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Moritz und Robert Hahn sind eineiige Zwillinge / Am Tag der Geschwister berichten sie vom Leben mit dem so gleichen Bruder

"Du bist älter, Du antwortest"

Geschwisterliebe: In der Realität sehen sich die eineiigen Zwillinge Robert (l.) und Moritz Hahn viel ähnlicher als auf dem Foto. Einen gleichaltrigen Bruder zu haben, finden sie gut. Sie sind Freunde. Nur beim Fußball hört die Freundschaft manchmal auf.
Geschwisterliebe: In der Realität sehen sich die eineiigen Zwillinge Robert (l.) und Moritz Hahn viel ähnlicher als auf dem Foto. Einen gleichaltrigen Bruder zu haben, finden sie gut. Sie sind Freunde. Nur beim Fußball hört die Freundschaft manchmal auf. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 10.04.2016, 07:45 Uhr - Aktualisiert 11.04.2016, 11:10
Eberswalde (MOZ) Am Sonntag ist Tag der Geschwister. Höchste Zeit, sich einmal mit ihrem Verhältnis untereinander zu beschäftigen. Am nächsten stehen sich eineiige Zwillinge. Doch wie ist es, einen gleichalten Bruder zu haben? Davon berichten Moritz und Robert Hahn aus Eberswalde.

Zur Tür herein spazieren zwei hochgeschossene blonde Jungs. Einer von beiden ist bekannt. Er schreibt für die Zeitung. Den anderen hat man eigentlich noch nie gesehen. Aber irgendwie dann doch. Denn die beiden sehen komplett gleich aus. Zumindest auf den ersten Blick. Sie sind eineiige Zwillinge. Wen jetzt mit Moritz begrüßen? Wem zeigen, dass man ihn kennt? "Moritz?" - "Nein, ich bin Robert", grinst der Angesprochene.

Dann schlendern die 17-Jährigen mit der Coolness, die nur Jungs dieses Alters haben können, zu ihren Plätzen. Was zu trinken? "Nö, wir müssen nur unbedingt etwas essen", sagt, Moment mal - wer jetzt? Die Jungs sehen so aus, als könnten sie zu jeder Tages- und Nachtzeit riesige Kuchenberge verdrücken und trotzdem schlank bleiben wie nix. Sie packen gleichzeitig ihre Streuselschnecken aus und beißen ausgehungert hinein.

"Du bist älter, Du antwortest", sagt Robert, der links sitzt, ein gestreiftes T-Shirt trägt und auf seinen Bruder zeigt. Damit wäre zumindest geklärt, wer jetzt wer ist. "Wie viel älter ist er denn?", die belustigte Frage zurück, wohlwissend, dass der Altersunterschied - sei er noch so klein - bei Zwillingen eine große Rolle spielt. "Sechs Minuten", sagt Robert bedeutungsschwer. Dann zu seinem Bruder: "Du hast da Puderzucker im Gesicht."

Nach dem Imbiss folgen die, wie die Jungs sie nennen, "Standardfragen". Die müssen sie sich von jeder neuen Bekanntschaft anhören - obwohl das Zwillings-Dasein für sie völlig normal ist. "Wir kennen es ja nicht anders", sagen sie. Und beantworten anschließend alles so routiniert wie zwei alte Hasen aus dem Showgeschäft.

Kurze lockige Haare, verschmitztes Grinsen - wie kann man sie denn nun auseinanderhalten? "An unseren Leberflecken vielleicht", überlegt Moritz. "Außerdem haben wir verschiedene Kopfformen." Stimmt. Wer genau hinsieht, hat es bald raus. Nur so mancher Lehrer der Humboldt-Gymnasiasten schafft es immer noch nicht, berichten die Elftklässler. "Obwohl die uns seit Jahren kennen." Eine Lehrerin würde ständig laut überlegen, wer denn nun wo sitzt, so Moritz.

Den typischen Streich, sich für den anderen auszugeben, hätten sie den Lehrern nie gespielt, behaupten sie. Klar, sind ja schlaue Jungs, die wissen, wie man sich präsentiert, wenn das Gesagte am nächsten Tag in der Zeitung steht.

Als Babys seien sie wirklich schwer auseinanderzuhalten gewesen, erzählen die Zwillinge. Deshalb hätten die Eltern sie unterschiedlich angezogen. "Robert war rot, ich blau", so Moritz. "Toll, ihr habt ja doppelt so viele Klamotten zu Hause." Diese Feststellung tun die beiden Jungs, die auf Mario Barth und das Videospiel Fifa stehen, als Mädchenfrage ab. Sagen sie zwar nicht so. Das verrät ihr Blick. "Wir leihen uns trotzdem selten etwas aus", berichten sie. "Höchstens mal ein Hemd für einen Auftritt."

Das vorletzte Jahr auf dem Gymnasium, Blockflöte, Schlagzeug, Fußball, Jugendredaktion. Ein Treffen für das Interview auszumachen, war nicht einfach. Die Jungs haben eine riesige Portion Energie. "Unsere Eltern sagen, wir sind nicht ausgelastet", sagt Moritz. Ob die beiden ohne so viel Action überhaupt ne Minute stillsitzen könnten?

Was auffällt, weil das gerade bei eineiigen Zwillingen oft nicht der Fall ist, sie verstehen sich prima. Von Konkurrenz mit dem Bruder ist nichts zu spüren. Das, obwohl die Jungs sogar seit der ersten in dieselbe Klasse gehen. Sie verstehen sich so gut, dass sie später sogar während des Studiums zusammenwohnen würden. Jedoch nur, wenn dies mit ihren Studienwünschen - Moritz Sportjournalismus, Robert Lehramt auf Politik und Geschichte - übereinstimmt.

Doch beim Fußball ist ihr Ehrgeiz geweckt. "Da will ich schon besser sein als mein Bruder", sagt Moritz. Und deshalb ärgere es ihn, wenn so manches Tor versehentlich seinem Bruder zugesprochen wird, obwohl er es geschossen hat. Und früher hätten sie sich manchmal um den Nintendo gekloppt - aber nur freundschaftlich.

Ihre Eltern hätten sich gefreut, als sie hörten, sie bekommen Zwillinge, berichten die Jungs. Nur kurz vor der Geburt habe sich die Mutter einmal gegruselt. "Sie hat geträumt, dass einer von uns mit einem Schnurrbart zur Welt kommt - wie das Baby von der Addams Family", erzählt Moritz. Seit die große Schwester aus dem Haus ist, habe es ihre Mutter manchmal schwer, so die Jungs. "Wenn ihr wieder mal ein Missgeschick passiert", wie versehentlich in den Gartenteich zu fallen, müssten der Vater und sie einfach lachen.

Moritz beschreibt seinen Bruder als humorvoll und ein bisschen faul. Robert nennt Moritz daraufhin ebenfalls irgendwie faul, aber auch ehrgeizig und sportlich.

Beide möchten am liebsten selbst Zwillinge bekommen. "Denn wir verstehen uns blind."

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