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110 Jahre Lektüre für Frankfurt

Blick in den Ausleihebereich Ende der 1920er-/Anfang der 1930er-Jahre.
Blick in den Ausleihebereich Ende der 1920er-/Anfang der 1930er-Jahre. © Foto: Stadt Frankfurt (Oder)
Thomas Gutke / 01.04.2016, 06:32 Uhr - Aktualisiert 01.04.2016, 10:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie war eine der ersten Volksbüchereien in Deutschland überhaupt, heute wird sie 110 Jahre alt: Die Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Bestand ist von anfangs rund 5000 Bänden auf heute mehr als 150 000 Medien angewachsen.

Als Felix Plage kurz nach der Jahrhundertwende von der Stadt mit dem Aufbau einer Lesehalle beauftragt wurde, stand der Mittelschullehrer vor einer denkbar schwierigen Aufgabe. Ein Ort für die Volksbibliothek war mit Räumen im Klöckner'schen Haus in der Oderstraße 41 bald gefunden. Doch nun mussten die Regale mit Büchern gefüllt werden. 20 000 Mark standen Felix Plage dafür als Einrichtungsfonds zur Verfügung. "Es galt vor allem, den Buchbestand entsprechend den örtlichen Bedürfnissen und unter Beschränkung auf die wichtigsten Werke der einzelnen Wissensgebiete so auszubauen, daß die Bücherei auf wesentliche Fragen die Antwort nicht schuldig blieb. Die Wünsche und Bildungsabsichten der einzelnen Leserschichten waren zu ermitteln und die Neuanschaffungen hiermit in Einklang zu bringen", schrieb Plage 1926 rückblickend, und weiter: "Oberstes Gesetz blieb dabei, keine Zugeständnisse an den schlechten Geschmack zu machen."

Die Gründung ging unter anderem auf die Volksbüchereibewegung zurück. Mit 5000 ausgesuchten Bänden nahm die Frankfurter Lesehalle am 1. April 1906 schließlich ihren Betrieb auf. Die Bücher, Zeitungen, Zeitschriften oder Bildbände konnten dabei zunächst nur vor Ort genutzt werden. Eine Lesekarte kostete 20 Pfennige, wofür 20 Entleihungen möglich waren. Die Rechnung ging auf: Im ersten Jahr standen 67000 Ausleihen zu Buche - das Bedürfnis nach Lesestoff war groß.

Erst 1913 begann die Ausleihe außer Haus, Benutzer- und Ausleihzahlen wuchsen stetig an. Ebenso der Bestand. 1920 übernahm die Bibliothek die Schriften der Ratsbücherei, 1925 die Bestände der Kleistbücherei. Am 1. Januar 1926 erfolgte die Umbenennung der Lesehalle in Städtische Bücherei.

Das Haus an der Oderstraße erwies sich bald als zu klein. Die vielen Bücher bereiteten zeitweilig sogar statische Probleme. Abhilfe schaffte der Umzug in das "Nippehaus" genannte Stadthaus in der Bischofstraße, der 1932 abgeschlossen war.

Bereits ein Jahr später wurde Felix Plage in den Ruhestand geschickt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten richtete sich dabei auch die Bibliothek neu aus - der Bestand wurde "bereinigt". Von den im März 1933 zählenden 28 693 Bänden waren Anfang 1935 noch 11277 übrig. Viele wertvolle Bücher gingen damals verloren.

1945 war es vor allem Ursula Münchow, die sich als erste Leiterin nach dem 2. Weltkrieg um den Wiederaufbau der Stadtbibliothek kümmerte und dazu in den Trümmern zerstörter Häuser etliche Bücher rettete. Der Ausleihbetrieb wurde am 5. November 1945 wieder aufgenommen. Und zwar weiter im Haus in der Bischofstraße, obwohl es teils große Zerstörungen aufwies.

In der DDR übernahm die Einrichtung ab 1954 die Funktion einer Stadt- und Bezirksbibliothek. Viele Zweigstellen entstanden. Der Bestand an Medien wuchs erheblich. Weitere Zäsuren brachten das Wendejahr und die umfangreiche Rekonstruktion und Modernisierung des Bibliotheksgebäudes 1992/1993.

Inzwischen hat sich die Bibliothek zu einem modernen Bildungs- und Informationszentrum entwickelt - mit 150 000 Medien, vom klassischen Buch über Hörbücher und DVDs bis hin zu E-Books.

Über einige historisch bedeutende Etappen wird Sigrid Riedel, die kommissarische Leiterin der Bibliothek, heute bei einer Festveranstaltung sprechen. Beginn der Feierlichkeiten im Haus 1 ist um 16 Uhr. Den Abschluss bildet um 19 Uhr der Auftritt des Kaliope-Teams aus Berlin, das ein Harry-Belafonte-Programm präsentiert. Auch eine Ausstellung mit Dokumenten aus 110 Jahren Bibliothek ist zu besichtigen.

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