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Ein Konzert zweier Nationen

Caroline Reul / 28.03.2016, 18:59 Uhr
Neuzelle (MOZ) Das Konzert zur Osternacht im Kloster Neuzelle sollte in diesem Jahr ein Zeichen für die Verständigung von Syrern und Deutschen sein. Musiker beider Nationalitäten gestalteten gemeinsam das Programm "Bach.Passion.Aleppo" und begeisterte damit Gäste aus Ost und West.

"Amazing" - "Unglaublich", lautete das schlichte Urteil von Wedad Al Olabi auf die Frage, wie ihr das Konzert zur Osternacht im Kloster Neuzelle gefallen hatte. Gemeinsam mit etwa 50 weiteren Flüchtlingen und Asylbewerbern waren die junge Syrerin und ihre Familie, die momentan in Eisenhüttenstadt leben, von der Stiftung Stift Neuzelle eingeladen worden - zunächst zum Konzert zu "Bach.Passion.Aleppo" und später zu einem Besuch im Museum "Himmlisches Theater".

Auch dem zwölfjährigen Moussa Swaid, der seit einem Monat die Rahn-Schule in Neuzelle, ist begeistert. "Mir hat alles gefallen", sagt er lächelnd. Seine neunjährige Schwester Naya, seine Eltern Linda Soufi und Mazen Swaid stimmen zu. Für die Familie, die in Guben wohnt, war das Konzert etwas ganz Besonderes.

Doch auch die deutschen Besucher, die dafür sorgten, dass das Refektorium bis auf den letzten Platz gefüllt war, waren begeistert von dem musikalischen Experiment, das ihnen geboten wurde. Damit erfüllte sich der Wunsch von Walter Ederer für diesen Abend, der einfach wollte, dass viele Einheimische den Weg in das Refektorium finden, um die Gäste in unserem Land willkommen zu heißen.

Die Musiker des Ensembles I Confidenti gestalteten gemeinsam mit dem Ensemble Exxential Bach und vier syrischen Musikern das Programm "Bach.Passion.Aleppo", bei dem Auszüge aus der Matthäus- und der Johannespassion des deutschen Komponisten mit der Passionsmusik syrischer Christen gegenübergestellt wurden. "Für was steht denn die Passion Christi anderes als für das Leid aller Menschen? Und gerade jetzt sehen wir so viele Menschen leiden - das war der Ansatzpunkt für unsere Idee", erklärte Razek-François Bitar, der syrische Countertenor, der die Weisen aus dem Osten zur Aufführung brachte. Indem nun die Musik des Westens und des Ostens an einem Abend vereint wurden, sollte ein Zeichen für ein künstlerisches Miteinander gegeben werden.

Und wie sich herausstellte, hatten nicht nur die Künstler Spaß am gemeinsamen Musizieren, sie übertrugen diesen auch auf das Publikum. Besonders an den Klängen der traditionellen arabischen Instrumente Oud - einer Kurzhalslaute -, Nay und Kawala - zwei Flöten - , sowie die Harfe, die von Nahil Healaneh, Mohamed Fityan und Yousef Shallah gespielt wurden, fanden die Zuhörer Gefallen.

Ergänzt wurden die Passionsmusiken durch eine szenische Collage. Der Pantomime Steffen Findeisen gestaltete diese gemeinsam mit den Musikern. Reduziert an Ausstattung und Requisiten, aber dafür umso reichhaltiger an Gefühl, bot die Darstellung viel Raum für eigene Interpretation. Schon im Vorfeld hatte Regisseur Jürgen Hinz angedeutet, dass es schwer zu erklären sei, wie sich die szenische Collage mit der Musik verbindet. Manchmal sei sie Kommentar, manchmal Kontrapunkt. Für Razek-François Bitar ist sie definitiv das verbindende Element zwischen der Bach'schen und der christlichen syrischen Musik. Eine riesige Blüte beispielsweise wandelte von der Hand des Pantomimen in die Hand des Countertenors in die Hand einer deutschen Solistin.

Unterbrochen durch Klatschen wurden die einzelnen Programmpunkte, zu denen "Aus Liebe will mein Heiland sterben" (Aria aus der Matthäus-Passion), "Oh Mensch, bewein deine Sünde groß" (Choral) oder "Al Yauma Ullika - Heute wird der Herr ans Kreuz gehängt" (arabisch), nicht. Gebannte Stille herrschte während der Vorstellung. Umso ausdauernder war der Applaus am Ende - ob deutsch oder syrisch, war dann nicht mehr auszumachen.

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