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Der mit dem Biber schwimmt

In seinem "Schreibverlies": Mike Meto Mettke arbeitete rund zehn Jahre an seinem Roman "Bis alles Schatten wird". Der Schriftsteller ist überzeugt davon, dass man nur gut schreiben kann, wenn man auch selbst etwas erlebt hat.
In seinem "Schreibverlies": Mike Meto Mettke arbeitete rund zehn Jahre an seinem Roman "Bis alles Schatten wird". Der Schriftsteller ist überzeugt davon, dass man nur gut schreiben kann, wenn man auch selbst etwas erlebt hat. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Annika Bischof / 05.04.2016, 06:50 Uhr
Drahendorf (MOZ) Brüllende Löwen neben seinem Zelt, Ohnmacht im Himalaya und ein Treffen mit Frau Rockefeller - Mike Meto Mettke hat in den vergangenen 30 Jahren viel erlebt und über 80 Länder bereist. In seinem ersten Roman spielen manche dieser Schauplätze eine Rolle, genauso wie seine brandenburgische Heimat.

Das Erste, was Mike Meto Mettke jeden Morgen macht, ist ein Sprung in die Spree. "Das ist hier wohl der schönste Abschnitt des Flusses", sagt der 51-Jährige, der zusammen mit seiner Frau in einem kleinen Haus in Drahendorf lebt. Vor fünf Jahren hat sich das Paar hier niedergelassen, ein Schritt, den der Lehrer zunächst skeptisch sah. Denn sein Lebenslauf ist vor allem durch eines geprägt: unterwegs sein. Sesshaftigkeit war dabei nie wirklich sein Ding.

Angefangen hatte alles mit dem Fall der Mauer. Zu diesem Zeitpunkt studierte Mike Meto Mettke an der Humboldt-Universität zu Berlin Deutsch und Englisch. Übers Radio erfuhr der Spreewälder von einem Förderprogramm der amerikanischen Botschaft. "Dafür hatte ich mich zusammen mit meinem Studienkollege Kai-Uwe Küchler beworben", blickt er zurück.

New York war dann seine erste Reise ins Ausland. Mike Meto Mettke arbeitete fortan als Betreuer in einem Feriencamp und unterrichtete Kinder und Jugendliche in Sachen Natur. "Für mich, war das ein Schlüsselerlebnis", sagt er heute. Die Erkenntnis, dass alles möglich werde, wenn man es nur anpacke, bestärkten ihn fortan und brachte ihm zugleich unerwartete Erlebnisse ein. So wurde er während seiner Betreuertätigkeit sogar Frau Rockefeller vorgestellt, die das Camp besuchte und neugierig auf den Mann aus dem Osten war. Darauffolgende Angebote an renommierten Universitäten wie Yale und Princeton zu studieren, schlug er jedoch aus. Er und sein Kumpel Kai, der unterdessen in Los Angeles in einem anderen Feriencamp beschäftigt war, hatten anderes im Sinn.

Während eines Roadtrip begegneten sie weiteren Globetrottern. Ihre Geschichten über Orte, die sie bis dahin nur von der Landkarte kannten, machten sie neugierig. So verschlug es die beiden Abenteurer 1992 unter anderem zum Kilimandscharo in Tansania. "Wir sahen aus wie Bergsteiger aus den 1920er-Jahren, weil wir alles übereinander gezogen hatten, was wir besaßen. Zudem trugen wir Stoffturnschuhe", berichtet der 51-Jährige. Trotz fehlender Bergsteigerausrüstung gelang der Aufstieg - eine Erfahrung, die sie auch mit anderen Menschen teilen wollten. So entstand die Idee zu "art & adventure" (engl.: Kunst und Abenteuer).

Zurück in Berlin stellten die beiden Männer fortan unter diesem Namen ihre Reisen in Bild, Ton und Text für Vorträge zusammen. Ziel war es, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das einen umfassenden Einblick in andere Länder vermitteln sollte. "Den ersten Vortrag hielten wir vor 250 Menschen in einem Fitnessstudio in Berlin-Treptow", erinnert sich Mike Meto Mettke. Diese multimedialen Abenteuerreportagen fanden Zuspruch und füllten beinahe automatisch den Terminkalender des Deutsch- und Englischlehrers. "Es war ein Fulltime-Job, wobei ich anfangs vom Plakatekleben bis hin zum Vortrag vieles mit organisierte", berichtet der Abenteurer, der zu diesem Zeitpunkt auch zum Fotograf und Drehbuchautor wurde. Deutschlandweit tourten die beiden Freunde am Wochenende. Unter der Woche jedoch stand Mike Meto Mettke im Klassenzimmer. Dieses intensive Pensum hielt er bis 1998 durch, dann stieg er aus. Kai-Uwe Küchler machte weiter und ist unterdessen auch beim Beeskower Fernwehbilderbogen mit seinen Präsentationen zu sehen.

Das Reisen an den Nagel gehängt, hat Mike Meto Mettke seitdem jedoch nicht. Im Gegenteil - er bereiste bislang über 80 Länder und stattete vor allem dem afrikanischen Kontinent immer wieder einen Besuch ab. "Die afrikanische Nacht ist das Schönste", bewundert er. Erst kürzlich reiste er zusammen mit seiner Frau und deren Freundin wieder nach Tansania. Die drei übernachteten in einem Zelt mitten in der Wildnis und erlebten dabei etwas, was selbst den erfahrenen Abenteurer einen Schrecken einjagte. "Zirka drei Meter von uns entfernt, brüllte plötzlich ein Löwe, wobei selbst ich mich erschrocken habe", erzählt er und muss lachen.

Angst habe er auf seinen Reisen jedoch noch nie gehabt.Selbst dann nicht, als ihm seine Abenteuerlust fast das Leben kostete. Bei einer Expedition ins Himalaya verließen ihn die Kräfte und er konnte mit seinem Freund nicht mithalten. Er fiel zurück und wurde dabei ohnmächtig. "Dort oben ist die Moral eine andere, als hier unten. Die Kraft reicht nur für jeden allein, um von dort wieder herunterzukommen. Dessen muss man sich bewusst sein", zieht er seine Lehren.

Ob in den Bergen, in der Savanne oder auf dem Fluss, Mike Meto Mettke mag es, von Natur umgeben zu sein. Dann fühlt er sich am wohlsten, was auch ein Grund dafür ist, dass es ihm in Drahendorf so gut gefällt. "Als ich aus der Spree einmal aufgetaucht bin, schwamm direkt neben mir ein Biber", berichtet er begeistert. Zugleich mag er es, sich in seinen vier Wänden einer weiteren Leidenschaft zu widmen: dem Schreiben. In seinem sogenannten "Schreibverlies", im Keller des Hauses, entstand auch sein erster Roman "Bis alles Schatten wird". Die Geschichte handelt von der Rückkehr eines Kriegsfotografen, der sich an Orten bewegt, die sich mit den Lieblingsplätzen des Autors decken: Brandenburg und Afrika.

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