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Öffentlicher Personennahverkehr bleibt bedeutsam

Der Verkehr auf der Schiene bleibt ein wichtiges Thema.
Der Verkehr auf der Schiene bleibt ein wichtiges Thema. © Foto: MOZ/Rachner
04.04.2016, 22:30 Uhr
Havelland (MOZ) Das Aktionsbündnis PRO Regionalverkehr Osthavelland hat vor den Landratswahlen den Kandidaten ihre Positionen zum Thema Schienenpersonennahverkehr (SPNV) abgerungen. Die Quintessenz: Vieles bleibt denkbar, einiges unumstößlich.

Der CDU-Kandidat für die Landratswahl, Roger Lewandowski, setzt in der Debatte um die Verkehrsanbindung des Osthavellandes klar auf den Ausbau der Regionalbahn und nicht auf eine S-Bahn-Verlängerung. Das geht aus seinen Antworten auf Fragen des Aktionsbündnisses hervor. Der bisher vor allem als S-Bahn-Befürworter aufgetretene SPD-Kandidat Martin Gorholt überrascht mit der Aussage, er wolle beides: Regionalbahn und S-Bahn. Für die Regionalbahn positioniert sich auch Grünen-Bewerberin Petra Budke. Sie will zudem die Wiederherstellung von Bahnanschlüssen für Groß-Behnitz und Ketzin prüfen.

Lewandowski unterstützt die Vorschläge des Deutschen Bahnkundenverbandes für einen Ausbau der bestehenden Bahntrasse: "Mit dem Bau eines dritten oder vierten Gleises zwischen Nauen und Berlin werden die vorhandenen Gleise, die vor allem auch den Fernverkehr aufnehmen müssen, entlastet und der Regionalbahnverkehr kann unabhängiger vom Fernverkehr werden." Dies würde "die Regionalbahn zuverlässiger und weniger verspätungsanfällig machen und böte sogar die Möglichkeit die Taktung zu erweitern", schreibt er. Sein Ziel ist ein 20-Minuten-Takt von allen Bahnhöfen.

Den Vorstoß von S-Bahn-Chef Peter Buchner für eine Express-S-Bahn sieht Lewandowski als einen "durchsichtigen Vorschlag", der nur dazu dienen solle, den Regionalverkehr auszuschalten, um die bestehende S-Bahn-Verbindung bis Spandau besser auszulasten. "Wer darüber ernsthaft nachdenkt, handelt an den Interessen der Menschen im Osthavelland vorbei!", warnt der CDU-Politiker. Lewandowski verweist auf die Störanfälligkeit einer S-Bahn im Havelland durch die vorgesehene eingleisige Streckenführung, trotz Express-Konzept im Vergleich zur Regionalbahn längere Fahrzeiten, den Verlust von Anschlüssen nach Jungfernheide und Berlin-Schönefeld sowie ungeklärte Fragen der Finanzierung und technischen Umsetzbarkeit bei einer S-Bahn-Verlängerung.

"Ziel muss die optimale Organisation des Pendler-Verkehrs sein. Aus meiner heutigen Sicht gehören dazu sowohl die Regionalbahn als auch eine schnelle S-Bahn Anbindung ab Nauen", schreibt SPD-Mitbewerber Gorholt. Es sei "keineswegs ausgemacht", dass bei einer S-Bahn-Verlängerung die RB-Züge entfallen würden. Diese Aussage Gorholts ist insofern überraschend, als in bisherigen Konzepten in der Regel davon ausgegangen wurde, dass ein kompletter Parallelverkehr von S-Bahn und Regionalbahn im Havelland aus Kostengründen unrealistisch sei.

Gorholt plädiert dafür, alle auf dem Tisch liegenden Optionen zunächst einmal zu prüfen und verweist dabei auf die vom Land Brandenburg angestoßene Korridor-Untersuchung. Den Vorteil der S-Bahn sieht der SPD-Mann in deren unabhängiger Trassenführung. Eine Bestandsgarantie für die RB für den Fall einer S-Bahn-Verlängerung will Gorholt allerdings nicht geben: "Es ist keineswegs ausgemacht, dass im Zuge eines S-Bahn Ausbaus die Regionalbahn-Verbindungen gestrichen werden", schreibt er lediglich.

"Ich werde mich als Landrätin immer und überall für einen guten Regionalbahnverkehr im Havelland und für das dritte und vierte Gleis auf der Hamburger Bahn stark machen", kündigt Grünen-Kandidatin Budke an. Die Idee einer Express-S-Bahn bis Nauen sei zwar "nicht uninteressant", doch seien hier "noch sehr viele Fragen offen". Hier müsse es zunächst eine gründliche Prüfung geben - auch mit Blick auf Fahrzeiten und technische Realisierbarkeit. Auf keinen Fall dürften zudem die RE-Halte in Falkensee in Frage gestellt werden.

Der Bewerber der Piraten-Partei, Raimond Heydt, sieht dringenden Bedarf für einen Ausbau der Strecke zwischen Berlin und Nauen. Auf welche Weise dieser erfolgt, will er aber Bund und Land überlassen: "Wer bezahlt bestimmt, so ist das in unserer Gesellschaft", schreibt der Landrats-Bewerber.

Auf die Frage nach weiteren Zielen für den Bahnverkehr im Havelland nennt Budke stündliche Halte des RE4 nach Rathenow in Nennhausen und Buschow sowie auch wieder in Groß-Behnitz. "Auch die Wiederinbetriebnahme der Regionalbahn-Verbindung von Wustermark nach Ketzin ist zu prüfen", schlägt die Grünen-Bewerberin vor. Konkrete Ideen hat sie zudem für eine direkte Bahnanbindung über Dallgow-Döberitz und Elstal nach Potsdam.

Verbesserungsbedarf für die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt sehen auch Lewandowski und Gorholt, Letzterer hält sich mit konkreten Vorschlägen hierfür allerdings zurück. Lewandowski will neben Bahn-Direktverbindungen auch Express-Busse nach Potsdam diskutieren. Sowohl Lewandowski als auch Gorholt sichern zu, dass für sie als Landrat die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs im Havelland hohe Priorität hätte. Für Lewandowski gehören dazu auch eine Neugestaltung der Busverkehre unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

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