Parkplatz in der Tornower Straße in Bad Freienwalde aus geht es los. Statt mit dem Fahrschulauto auf Touren zu gehen, steigt Fahrlehrer Patrick Heuser ausnahmsweise bei seinem Schüler ins Auto. "Der Führerschein ist ja vorhanden", sagt der Fahrlehrer. Sonst sei der Stress außerdem zu groß, wenn er sein Können in einem fremden Auto beweisen müsse. Als alle bequem sitzen und angeschnallt sind, startet Peter Düntzsch den Motor. Die Fahrt führt durch die Tornower Straße, auf die B158 stadtauswärts und wieder zurück nach Bad Freienwalde. "Und jetzt durch die Stadt durch?", fragt Peter Düntzsch. "Lassen Sie sich überraschen", antwortet der Fahrlehrer, der die Route nicht allzu vorhersehbar gestalten will. Statt direkt in die Karl-Marx-Straße gibt Patrick Heuser vor, den Weg nach rechts in den Schamottering einzuschlagen. "Hier war ich noch nie", stellt Peter Düntzsch fest. Patrick Heuser freut sich, dass sein Schüler so auch nochmal für ihn neue Gebiete kennenlernt.

Danach geht es über die Königstraße bis ins Kurviertel und es folgt eine Übung bei der besonders viel Konzentration gefordert ist: das Einparken. Für manch einen Fahranfänger wäre es eine knifflige Angelegenheit, Peter Düntzsch meistert es gekonnt. Die Fahrt kann weitergehen. Und nochmal lässt Patrick Heuser seinen erfahrenen Schüler in eine Parklücke einfahren - diesmal auf dem großen Parkplatz eines Supermarkts. Peter Düntzsch parkt etwas ab vom Schuss in einem Bereich, in dem kaum andere Autos stehen. "Wenn man verschiedene Situationen meidet, kann es übertrieben sein, aber auch prophylaktisch gut", ist der Fahrlehrer überzeugt. So meiden einige irgendwann die Autobahn oder verzichten auf Autofahrten bei Nacht. Es sei völlig okay, ab einem bestimmten Alter Dinge aus Sicherheit anders zu machen, findet er.

Am Ende der Stunde gibt er seinem Schüler nur einen Tipp: die Kopflehne höher zu stellen. Es sei wichtig, wenn er bei einer starken Bremsung mit dem Kopf hinten anstößt, erklärt Patrick Heuser. Das Ergebnis der Fahrstunde ist ansonsten eindeutig: "Hervorragend", lobt ihn sein Lehrer. Trotz seiner 80 Jahre ist Peter Düntzsch noch fit am Lenkrad. Aber das müsse nicht für jeden gelten, weiß der Fahrlehrer aus Erfahrung. "Jeder ist von der Verfassung her unterschiedlich", sagt er. Daher müsse auch jeder selbst entscheiden, ob der richtige Zeitpunkt, seine Fahrtüchtigkeit zu überprüfen mit 70, 75 oder etwa 80 Jahren gekommen sei. "Es ist eine freiwillige Sache und hat mit Eigenverantwortung zu tun", so Heuser.

Aber die Fahrstunde für Senioren lohnt sich. "Viele schätzen sich anders ein", sagt Patrick Heuser. Und für enge Verwandte sei es oft nicht leicht, dem Betroffenen zu sagen, dass er seinen Führerschein besser abgeben sollte. Schließlich bedeute es ein Stück Unabhängigkeit, mobil zu sein. "Daher ist es gut, eine Beurteilung von außen von einem Fahrlehrer zu bekommen", sagt er. "Ältere Menschen sollten sich also überlegen, diesen Schritt zu gehen."

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