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Altlandsberger Christen zeigen Kreuzigungs-Geschichte in Szenen und Passagen

Wider totes Brauchtum

Stadtkirche: Hier werden am Sonnabend Kreuzweg-Stationen dargestellt.
Stadtkirche: Hier werden am Sonnabend Kreuzweg-Stationen dargestellt. © Foto: MOZ/Gabriele Rataj
Gabriele Rataj / 25.03.2016, 15:48 Uhr
Altlandsberg (MOZ) Viele Menschen verbinden Ostern nur mit Feiertagen und Eier-Verstecken in erwachender Natur. An den christlichen Ursprung des Festes wollen jedoch die Protestanten Altlandsbergs mit der Darstellung der Kreuzigungs-Geschichte in und um die Stadtkirche erinnern.

Osterfeuer, Spaziergang, Eier-Suchen, Schokohasen-Verstecken, kleine Geschenke, das Dekorieren der Wohnung mit frühlingsbunten Primeln und weiterem Interieur sowie arbeitsfreie Feiertage gehören für viele Menschen zu diesem Wochenende.

Die evangelische Kirchengemeinde Altlandsberg aber möchte den christlichen Ursprung von Ostern, dem großen Fest der Kirche, nicht in Vergessenheit geraten lassen. Am Ostersonnabend lädt sie daher zur szenischen Darstellung der biblischen Kreuzigungsgeschichte in und um die Stadtkirche herzlichst ein.

Acht Stationen des Leidenswegs Christi habe die Arbeitsgruppe Gottesdienst aus dem Johannes-Evangelium ausgewählt und dazu passende Texte zusammengestellt, berichtet Rolf Borges vom Gemeindekirchenrat. Denn selbst wenn die Verbindung zur Kirche bei vielen Menschen nicht so groß sei, so sei doch vieles in unserem Leben hierzulande christlich geprägt, gehöre zur Allgemeinbildung in Mitteleuropa.

Ob es sich um Artikel eins des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" handele oder um das Gebot "Du sollst nicht töten" - "christliches Gedankengut steckt in vielem", sagt Borges. "Da wir in diesem Kulturkreis leben, sollten wir uns damit auch auseinandersetzen."

Er selbst als Wegendorfer Gemeindemitglied ist ebenso in die abendliche Darstellung der Leidensgeschichte eingebunden wie Konfirmanden und andere Altersgruppen aus der Gemeinde. Und natürlich werden die zehn, zwölf Darsteller in Anlehnung an die Zeit vor mehr als zwei Jahrtausenden in Tuniken bzw. anderes Passendes gehüllt sein. "Selbst gefertigt, bis auf die Helme der Legionäre", bestätigt Rolf Borges.

Dabei führt das Veranschaulichen der biblischen Kreuzigungsgeschichte bei passendem Wetter aus dem mächtigen Feldstein-Gotteshaus auch hinaus auf den Kirchplatz. Das Osterfeuer stellt eine Station daraus dar.

"Aber ohne Bier und Bratwurst", beugt der Vertreter des Gemeindekirchenrates falschen Vorstellungen vor. Dazu habe sich die Gemeinde zum Höhepunkt der Passions- bzw. Fastenzeit Passenderes wie Tee zum Warmhalten oder Hühnerbrühe und Brot ausgesucht.

Denn der Karsamstag, jener Tag zwischen Karfreitag (Kar, aus dem Althochdeutschen für Kummer, Klage, Trauer) und Ostersonntag sei ein stiller Tag, "an dem keine Feste und keine Hochzeit gefeiert werden", erklärt der Altlandsberger Pfarrer Johannes Menard. Er gestaltet an diesem Abend den liturgischen Teil, begleitet von Erzählerin, Darstellern sowie dem Kirchenchor.

Verleugnung, Verhör, Verhandlung sind dabei nicht allein Stationen der Szenenfolge, sondern auch Begrifflichkeiten, die aus aktuellen Zusammenhängen nicht wegzudenken sind. "Ganz gleich, ob wir gläubig sind oder nicht, vielleicht geben die Spielszenen dem Besucher damit auch Anlass, über menschliches Miteinander nachzudenken, eigenes Verhalten zu prüfen und zu werten", gibt Rolf Borges einer Hoffnung Ausdruck und fragt, "Wie schlimm ist es denn wirklich, wenn in dieser Zeit ein paar Menschen hier Asyl suchen?"

Pfarrer Menard stellt dazu auch eine diskussionswerte politische Antwort in den Raum, die der Evangelist Johannes zur Verurteilung Jesu durch die Römer durch Tod am Kreuz in der Bibel gibt: "Es wäre besser, einer stirbt für das ganze Volk, als dass die Römer unser Volk bekämpfen."

Ostersonnabend: 20 Uhr Osterfeuer am Kirchplatz, 20.30 Uhr Lesungen und Spielszenen, 22  Uhr Entzünden der Osterkerze zur Osternacht; Ostersonntag: 10 Uhr Familiengottesdienst

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