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MDR erinnert mit Augenzeugenberichten am Originalschauplatz an Zugunglück 1977 in der Oderstadt

Die Lebensretter von Lebus

Voller Einsatz der Komparsen: Helfer aus dem DRK-Kreisverband Märkisch-Oderland Ost und Feuerwehrleute aus Lebus und Podelzig stellten am Mittwochnachmittag vorm Lebuser Kulturhaus nach, wie die Bergung und Rettung der Verletzten ablief.
Voller Einsatz der Komparsen: Helfer aus dem DRK-Kreisverband Märkisch-Oderland Ost und Feuerwehrleute aus Lebus und Podelzig stellten am Mittwochnachmittag vorm Lebuser Kulturhaus nach, wie die Bergung und Rettung der Verletzten ablief. © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 23.03.2016, 19:53 Uhr
Lebus (MOZ) Die Oderstadt war am Mittwoch Filmkulisse: Ein Leipziger Fernsehteam hat im Auftrag des MDR für die Sendereihe "Lebensretter" einen Bericht über das Zugunglück am 26. Juni 1977 in der Stadt gedreht. Augenzeugen berichteten und Freiwillige aus dem Seelower DRK und der Lebuser Feuerwehr gestalteten Ereignisse nach.

"Das war der schlimmste Tag in meinem Leben", sagt Ferdinand Pfeiffer (78). Die Erinnerung treibt dem Lebuser die Tränen in die Augen. Die Bilder von damals vergisst er wohl nie. Zum Beispiel das Bild des Brautpaars, das unmittelbar nach der Hochzeit mit dem Unglückszug auf die Fahrt in die Flitterwochen an die Ostsee gegangen war und in jener Nacht in Lebus gestorben ist.

Pfeiffer war einer der Augenzeugen, die Autor Michael Erler und die Kameraleute Stefan Wachner und Sandro Sauer am Mittwoch interviewt haben. Als erster war Paul Zander (80) dran. Er wohnt noch heute an der Unglücksstelle, war damals als erster Helfer vor Ort: Seine Frau Gisela und er waren, wie viele Lebuser, durch den Aufprall-Knall und das darauf folgende explosionsartige Zischen des aus der Lokomotive ausgestoßenen Dampfes aus dem Schlaf gerissen worden. In Schlafanzug und Schlappen stürzte Zander aus dem Haus und machte sich in den Zügen auf die Suche nach Überlebenden. Seine Frau holte den Verbandskasten und begann, die aus dem Zug kriechenden Verletzten zu versorgen.

Das Grauen hat sich den Augenzeugen tief eingeprägt. "Ganz oben, wo sich die beiden Züge hochgeschoben hatten, waren eine Frau und ihre Tochter eingeklemmt, beide tot", erinnert sich Dieter Glasnapp. Der 76-jährige damalige Transportpolizist war am Mittwoch aus Großlindow nach Lebus gekommen, nachdem er vom Filmdreh erfahren hatte. Seine jungen Kollegen seien damals "reihenweise umgekippt", sagt Glasnapp.

Ex-Volkspolizist Dieter Zingel sieht die Schaffnerin noch vor sich, die er damals auf seinem Weg von Zuhause zur Unglücksstelle, vor einem Signalkasten kniend, antraf. Sie habe ihn gefragt. "Wo sind wir hier eigentlich?" Als sie "Lebus" hörte, habe die unter Schock stehende Bahnerin erklärt: "Da wollten wir doch gar nicht hin!", berichtet der Lebuser, der damals spontan die Koordinierung der Hilfe übernommen hatte, bis die Verstärkung eintraf.

Das Fernsehteam der Saxonia Entertainment GmbH hatte am Mittwochmorgen bereits am Booßener Bahnhof gedreht, wo das Unglück seinen Anfang nahm. Nach den Interviews und Aufnahmen am Unglücksort in der Straße Am Bahnhof kam am späten Nachmittag das große Finale: Am Lebuser Kulturhaus wurde die Bergung und Versorgung beim Unglück Verletzter nachgestellt. Das Fernsehteam hatte dafür freiwillige Helfer aus der Region gewonnen.

Cordula Töpfer, die Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oderland Ost, war mit 20 Frauen und Männern aus Seelow nach Lebus gekommen. "Einige Kollegen aus dem Rettungsdienst und Ausbilder haben sich bereit erklärt, mitzumachen. Das ist ja schon interessant", erklärte sie. Ausbilder Mario Garbrecht schlüpfte zum Beispiel in einen Arztkittel und die Rolle des Lebuser Arztes Dr. Hoffmann, seine Kollegin Heike Naumann mimte eine Lebuser Hausfrau in Kittelschütze, die half. In die Rollen der rettenden Feuerwehrleute von damals schlüpften sechs Mannen der Lebuser und drei der Podelziger Feuerwehr.

Die Lebuser Geschichte wird an einem Donnerstag im Mai, 20.15 Uhr, in der MDR-Staffel "Lebensretter" mit dem Untertitel "Urlaubsunglücke in der DDR" ausgestrahlt

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