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Erika und Manfred Teichmann sind seit 65 Jahren verheiratet / Karfreitag feiern sie eiserne Hochzeit

20 Kilometer für einen Kuss

Liebe: Erika und Manfred Teichmann zeigen eine Aufnahme von ihrer silbernen Hochzeit. Sie haben jedes Jubiläum gebührend gefeiert und ein Foto von sich gemacht, das in einem kleinen Album klebt. Nur zum Ja-Wort hatten sie keine Kamera.
Liebe: Erika und Manfred Teichmann zeigen eine Aufnahme von ihrer silbernen Hochzeit. Sie haben jedes Jubiläum gebührend gefeiert und ein Foto von sich gemacht, das in einem kleinen Album klebt. Nur zum Ja-Wort hatten sie keine Kamera. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 25.03.2016, 05:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Fast ein ganzes Leben haben sie miteinander verbracht: Erika und Manfred Teichmann. Am Karfreitag feiern sie nach 65 Ehejahren eiserne Hochzeit. Die 84-Jährigen lieben große Urlaube und rauschende Feste. Noch einmal reisen können, das wärs.

Über dem Sofa schleicht ein Weißer Tiger durchs hohe Gras, weiter vorn befindet sich ein prächtiger Strauch voller lilafarbener Blüten. "Nicht schlecht oder? Ich habe das Foto im Tierpark auf Teneriffa mit einer einfachen Kamera aufgenommen", sagt Manfred Teichmann. Teneriffa - die Kanarische Insel ist für Erika und Manfred Teichmann das Paradies. Nachdem Erika Teichmann im vergangenen Jahr schwer erkrankte, ist das Paradies unerreichbar geworden. "Wenigstens haben wir unsere Erinnerungen", sagt sie. An denen halten sich die beiden 84-Jährigen fest. Wenn sie über den Urlaub sprechen - allein auf Teneriffa waren sie zehn Mal, immer im selben Hotel in Santa Cruz - huscht ein Lächeln über ihre Gesichter. Einen Moment lang sind die Sorgen und Nöte der Gegenwart verflogen und es ist alles hell. "Einfach herrlich waren die Reisen", sagt Manfred Teichmann. Darauf arbeiteten sie das ganze Jahr hin. "Dann sitzt du im Flugzeug und bist plötzlich wer. Im Urlaub liegt dir die Welt zu Füßen", schwärmt er. "Wir haben oft Fernweh", sagen beide.

Strandspaziergänge, Flanieren durch fremde Gassen, frischer Fisch. Die schönsten Zeiten ihres Lebens liegen auf CDs gebannt unter dem Fernseher. "Wenn mal nichts Gutes läuft, gucken wir uns die Videos an", sagt er.

Die Teichmanns haben sich vor 65 Jahren mit 19 bei einem Maskenball kennengelernt. Sie - Eberswalderin - hatte sich ihr Kostüm selbst genäht. Rote Herzen auf schwarzem Rock. Er in Alltagskleidung. Um zur Feier zu kommen, lief sie fast 20 Kilometer immer am Finowkanal entlang nach Marienwerder. Er - eigentlich Berliner, wegen der zerbombten Hauptstadt jedoch in den Ort gezogen - freute sich über die vielen unbekannten Mädels aus der Nachbarstadt. "Ich habe Erika gesehen und es hat gefunkt", erinnert er sich. Doch sie machte es ihm nicht leicht. Sie war umringt von Verehrern, erzählt er. Und sie sagt: "Ich habe ihn anfangs nicht so wahrgenommen." Doch er entpuppte sich als Gentleman. "Er brachte mich die ganze Strecke zu Fuß nach Hause." Für einen Kuss fast 20 Kilometer laufen - wer tut so etwas heute noch für seinen Schwarm? Keiner, sind sich die Teichmanns sicher.

In Kontakt zu bleiben, war damals schwer. "Erika hatte kein Telefon." Und es fuhren selten Züge. So besuchter er sie mit dem Fahrrad. Zusammen mit seinem Cousin. Die beiden Jungs teilten sich das Rad. Jeder fuhr die halbe Strecke. "Wenn sie da waren, pfiffen sie", sagt sie. Die Beziehung war nicht immer leicht. Er arbeitete zunächst als Grenzpolizist in Letschin. Das Paar führte eine Fernbeziehung. "Wir haben uns Briefe geschrieben und sahen uns, wenn ich dienstfrei hatte", sagt er

Die Hochzeit fand aus pragmatischen Gründen statt. "Ich zog zu Manfred nach Marienwerder. Sein Vater meinte, dann sollten wir auch heiraten", sagt sie. Zwar war der Anlass nicht besonders romantisch. Doch das Paar liebt sich sehr. Wer hält es sonst 65 Jahre miteinander aus? Während des Gesprächs nennt er sie "Schätzchen" und "meine Kleene". Als er sie in den Arm nimmt, sieht man ihr an, wie glücklich sie das macht.

Die Hochzeit feierten sie im kleinsten Kreis. Einen Großteil ihres Lebens haben sie in Eberswalde verbracht. Dort bekamen sie ihre zwei Kinder Detlef und Evelyn. Erika Teichmann arbeitete im Hort, ihr Mann als Facharbeiter im Walzwerk Finow, später als Kreissportlehrer beim Deutschen Turn- und Sportbund. Außerdem war er als Kampfrichter in der ganzen DDR unterwegs. Ihre Hochzeitsjubiläen aber feierten sie richtig. Die Silberne in einem Hotel in Oberhof in Thüringen, die Diamantene im Café am Weidendamm.

Bei Schwierigkeiten sind sie füreinander da. Seitdem sie sich schonen muss, schmeißt er den Haushalt. Bald müssen sie von ihrer geliebten Wohnung im Brandenburgischen Viertel in eine seniorengerechte Wohnung in die Innenstadt ziehen. "Für die Hilfe seit der Erkrankung bedanken wir uns bei den Mitarbeitern der Station 10 im Werner-Forßmann-Krankenhaus, bei unserer Nachbarin Frau Jordan und unseren beiden Kindern", sagen die Teichmanns. Am Karfreitag feiern sie in Eichhorst ihre eiserne Hochzeit. Für die Zukunft wünschen sie sich, dass sie noch einmal reisen können.

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